Das Herr-Taschenbier-Syndrom
Irgendwo beim Sams gibt es eine Szene, in der Herr Taschenbier auf dem Markt steht und am Gemüsestand freundlich seinen Wunsch vorträgt. Niemand hört ihn aber, und alle drängeln sich vor. Und als Herr Taschenbier endlich gehört wird, gibt es nur noch welke Salatblätter und gammelige Möhren. An manchen Tagen leide ich auch unter dem Herr-Taschenbier-Syndrom: ich stehe mit Matilda an der Kasse vom Supermarkt und warte auf die Kassiererin. Hinter mir, wohlgemerkt HINTER mir, eine ältere Dame mit drei Fleischpaketen, die gereizt losmarschierte, um die Kassiererin aufzutreiben. Die kam dann auch, woraufhin sich die Fleischpakete samt Dame VOR mich stellten, die Ware landete auf dem Band, ich sagte perplex: “Aber ich stand doch zuerst hier!” Niemand hörte mich, obwohl ich nicht gerade leise gesprochen hatte. Nun ja, aber was tut frau, wenn Worte nichts mehr nutzen? Handgreiflich werden mag ich nicht – und so latente Aggressionen wie mit Kinderwagen in die Hacken fahren finde ich eigentlich auch kindisch. Vermutlich brauche ich einfach ein Sams …
