Geburtslast
Seit ich Kinder habe, habe ich ständig ein schlechtes Gewissen – und das hat sich auch nach fünf Jahren noch nicht geändert. Stille ich das eine Kind, habe ich ein schlechtes Gewissen den anderen gegenüber, denn die müssen sich ja in dieser Zeit selbst beschäftigen. Schalte ich zur Vermeidung größerer Unfälle in dieser Zeit Kika ein, habe ich ein schlechtes Gewissen, denn Kinder sollten ja nicht zu viel fernsehen. Komme ich wegen diverser Arztbesuche nicht zum Kochen und serviere Fertigpizza, schreit das Gewissen, Kinder müssen Gemüse essen. Putze ich, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich den Kindern nicht vorlese, putze ich nicht, schreit das Gewissen, Kinder haben ein Recht auf eine saubere Wohnung. Kaufe ich der Jüngsten eine neue Jacke, nörgelt das Gewissen, ich soll nicht so viel Geld ausgeben, tue ich es nicht, nölt das Gewissen, das Kleinste soll doch nicht als unser Lumpenkind enden. Baue ich das Planschbecken auf, fragt das Gewissen, ob es wirklich warm ist, tue ich es nicht, löchert es mich, warum ich den Kindern das Vergnügen nicht gönne. Gehe ich ab Herbst arbeiten, tönt das Gewissen “Rabenmutter”, bleibe ich ein weiteres Jahr zu Hause, warnt das Gewissen, ich verpasse den Anschluss ans Berufsleben …
Und so weiter, und so weiter … Als ich gearbeitet habe, habe ich nicht ständig alles in Frage gestellt, sondern entschieden und gut war … und nu? Zur Hülfe …
