Archive for Juli, 2009

Wenn man

am Vorabend mit 38,7 Fieber und Halsweh auf dem Sofa liegt und darüber nachdenkt, dass das der erste Geburtstag im Leben sein wird, den man kränkelig verbringt und man eigentlich gar keine Lust hat und sich fragt, ob man Geburtstage verschieben kann, wenn man dann aber am Morgen von kleinen hellen Kinderstimmen mit lustigen Geburtstagsliedern geweckt wird, wenn der Frühstückstisch mit Sonnenblumen, Blaubeer-Lieblingstorte, Selbstgebasteltem, Gemaltem, Büchern und wunderschöner Wäsche geschmückt ist, steigt die Geburtstagslaune des krächzenden Geburtstagskindes dann doch rapide in die Höhe. Wunderschöner Tag heute! :-)

Posted on Juli 31st, 2009 by Patricia  |  4 Comments »

Vom elterlichen Bauchgefühl

Ich oute mich heute mal als Morgens-Immer-Wenn-Das-Baby-Schläft-Windelbog-Leserin. Damals, mit dem ersten Kind, 2003, hatte ich weniger Zeit zum Lesen, weil das Kind meist im Tragetuch vor mir hing und ich es nicht direkt vors Notebook setzen wollte. Außerdem gab es damals weniger Blogs. Heute staune ich manchmal, dass manche Diskussionen ähnlich dramatisch verlaufen wie damals in diversen Foren. Damals, als ich schon vor der Geburt Fachliteratur zum richtigen Tragen, richtigen Stillen und richtigen Schlafen verschlungen habe. Dann kam mein Sohn, und mit ihm der Abgleich von Theorien und Realität. Das Stillen klappte nicht, trotz Stillberatung, geduldiger Hebamme und guter Literatur war die Milch nach 8 Wochen weg, ich das heulende Elend (in Deutschland nicht zu stillen gilt zumindest in akademischen Kreisen als persönliches Versagen), im Geiste einen allergiegeplagten, übergewichtigen, asthmatischen Sohn vor mir (der heute kerngesund und gertenschlank ist). Das Tragen klappte dafür um so besser, am liebsten und besten rund um die Uhr. Ich habe es genossen, wenn der Papa nach Hause kam, überhaupt mal allein auf die Toilette gehen zu dürfen. Anderes Thema: Beikost: wollte das Kind unbedingt schon nach vier Monaten, sollte es aber eigentlich erst nach sechsen – irgendwann haben wir nachgegeben und das Kind war glücklich. Schlafen: ich war gegen das eigene Kinderzimmer, wollte meinen Sohn neben mir haben, ihn atmen hören. Mein Sohn wollte aber mich nach einigen Wochen weder atmen noch wühlen hören – ich habe ihn irgendwann probehalber ins eigene Bett im Zimmer nebenan gelegt, wo er selig lächelnd ein- und durchschlief.

In Kitas, beim Pekip und Babyschwimmen, das man so als Erstlingsmutter besucht, um dem Kind auch ja keine frühkindliche Entwicklungschance zu nehmen, wurde und wird man dann gefragt: Stillst du nach Lothrop, schläft dein Kind nach Ferber? Nein, meine Kinder haben sich beim Essen wie beim Schlafen nach ein paar Monaten einen Rhythmus angewöhnt, nicht von uns aufgezwungen, sondern selbst gewählt, mit dem sie von Tag zu Tag besser klar kommen. Wenn wir Eltern diesen Rhythmus durchbrochen haben, war und ist der Tag im Eimer (gemäß dem anthroposophischen Motto “Rhythmus ersetzt Kraft”). Auch heute noch, mit 3 Kindern, schöpfen wir viel Kraft aus der Regelmäßigkeit: gemeinsame Mahlzeiten zu relativ festen Zeiten, fixe Schlafens- und Ausruhzeiten, Zeiten für Aktivität und Zeiten für Ruhe. Ich habe mit der Zeit weniger gelesen und öfter meine Kinder angeschaut (oder vielleicht habe ich genau so viel gelesen wie vorher, das Gelesene aber weniger ernst genommen und nicht immer darüber nachgedacht, es sofort im Alltag anzuwenden). 

