Ich packe meine Koffer …

… und ziehe um. Nur virtuell. Offenheit ist schön, aber ich fühl mich hier seit einiger Zeit etwas zu nackisch. Nicht vor denen, die hier lesen, aber vor potenziell zukünftigen Lesern. Da ich in meinem neuen Haus aber ungern einsam bin, lade ich gern Gäste ein. Wer möchte denn mal vorbeikommen?

Ansonsten sage ich mal: Tschüß, altes Blog, grellbuntes Design, es war sehr schön und unterhaltsam mit dir, und ich habe mit deiner Hilfe sehr viele spannende Menschen kennengelernt, mit denen mich gedanklich vieles verbindet. Ich habe mit dir gegen meinen Alltagswahnsinn angeschrieben und die Sonnenscheinstunden gern mit dir geteilt.

Posted on November 4th, 2011 by admin  |  1 Comment »

Volksmusikalische Verwirrungen

Die Tochter kommt aus dem Kindergarten nach Hause und fragt: “Mama, Papa, was ist eigentlich ‘schunkeln’? So was wie kuscheln?” Da dem Kind die Erklärung “Eine Menge Menschen sitzt gemeinsam auf einer Bank, hakt sich unter und bewegt sich – sitzend – von links nach rechts und rechts nach links” nebst elterlicher Demonstration nicht ausreichte (“Häh? Warum stehen die denn nicht auf? Fällt da keiner von der Bank dabei?”), bemühten wir Yo.utube, und das Töchterlein starrte gebannt auf den Bildschirm. Nach einer gefühlten Ewigkeit fragte sie dann: “Du, sind das eigentlich ECHTE Menschen?”

(jetzt weiß ich auch, warum die Generation “Musikantensta.dl” immer nachwächst: das sind gar keine Menschen, das sind Schunkel-Roboter!)

Posted on Oktober 14th, 2011 by admin  |  Kommentare deaktiviert

Großfamilienfeeling

Wenn 1,2 Kilo Kartoffeln und 1 Kilo Äpfel nicht reichen für ein Mittagessen (Reibekuchen).

Wenn der Obsthändler unseres Vertrauens fragt, ob er die 10 Kilo Äpfel, die wir monatlich brauchen, mit zum Auto tragen soll.

Wenn ein Blechkuchen an einem Nachmittag verspeist wird.

Wenn der Inhalt der Gemüsekiste so umfangreich wird, dass er auf zwei verteilt werden muss.

Wenn ich überlege, statt 750g Brot lieber 1000g pro Tag zu backen.

Wenn 500g Mehl für die Sonntagsbrötchen nicht mehr reichen.

Wenn ich nicht mehr 280, nicht 350, sondern einfach gleich 500g Nudeln koche.

Wenn es nach dem abendlichen Kochen keine Reste mehr für den nächsten Tag gibt.

Wenn ich über die Anschaffung größerer Töpfe nachdenke.

Wenn ich feststelle, dass sich die Ausgaben für Lebensmittel in den letzten Monaten um 20-30 Euro erhöht haben.

Dann merkt man, dass da drei stetig wachsende Kinder am Tisch sitzen und es sich schmecken lassen. Manchmal fühle ich mich beim Hineinschaffen der Lebensmittel in Keller und Kühlschrank wie ein Eichhörnchen. Nur: das Eichhörnchen kommt damit über den Winter. Ich muss den Vorrat wöchentlich neu bestücken.

Posted on Oktober 13th, 2011 by admin  |  Kommentare deaktiviert

Dann eben Apfelbutter

Weil der Kopf voll ist und das, was ich schreiben will, vom inneren Zensor zurückgerufen wird, schreibe ich heute über Apfelbutter, weil Apfelbutter das Beste war, das ich heute produziert habe. Vor unserem Kindergarten stehen Apfelbäume mit traumhaft roten und saftigen Äpfeln. Die Erzieherinnen backen mit den Kindern Apfelbrot, Apfelkuchen, kochen Kompott und verschenken Äpfel. Dennoch werden die Bäume nicht recht leer, und so sammle ich mit den Mädchen ab und an ein Eimerchen auf und verarbeite es zu Hause. Heute habe ich Apfelbutter ausprobiert – und wir hätten drin baden können, ein wirklich genialer Brotaufstrich.

