Ich gehe wählen. Sie sicherlich auch – so Sie in NRW leben und neben Pest und Cholera noch eine andere Wahl haben. Vielleicht bin ich ja zu anspruchsvoll, aber ich meine, die Wahlhelfer könnten wenigstens mal “Hallo”, “Guten Tag”, “Bitte”, “Danke” und “Auf Wiedersehen” sagen. Kostet ja nichts. Macht aber enorm viel her. Würde wenigstens eine rudimentäre Freude über alle die, die wählen gehen, ausdrücken. VOR der Wahl wurden wir zugeschüttet mit Wahlwerbung, Give Aways und schrägen Anbiederungen! (”Guten Tag, ich bin IHR Bundestagsabgeordneter und freue mich, dass es Sie und Ihre Kinder gibt! Wollen Sie mit mir feiern?”) – vielleicht sollte man ein bisschen von dem Geld, das die Parteien für Wahlwerbung übrig haben, abzweigen, um einen automatischen Kommunikationsgenerator im Wahllokal aufzustellen. Überhaupt – warum macht man aus dem Wahlsonntag kein Volksfest mit Karussel, Zuckerwatte und Popcorn? Wäre vielleicht für viele ein Anreiz, mal um die Ecke zu gucken und mit etwas Glück ein bis vier valide Stimmen abzugeben …
Posted on August 30th, 2009 by Patricia | 2 Comments »
An einem ganz normalen Samstag in einem kleinen ostwestfälischen Städtchen. Frau, ca. 30, wilder Lockenkopf, am Gemüsestand: “Guten Tag, haben Sie Pastinake?” Verkäufer: “Nein, leider nicht, das ist eher ein Wintergemüse!” Frau sagt “Ahja”, umrundet den Marktstand, stößt auf Sellerie und ruft: “Aber da ist doch Pastinake!” Verkäufer, geduldig: “Nein, das ist Sellerie!” Frau seufzt, läuft noch einmal den Stand ab, zeigt auf die Petersilienwurzel und ruft: “Aber da, DAS ist doch Pastinake!” Marktverkäufer freundlich: “Leider nein, ich könnte Ihnen die als solche verkaufen, aber Sie wären nicht glücklich damit!” Frau seufzt, bleibt aber unbeirrt in der Nähe des Standes stehen. Ich zahle währenddessen. Hinter mir wieder besagte Frau, diesmal mit einem Bund Möhren in der Hand. Marktverkäufer strahlt: “Na, haben Sie endlich IHRE Pastinake gefunden?”
Disclaimer: An diesem Punkt habe ich die Szene verlassen müssen, weiß also nicht, ob es gestern mittag noch zu Handgreiflichkeiten, Wutausbrüchen oder einem in den Wahnsinn getriebenen Gemüseverkäufer kam …
Posted on August 30th, 2009 by Patricia | No Comments »
Aber besser hätte ich es nicht sagen können
Dieter Nuhr, Alte Menschen und Führerschein
Posted on August 28th, 2009 by Patricia | No Comments »
bei 25 Grad Außentemperatur, nur wenige Schritte entfernt von Wassermelonen und Pfirsichen, die ersten Spekulatien. Habe krampfhaft versucht, nicht hinzuschauen, um mir nicht einzugestehen, dass der Sommer jetzt wohl vorbei sein muss …
Posted on August 28th, 2009 by Patricia | 2 Comments »
Man sollte in für das weitere Leben wichtigen Gesprächen nicht über die Strukturschwäche von Regionen sprechen, aus denen qualifizierte junge Menschen abwandern und nur die älteren wohnen bleiben, wenn einer der Teilnehmenden selbst schon die 60 überschritten hat. Sollte man nicht. Nein. Nein. Kommt gar nicht gut …
Posted on August 27th, 2009 by Patricia | No Comments »
bin ich heute, ungefähr so, als hätte ich eine fünfstündige Klausur geschrieben oder einen 10.000m-Marathon zurückgelegt. Dabei stand gar nicht ich heute im Mittelpunkt des Interesses, sondern meine kleine große Tochter. Seit einigen Wochen habe ich auf den heutigen Termin hingebibbert, an dem dem Kind die Polypen herausgenommen und Paukenröhrchen eingesetzt werden sollten. Für die operierenden Ärzte nur ein Routine-Eingriff, war es für mich das erste Mal, dass ich das Leben meines Kindes in wildfremde Hände gelegt habe. Entsprechend unruhig und ängstlich war ich …