Als ich klein war, gab es die Theorie, ein Kind zu tragen verwöhne es und ein Kind nachts zu beruhigen, sei äußerst ungesund für seine Entwicklung. Meine Mutter hatte diese Theorie verinnerlicht und hat mich wenig getragen und nachts schreien lassen. Mein Vater fand beides unerträglich und trug mich, wann immer er konnte und schaukelte nachts mein Bett und streichelte mich ich den Schlaf, bis er nach ein paar Monaten mit Sehnenscheidenentzündung im rechten Handgelenk krankgeschrieben wurde. Ich habe (man muss wohl sagen TROTZ dieser haarsträubenen Theorie dank völlig theorie-unbelecktem und eher intuitivem Vater) keinen Schaden davongetragen, und wenn ich aus dem Bauch heraus entscheiden sollte, wer meine Bedürfnisse in der Kindheit völlig ohne Erziehungsratgeber mehr erfüllt hat, tippe ich auf meinen Vater.

Als Kind 1 den Eindruck machte, als stehe es stabil mit beiden Beinen mitten im Leben, haben wir die kleine Schwester ins Rennen geschickt. Bei ihr war ich in puncto Stillen, Schlafen und Essen wesentlich entspannter. Und siehe da, das Stillen klappte hervorragend, das Schlafen am liebsten direkt neben den Eltern, das Töchterlein schlief gern auch mal im Kinderwagen statt im Tragetuch, das Essen war völlig unspannend für sie. Trotzphasen gab und gibt es einige, aber bei uns weder eine ruhige Treppe noch einen ruhigen Stuhl – nur (an den meisten Tagen) genügend Geduld. Und weil das Leben mit dem Tochterkind so unspektakulär ruhig verlief, hatte die Familie noch Platz für Nummer 3 – auch die wieder völlig anders, ein pummeliges Stillkind mit großem Hunger auf Broccoli und Blumenkohl statt Pastinaken- und Hirsebrei. Getragen werden wollte sie gern, aber auch nur, bis sie sich selbst fortbewegen konnte. Dann wurde Kullern, Krabbeln und Stehen wichtiger als das Tragetuch.

Was ich mit dieser Aneinanderreihung von Anekdoten eigentlich nur festhalten wollte ist Folgendes: Erziehungsratgeber sind sinnvoll, können den einen oder anderen Impuls geben, zum Nachdenken bringen, die Eltern in dem bestätigen, was sie tun. Erziehungsratgeber und Bücher über kindliche Entwicklung sind sinnvoll, sehr sinnvoll, aber häufig Dokumente ihrer Zeit (s.o.) – UND sie können nicht den Blick aufs Kind und seine Bedürfnisse ersetzen – vielleicht nenne ich es Erziehung mit Bauchgefühl. Das heißt jetzt nicht, dass man nur aus dem Bauch heraus Wünsche erfüllen sollte, aber vielleicht öfter mal ins Kind hineinhorchen, was es jetzt eigentlich braucht. Bedürfnisse halt. Und, wie Kassiopeia schreibt, Bedürfnisse von Wünschen unterscheiden lernen. Und bei Wünschen wiederum zwischen sinnvollen und unsinnigen unterscheiden lernen. Vielleicht auch manchmal feststellen, dass manche Theorie nichts taugt, weil das Leben uns eines Besseren belehrt.

“Wissen Sie”, sagte letztens unsere sehr kompetente Kinderärztin zu mir, als wir über Stillen, Elternbett, Trotzphasen u.ä. sprachen, “ich habe hier im Lauf der letzten Jahrzehnte so viele Kinder gesehen, die glücklich groß wurden, manche von ihnen gestillt, manche mit Flasche, manche im eigenen Bett, manche im Elternbett, die einen mit ruhigem Stuhl, die anderen mit ruhigen Eltern, dass ich irgendwann davon abgesehen habe, Ratschläge zu geben, wenn ich den Eindruck hatte, dass beide Seiten damit glücklich waren.”

Spannend finde ich beispielsweise, dass Kinder bei gleicher Erziehung völlig unterschiedlich werden – kleine Ü-Eier. Eine gute Freundin von mir wuchs mit vier Kindern auf, und jedes wurde ein wenig anders: eine Karrieretochter, eine Tochter, die mit Kindern und Familie glücklich wurde, ein schwuler Sohn und ein Pastor. Und die Mutter? Sagte, sie sei einfach nur glücklich, da sie offenbar jedem Kind ermöglicht habe, seine eigene Persönlichkeit zu entdecken und zu leben.