Man nimmt 1,5 Kilo Äpfel (auch gern Fallobst), wäscht und putzt sie und schneidet sie mit Stumpf und Stiel in große Würfel. Die Apfelwürfel kochen mit 200ml Wasser ca. 20 Minuten, bis sie ganz weich sind. Das Apfelmus streicht man danach durch ein Sieb (Notiz an mich selbst: ich brauche eine Flott Lotte) und kocht es zusammen mit 200g Rohrzucker und 100g Muscovadozucker, dem Saft und der Schale einer Zitrone und einem bunten Gewürzcocktail aus Gewürznelken, Piment, Zimt, Muskatblüte (je nach Belieben, ich mag Nelken nicht so sehr und dafür Zimt umso mehr) und ein wenig Salz auf – und ein, d.h. das Apfelmus kocht ca. 30-40 Minuten bei leicht geschlossenem Topf ein. Zwischendurch sollte man mit Küchenhandschuhen umrühren, damit nichts anbrennt. Am Ende befindet sich im Topf eine dicke, bräunliche Masse (ich habe keine Fotos gemacht, weil die Farbe eher an körnigen Senf erinnert), die unglaublich aromatisch und etwas vorweihnachtlich schmeckt und sich ganz toll als Brotaufstrich, z.B. auf frischen Rosinenbrötchen, eignet. Man kann das Ganze in sterilisierte Gläser füllen und wie Marmelade ein paar Monate aufheben, oder aber man lebt in einer Vielesser-Gemeinschaft und muss demnächst wieder Äpfel sammeln.

Gefunden habe ich das Rezept bei Kille Enna und Georg Schweisfurth: Der echte Geschmack. (und vielleicht sollte ich mein Kochblog mal besser pflegen, dann könnte ich hier über ernsthaftere Dinge schreiben …)

Posted on Oktober 12th, 2011 by admin  |  Kommentare deaktiviert

Die Kittmasse der Gesellschaft

“Es gibt Zeiten im Leben eines Kindes, da sollte die Mutter nicht arbeiten!”, sprach die Klassenlehrerin der ersten Klasse am ersten Elternabend. Im Geiste fügte ich hinzu “Und diese Phase dauert von der Geburt bis zum Abitur oder wahlweise bis zum Ende der Ausbildung!” Eben erhielt ich eine E-Mail. In der Schule des Großen haben sich ambitionierte Mütter zusammengetan, um in der Pause Brötchen zu schmieren und Waffeln zu backen – nicht, weil es sich um eine Schule in einem ausgesprochenen Krisengebiet mit hungernden Kindern handelt, sondern um die Klassenkasse aufzubessern. Nun wäre es ja okay, wenn das Waffelnbacken und Brötchenschmieren auf freiwilliger Basis geschähe – tut es aber nicht. Schwuppdiwupp werden verpflichtende Brötchenpläne ausgearbeitet, mit Vertretungsregelungen und Mengenangaben. Und immer und überall schwingt die Frage mit: Warum kommst du nicht zum Waffelnbacken dazu? Oh, vielleicht, weil ich arbeite in diesen wenigen Stunden, in denen sich meine Kinder außer Haus befinden? “Ach so.” Betretenes Schweigen.

Die Grundschule vor Ort ruft die Mütter im Dorfkäseblatt auf, doch bitte der Schule Farbe, Pinsel und Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, die Eltern seien eingeladen, die Schule von innen neu gestalten. Aufgrund gekürzter Sachmittel müsse man die Sache selbst in die Hand nehmen. Am Freitagmorgen.

Die Nachbarin erklärt mir mit vorwurfsvollem Unterton (ich hatte gar nicht nachgefragt), sie könne auch nach zehn Jahren Elternzeit nicht anfangen zu arbeiten, jetzt wo ihr Sohn aufs Gymnasium gehe, sei sie vollauf damit beschäftigt, sich den Stoff für Französisch und Chemie anzueignen, um ihrem Sohn nachmittags unter die Arme greifen zu können. Okay.

Die Sozialarbeiterin der Krankenstation, auf der meine Mutter vor einem halben Jahr wegen partieller Erblindung lag, fragt telefonisch nach, ob ich wirklich keine Möglichkeit hätte, meine Mutter zu mir zu nehmen und zu pflegen. Es ginge ja nur um die Tage, nachts schlafe sie ja.

Und bevor mich jetzt jemand für karrieregeil, herzlos oder unsozial hält: Ich finde es toll, für die Schule Kuchen zu backen. Ich setze mich auch gern hin und frage chemische Formeln ab. Und ich bewundere alle Frauen (und Männer), die ihre kranken Eltern zu sich holen und ihnen viel Zeit widmen. Was mich stört, nicht nur stört, sondern regelmäßig wütend macht ist nur die Tatsache, dass die Gesellschaft all diese Tätigkeiten von Frauen (nicht von Männern) erwartet. Pflegen, helfen, schützen, Geld einsammeln. Kuchen backen. Kittmasse der Gesellschaft sein. Selbstverständlich selbst- und kostenlos. Kittmasse für dieselbe Gesellschaft, die ihnen 20-30 Jahre später erklärt, eine nennenswerte Rente gäbe es aber nicht, die Frau sei ja immer “zu Haus” gewesen und habe vom Geld ihres Mannes gelebt. Selbst schuld, wer sich so abhängig mache.