Glücklicherweise hatte Kai Urlaub und das Babykind saß zur Abwechslung mal auf seiner Hüfte – Paula musste derweil Beruhigungssaft schlucken und mit einem 500mg-Paracetamol-Riesen-Z.ÄP.F.CHEN kämpfen. (bitte, wer kommt denn auf die Idee, Zäpfchen mit einem Durchmesser von einem Zentimeter an so kleine Kinder zu verabreichen?) Ich weiß nichts über die chemische Zusammensetzung dieses Beruhigungssaftes und welche Gehirnregionen er an- und abschaltet, aber die halbe Stunde, die Paula gebraucht hat, um zur Ruhe zu kommen, hatte etwas von einem Drogentrip à la ”Trainspotting”: wechselweise erzählte mir meine Tochter, hinter der Wand seien Wespen, die Wand sei jetzt weg, sie könne den Staub fühlen, der durch den Raum fliege, hinter der Liege befinde sich ein Baby, die Decke sei gespalten, an der Wand befänden sich drei Uhren und in meinem Ohr drei Ohrenkneifer. Im OP erwartete uns eine sehr freundliche Anästhesistin, die uns von ihrer Tochter erzählte, von Lillifee-Schlafmilch und Glitzer-Prinzessinnenträumen, und da schlief meine kleine Prinzessin auch schon. Dann Warten. Warten ist schlimm. Beim Warten darf man nicht darüber nachdenken, dass man über die Risiken der gerade laufenden OP aufgeklärt wurde. Beim Warten kreischte ein Kind im Aufwachraum in den allerhöchsten Tönen, schlug um sich, fiel von der Liege und erbrach sich. Beim Warten tut man gut daran, gar nicht zu denken und stumpf auf das Gipsbein der gegenüberliegenden Patientin zu starren. Schließlich durften wir zu unserer Tochter, die erschöpft narkotisiert schlief. Und schlief. Und schlief. In den Räumen um uns herum wurden alle anderen parallel operierten Patienten langsam wach, nur mein kleines Mädchen schnorchelte immer noch. Als notorisch misstrauischer Mensch begann ich mich irgendwann nach einer Stunde zu fragen, ob die Narkose zu stark war, das Kind jetzt niemals mehr wach würde, ob Dauerschlaf auch zu den OP-Risiken gehörte – kurz gesagt, ich wurde füchterlich unruhig neben dem schlafenden Kind und begann, es sanft zu streicheln und ein wenig zu kitzeln. Ob es nun mein Kitzeln war, meine Unruhe oder einfach Zeit zum Aufwachen – Paula wurde wach und lachte, sagte, “Ups, bin ich wohl eingeschlafen!” und “Wo bin ich denn jetzt?” – und begann dann zu weinen. Ich war noch nie so erleichtert über ein weinendes Kind wie heute morgen. Jetzt ist Well-Being angesagt mit Gummibärchen, Apfelsaft pur, Fruchteis (Tipp des entlassenden Arztes: Kaufen Sie dem Kind doch jetzt SOFORT ein Fruchteis!) und allen vorhandenen “Lauras Stern” DVDs. Und ich bin einfach nur müde, unendlich erleichtert und so gar nicht in der Stimmung, morgen wichtige Gespräche zu führen …
Posted on August 26th, 2009 by Patricia | 1 Comment »

Das dritte Kind ist nie allein und ihm ist niemals nie langweilig – immer ist jemand da, der mit ihm laufen, spielen, lachen oder Blödsinn machen möchte … neigen Drittkinder eigentlich dazu, später in WGs, Kommunen oder Pfadfindergruppen aufzugehen, oder werden sie demonstrative Alleinwohner, die Großveranstaltungen meiden?