Persönlichkeit – das ist es, was ich mir für meine Kinder wünsche, inmitten eines Bildungssystems, das irgendwo darauf angelegt ist, stromlinienförmige Menschen zu reproduzieren. Auf dem Weg dorthin haben mir alle Ratgeber, so sehr ich sie auch mag (insbesondere Maria Montessori und Jesper Juul), bislang weniger geholfen als das stete Zusammensein mit den Kindern, das Reden, Im-Dialog-Bleiben und Augen-Aufhalten für ihre Entwicklung.

Posted on Juli 29th, 2009 by Patricia  |  4 Comments »

Randnotiz: Ich möchte schreiben

- über päpstliche Erziehungsstile, Musterkinder, Kinder, die deswegen gedeihen und Kinder, die es trotzdem tun, über Theorien, Praxis und Liebe – habe aber gerade keine Zeit, aber bevor ich es vergesse, kurz festgehalten …

Posted on Juli 28th, 2009 by Patricia  |  1 Comment »

Quasi historisch

VEB Frottera

VEB Frottera

Da sitzt man meditierend auf der Toilette und starrt gedankenleer den Waschlappen an, der auf dem Fußboden liegt – und dann dieses Label: darf ich das vielleicht ins DHM bringen, oder ist es dafür noch ein paar Jährchen zu früh? Zeige mir deine Waschlappen, und ich sage dir, aus welcher Zeit du stammst ;-)

Postscriptum: Das ist nicht MEIN Waschlappen! Und ja, die Schärfenverteilung ist falsch, aber ich habe gerade noch abgedrückt, bevor das Baby sich dieses Dokument deutsch-deutscher Alltagsgeschichte gekrallt hat.

Posted on Juli 27th, 2009 by Patricia  |  No Comments »

Kindgerechte Bastelanleitung

Nachmittags beim Erstellen kleiner Knüddelbildchen aus Seidenpapier – ich erzähle Paula, dass sie, wenn möglich, vom Seidenpapier noch kleinere Stückchen abreißen und sie zwischen den Fingern zu kleinen Kügelchen drehen soll, da fällt mir Jonathan ins Wort und sagt: “Ist doch ganz einfach, Paula, wie mit Popeln, in etwa die gleiche Größe und Form, da weißt du doch auch, wie man die dreht!” Ähm ja … bleibt nur noch zu sagen, dass Paula im Anschluss vergewissernd fragte: “Aber zurück in die Nase stecken darf ich das beim Seidenpapier nicht, oder?”

Gutes Benehmen ist eben nur in der Theorie hüpfeleicht

Posted on Juli 24th, 2009 by Patricia  |  No Comments »

Lieber Sommer 2009

Irgendwie kann ich mich nicht so recht mit dir anfreunden: entweder du bist schwülheiß und alle stöhnen unter dir, wahlweise kannst du aber auch bibberkalt sein, so dass man sich mitten in der Nacht auf die Suche nach der dicken Bettdecke machen muss, oder, so wie heute Nacht, polternd und blitzend zu nachtschlafender Zeit von 21 Uhr bis 3 Uhr alle Menschen wach halten. Ich kann davon ausgehen, dass ich mich und die Kinder ständig falsch anziehe: entweder alle ölen, weil die Temperaturen von 15 am Morgen auf 30 am Mittag gestiegen sind, oder sie fallen umgekehrterweise, und man hat leider morgens keinen Schneeanzug und Mütze und Handschuhe eingepackt. Geht es vielleicht etwas weniger wechselhaft? So 24 Grad, trocken, sonnig mit einer leichten Brise? Danke!

Posted on Juli 22nd, 2009 by Patricia  |  1 Comment »

Geschnipseltes

* ich liebe unsere Mittagspausen. Zwischen 14 und 15 Uhr schlafen entweder alle Hausbewohner oder gehen einer stillen Tätigkeit wie CD-Hören (in Zimmerlautstärke), Bilderbuchbetrachten oder Malen nach. Die Siesta ist zur Routine geworden, und ich werde ihr ab Herbst, wenn die Schule losgeht und ein wie auch immer gearteter Job, sehr hinterhertrauern.