Irgend etwas läuft hier doch gründlich falsch.

Erstens. Wir arbeiten und sind Steuerzahler. Darf ich da nicht erwarten, dass die Schule, die mein Kind besucht, von Steuergeldern unterhalten wird? Und darf ich als Mutter nicht auch (ein klein wenig) erwarten, dass die Kinder in die Schule gehen, um dort von qualifiziertem Fachpersonal unterrichtet zu werden? Muss ich mir den Stoff von 10 Unterrichtsfächern, statt zu arbeiten, selbst aneignen, um das Kind zum Abitur zu schleifen?

Zweitens. Wenn eine Gesellschaft darauf aufbaut, dass Menschen, die keiner bezahlten Tätigkeit nachgehen, für diese Gesellschaft relevante Arbeit leisten (Kindererziehung, Altenpflege) dann muss sie sich diese Arbeit auch etwas kosten lassen. Im jetzigen Leben und im Hinblick auf die Rente. Eine Fachkraft, die eine Mutter im Krankheitsfall vertritt, putzt, Kinder betreut, wäscht und zum Sport bringt, verdient 15 Euro pro Stunde. Das ist nicht viel, aber mehr, als jede Mutter verdient. Außerdem zahlt sie selbst in die KV und RV ein. Eine Vollzeitmutter nicht.

Drittens. Alle Lebensformen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Eigentlich alles ganz einfach. Vielleicht 2090?

Posted on Oktober 7th, 2011 by admin  |  Kommentare deaktiviert

Schlafen, schlafen, schlafen

Wie kommt es eigentlich, dass ich, obwohl mittlerweile alle Kinder mehr oder weniger durchschlafen, morgens immer noch am Tisch sitze und gähne? Warum schlafe ich mittags ein, wenn ich das kleine Mädchen hinlege? Und warum kommt mir, wenn die Restfamilie ausgeflogen ist, nichts Sinnvolleres in den Kopf als mich ins Bett zu legen und die Augen zu schließen? Gibt es so etwas wie habitualisiertes Müdesein? Oder bauen sich die Schlafdefizite der Babyzeit so langsam ab? Habe ich einen Schlaf-Counter, der nicht Ruhe gibt, bevor ich die letzte Stunde aufgeholt habe? Fragen über Fragen. Und vor allen Dingen: früher, also im Studium, konnte ich Nächte durchwachen, egal ob mit Feiern oder Lernen, und am nächsten Morgen bin ich Laufen gegangen. Ich dachte immer, im Alter benötigt der Mensch weniger Schlaf?! Vielleicht brauche ich einfach eine neue Kaffeemaschine ….

Posted on Oktober 6th, 2011 by admin  |  Kommentare deaktiviert

Alles hat seine Zeit

Als der Große geboren wurde, habe ich Entwicklungsbücher gelesen und Pekip-Kurse besucht. Das Kind morgens und abends massiert. Jeden Entwicklungsschritt dokumentiert und dabei nach links und rechts geschaut. In Gesprächen mit anderen Müttern lernte ich das “Mein-Kind-kann-schon”-Syndrom kennen (Danke für diesen tollen Blogbeitrag!). Und immer waren Kinder dabei, die konnten schon laufen, krabbeln, nachts durchschlafen (enorm wichtig für die Mütter), zehn Stunden ohne Milch auskommen, auf einer Kraxe die Zugspitze besteigen und und und … “So Kind”, dachte ich manchmal zu Hause. “Und was kannst du?” Das arme erste Kind hat es an sich, unfreiwilliges Versuchskaninchen für seine Eltern zu sein. Es landet zuerst im Kindergarten, wo es mit dem “Mein-Kind-kann-schon” weitergeht, dann in der Schule, wo im schlimmsten Fall die Lehrperson dem Kind, das noch gar nicht competent for competition ist, erzählt, dass A, B oder C dieses oder jenes auch schon viel besser können. Mit dem ersten Kind haben wir vor der Schule Buchstaben geübt, weil manche Kinder schon lesen konnten; wir haben mit diesem Kind Rechnen geübt, weil Schantalle und Kewin schon eine Seite weiter waren im Mathebuch, wir haben mit ihm Silben geklatscht und zu englischen Liedern getanzt. Nein, nein, das alles ist nicht schlecht. Schlecht daran war nur der Druck, unter dem wir es getan haben. Je größer und mehr die Kinder wurden, desto weniger haben wir dem Druck nachgegeben. Es ging nicht mehr, nein, und wir wollten nicht mehr. “Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht”, lautet das Sprichwort, und es stimmt. Das Kindergartenkind erkennt die Buchstaben, ohne dass ich einmal mit ihm geübt hätte, und es legt geometrische Formen aus Kastanien und Eicheln, ohne dass ein elterliches Curriculum dahinter stünde. Das größte Kind wiederum, das, das beim Rechnen zwei Seiten hinter Schantalle und Kewin herhinkte und in den Sommerferien seine Mathesachen ganz tief hinten im Zimmer verbuddelte, dieses Kind überrascht mich plötzlich damit, dass es dreistellige Hundertergruppen im Kopf addiert. Das Kleinkind wiederum wurde trocken, nachdem es selbst einforderte, die Windeln nun mal dem Nachbarsbaby zu schenken. Wir haben keine Uhr gestellt, kein Töpfchentraining gemacht, keine tollen Sitzkonstruktionen auf der Toilette aufgebaut und das Ganze nicht einmal literarisch begleitet. Seitdem glaube ich, dass alles seine Zeit hat: das Durchschlafen, das Chinesischlernen, das Rechnen, das Bratschespielen und das Nichtstun, das Warten und Beobachten. Die Hand, das Lexikon oder das Taschentuch reichen, wenn sie gebraucht werden, aber ansonsten auch ganz viel Gewährenlassen und Gedulden und Erfreuen daran, dass Fähigkeiten reifen können. Schade nur, dass unsere uniformierten Bildungsgänge so wenig Raum ermöglichen für individuelles Lerntempo und das “Mein-Kind-kann-schon” oft zum Maßstab aller Dinge wird.

Posted on Oktober 5th, 2011 by admin  |  Kommentare deaktiviert

Verbrechermutti

Falls Sie heute ein ohrenbetäubendes Geschrei gehört haben und eine Mutter beobachten konnten, die mit einem kleinen Mädchen fluchtartig den Supermarkt verließ, das war ich. Manchmal, bevor wir den großen Sohn vom Bus abholen, drehen das kleine Mädchen und ich eine kleine Runde durch den örtlichen Supermarkt. Ein Paket Butter kaufen, oder ein Bund Möhren. Fast immer sitzt um diese Uhrzeit dieselbe Verkäuferin an der Kasse, und fast immer bekommt das kleine Mädchen beim Bezahlen einen Kirschlolli. Nicht prickelnd zwar, aber was solls, die Zähne der Kinder sind in Ordnung, sie putzen nach jeder Mahlzeit, und ich glaube, komplett zuckerfreie Kindheiten gibt es nicht. Heute aber begab es sich, dass das kleinste Mädchen just fünf Minuten vorher seine Zähne geputzt hatte. Auf die Frage, ob es ein Lolli sein solle, antwortete ich genau das: “Nein, vielen Dank, heute mal nicht, die Zähnchen sind frisch geputzt!” Nicht damit gerechnet hatte ich, dass das Ablehnen eines Lollis der Erregung eines öffentlichen Ärgernisses gleichkommt. Nicht nur das kleine Mädchen, das ansonsten eine engelsgleiche Gemütsruhe besitzt, schwoll rosarot an und brüllte aus Leibeskräften, nein, die Kassiererin war drauf und dran, es ihr gleich zu tun. “Ja bitte, dann eben nicht!”, presste sie wutunterdrückt hervor. Die ältere Dame hinter mir schüttelte vernichtend den Kopf, und die Supermarktleitung der benachbarten Obstabteilung schaute mich an, als hätte ich soeben öffentlich gefordert, Verkäuferinnen nicht mehr auf 400-Euro-Basis einzustellen und Kon.dome auch in XXL anzubieten. Auf dem Parkplatz rief eine ondulierte Frau hinter mir her: “Es ist doch nur ein Lolli!”, und ich antwortete: “Aber es sind 20 saubere Zähne!” Im Geiste solidarisierte ich mich mit dem Zahnarzt der Kinder und versuchte mir vorzustellen, er hätte hinter mir gestanden. Ich schätze, wenn die kleine Tochter groß ist, wird der jederzeitige Genuss eines Kirschlollis in die Charta der Menschenrechte aufgenommen.