* ich hadere: habe mich auf Jobs beworben, die zwar spannend sind, aber nur halb so gut bezahlt wie meine letzte Stelle. Berufsanfänger-Gehalt, würde ich sagen. Dabei arbeite ich seit 11 Jahren. *heul* sicher, in Zeiten der Wirtschaftskrise darf man nicht wählerisch sein, und eine Wochenendbeziehung mit Top-Job in Karlsruhe oder Berlin kann ich mir auch nicht so recht vorstellen, aber irgendwie arbeite ich doch nicht nur aus Spaß, sondern auch, weil es Geld in die Familienkasse bringen soll. Alles Scheiße, deine Elli ….

* ich mag unsere Jüngste nicht ab August in die Kita schicken, auch wenn die Gruppe noch so toll ist, das Gelände babytauglich gemacht wird und sie bei weitem nicht die Kleinste sein wird. Ich mag nicht – aber ein Spendenaufruf für ein weiteres Jahr Zuhause-Betreuung ist wohl aussichtslos … warum ist Leben eigentlich so teuer?

* ich erwische mein Selbstwertgefühl des öfteren dabei, sich stundenlang im Keller zu verschanzen. Warum eigentlich? Weil ich seit 12 Monaten kein wichtigeres Projekt geleitet habe als meine verrückte Familie? Weil das Dasein gemeinhin daran gemessen wird, was der Mensch an entlohnbarer Arbeit leistet? Ich demnach nichts leiste?

* Das dritte, verschnupfte, zahnende und weinende Kind wird wach und ich muss wohl mal den Stöpsel ziehen in meinem Bad aus Selbstmitleid ;-)

Posted on Juli 21st, 2009 by Patricia  |  1 Comment »

Wider die Unzulänglichkeit

Seht ihr den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen, und ist doch rund und schön; so sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht seh´n. (Matthias Claudius)

Posted on Juli 19th, 2009 by Patricia  |  No Comments »

Geht doch alles!

Wenn Ihnen jemand sagt: “Reichen Sie mal schnell, so innerhalb der nächsten Stunde, Ihre Bewerbungsunterlagen ein!”, wenn parallel dazu drei Kinder zu Hause sitzen und der Nachbar, der Anästhesist, nicht zu Hause ist, um sie zu narkotisieren, kann man schon mal in leichte Panik geraten. Die großen Kinder wurden unter Beerdigung aller pädagogischen Prinzipien vor “Lotta in der Krachmacherstraße” geparkt, das kleine Kind vorm CD-/DVD-Schrank, den es begeistert ausräumte. Wenn man einmal davon absieht, dass ich “Lotta” ca. 3x wegen diverser Toilettenbesuche ausschalten und dem Baby Papierschnipsel aus dem Mund sowie Dinkelstangen in den Mund befördern musste, habe ich es in 69 Minuten (so lange dauert Lotta) geschafft, eine Bewerbung zusammenzuzimmern. Vermutlich scheide ich wegen Legasthenie oder Zeichensetzungsproblemen aus, vielleicht auch habe ich ganz wirres Zeug zusammengeschrieben, aber das PDF ist fertig und raus … Geht doch, geht doch alles …

Posted on Juli 17th, 2009 by Patricia  |  No Comments »

Falten

Mmmh, es mag daran liegen, dass wir es noch nicht geschafft haben, im neuen Bad einen Spiegel aufzuhängen, oder an den vielen schlafarmen Nächten, oder der mangelnden Zeit für Körper-Intensivstpflege oder daran, dass ich nicht schwanger bin (da hat frau immer so wenig Falten, aber danach offenbar um so mehr), aber ich finde, ich werde allmählich hutzelig, vor allem um die Augen herum. Das Baby hat diese Probleme nicht, das hat nur Speckfalten …

Tagesmantra*sindnurlachfaltensindnurlachfaltensindnurlachfalten* … Ich habe mich zwar bislang geweigert, aber vielleicht ist ja doch allmählich Zeit für eine Antifaltencreme? Anyone any Tipps and Tricks?

 

falten

Posted on Juli 13th, 2009 by Patricia  |  4 Comments »