Posted on Oktober 4th, 2011 by admin  |  Kommentare deaktiviert

Kommt, wir gehen in den Wald!

Das große Kind ist Feuer und Flamme. Überhaupt würde das große Kind, seit es laufen kann, besser in die Welt von Ronja Räubertochter passen als ins 21. Jahrhundert. Gut, dass er in der Schule immer noch manchmal auf Bäumen sitzen und in Kastanienbetten liegen darf. Das mittlere Kind läuft mit, um aber kein Mitläufer zu sein, bricht es demonstrativ auf halber Strecke zusammen und braucht eine Riesenportion extrinsischer und intrinsischer Motivation, um weiterzulaufen. Das kleinste Kind geht ungehemmt seinem Sammeltrieb nach, Hinweise darauf, dass in meine Tasche nicht mehr als fünf Kilo Kastanien und Eicheln passen und vielleicht auch andere Menschen noch bunte Ahornblätter mit nach Hause nehmen wollen, ignoriert es geflissentlich. Erschöpft von seiner Jäger- und Sammlertätigkeit lässt es sich vom Vater zurück zum Auto tragen. Die Eltern erfreuen sich der Farben und Gerüche und frotzeln darüber, ob das kinderlose Paar um die 50, das am Teich stand und schweigend nebeneinander ferngesteuerte Boote über das Wasser fahren ließ (sie ein langsames Segelschiff, er ein schnelles Sportboot), dies wohl im Rahmen einer Paartherapie tat oder wir gerade Statisten eines neuen Buck-Films wurden. Glücklich darüber, statt mit zwei ferngesteuerten Booten mit drei Kindern nach Hause fahren zu dürfen.

Posted on Oktober 3rd, 2011 by admin  |  Kommentare deaktiviert

Erntedank

Heute sind wir früh aufgebrochen, um den Erntedank-Gottesdienst auf unserem Lieblingshof zu feiern. In einer Scheune. Inmitten von Getreidehaufen, Strohballen, Sonnenblumen, mit Kühen, die neugierig von der Wiese aus ihre Hälse reckten, um zu schauen, warum da in ihrer Scheune so viel Lärm war. Während der Bauer vom Säen und Ernten erzählte, vom warmen April und kalten August, unterdurchschnittlichem Grasschnitt im Frühsommer und prächtiger Kartoffelernte jetzt im Herbst, da dachte ich, dass wir Zivilisationsmenschen verlernt haben, Danke zu sagen für das, was uns täglich geschenkt wird. Wenn uns Schulmedizin und Novel Food Industrie die Mähr vom Übergewicht einreden, ist das Essen auf dem Tisch für viele am Ende keine Gabe, sondern ein Feind, böse Verführung, bestehend aus einem Haufen Kalorien.

Dabei könnten wir ungeheuer reich sein. Um uns herum hängen die Bäume voll Obst, die Kürbisse sind reif, die letzten Tomaten schmecken so süß, als sei jemand mit dem Zuckerstreuer vorbeigelaufen, und der Biohof verschenkt Kartoffeln, weil die Ernte so prächtig war. Am Kindergarten haben wir Äpfel gesammelt und daraus Kompott gekocht. Die Natur gibt, wir müssen nur nehmen, so viel wir brauchen, und aufhören, wenn es genug ist.

Und weil mir der heutige Blogbeitrag von Frau Frische Brise so gut gefiel, hier die Dinge, für die ich dankbar bin:

- für den alten Herrn auf dem Wochenmarkt, dessen Wangen so rot waren wie die der Äpfel, die er unseren Kindern schenkte, mit den Worten “Äpfel und Milch und Honig müssen wir den Kindern geben, immer nur das Beste, sie sind unsere Zukunft!”

- für die Wochen voller Sonnenschein, die mein Jammern über den kalten Sommer haben verstummen lassen.

- für die Tage voller Leben, Begegnungen, stille Übereinstimmung in Blicken, Momente des Wiedererkennens.

- für die Menschen, die ich liebe. Die mir meine Grenzen aufzeigen und dabei helfen, sie zu erweitern.

- für das Brot, das ich esse, und dafür, dass es nicht nur Brot ist.

- für die Berge, Täler, Geröllhaufen in meinem Weg, denn ohne sie wäre ich nicht ich.

- dafür, dass ich noch nicht fertig bin und immer weiter werden darf.

Und damit das hier nicht Überhand nimmt mit der Pathetik … der Sohn fragte, warum die Pastorin nicht dieses Lied auf ihre Liste gesetzt habe:

Posted on Oktober 2nd, 2011 by admin  |  Kommentare deaktiviert