Posted on August 25th, 2009 by Patricia | 4 Comments »
Heute mittag, kurz bevor ich mit den beiden Damen aufbrechen wollte, um den Herren von der Schule abzuholen, passierte meine persönliche mittelschwere Katastrophe: Das Baby, das seine Hände liebend gern in meinem Gesicht hat, schlug dabei meine rechte Kontaktlinse aus dem Auge. Dummerweise mitten hinein in einen Korb mit Wäsche, der direkt neben einem Korb mit Spielzeug stand. Die Mutter, halbblind ohne ihre Kontaktlinse und dank spielender Kinder auch nicht mehr im Besitz einer funktionsfähigen Brille, fluchte halblaut vor sich hin, gab der Vierjährigen einen wie sie meinte präzisen Suchauftrag und setzte das Baby weit, weit weg, befürchtend, es würde die Kontaktlinse bei Sichtung unmittelbar in der Backentasche platzieren.
Während der Suche heulte ich mich via Messenger mit tausend Tippfehlern beim weltbesten Vater aus, der versprach herzukommen und den Sohn von der Schule abzuholen, denn mit +3 Dioptrien fährt es sich ohne Sehhilfe nicht so angenehm. Systematisch durchkämmte ich mit der großen Tochter Kleidungsstück für Kleidungsstück und Spielzeug für Spielzeug. Das Töchterlein brachte mir dabei so interessante Dinge wie Holzsplitter, Sonnenblumenkerne und kleine dreieckige Plastiksteinchen, von denen sie dachte, es könne sich ja vielleicht um die verloren gegangene Kontaktlinse handeln. Ich habe lieber nicht ausprobiert, ob ich damit sehen kann.
Schließlich fand sich nach einer halben Stunde verzweifelten Suchens in der Ritze einer Krabbelrolle die heißbegehrte Sehhilfe – und ich habe einen Termin beim Augenarzt, um meine exakten Werte für eine Ersatzbrille zu ermitteln. Ich stelle fest, dass ich ohne Sehhilfe mittlerweile fürchterlich aufgeschmissen bin. Ich werde alt. Wo bleibt die Weisheit?
Posted on August 24th, 2009 by Patricia | No Comments »
Ich habe 4000 Grad Fieber und mein Blutdruck ist viel zu groß. Sagt das Tochterkind nach ausführlicher Untersuchung. Jetzt weiß ich auch, warum mir heute schon den ganzen Tag so heiß ist.
Posted on August 20th, 2009 by Patricia | No Comments »
Seit ich Kinder habe, weiß ich, dass es zum einen schwer ist, um Hilfe zu bitten: wir leben in einer Gesellschaft, in der jede Klein- und Großfamilie ihr Leben allein auf die Reihe bekommen sollte. Die einen haben das Glück und Großeltern in der Nähe, die anderen nicht. Die einen haben Geld und können sich Hilfe in Form einer Putz- oder Kinderfrau leisten, die anderen kommen allein zurecht. Irgendwie. Zum anderen, und das merke ich mehr und mehr, ist es aber für viele Menschen noch schwerer zu helfen. Direkt nach den Geburten unserer Kinder hätten wir manchmal gut Hilfe gebrauchen können, da ich bei allen Dreien nicht im Krankenhaus war. Manchmal haben uns Menschen geholfen, sehr geholfen. Die einen mit Kuchen, die anderen mit Essen, die dritten, indem sie unsere Kinder einfach mal mit ins Auto gepackt und ins Theater, auf den Spielplatz o.ä. genommen haben. Da manche dieser Familien in der Zwischenzeit auch ein Kind bekommen haben oder mal Entlastung brauchten, ging es mit dem Revanchieren auch sehr gut – wir konnten Ähnliches für diese Familien tun. Komischer- oder eher traurigerweise ging es aber in den Fällen, in denen wir Verwandte oder Bekannte direkt um Hilfe gebeten haben, gar nicht gut: Oft wurde die Hilfe nur “hingerotzt”, man kam eher unwillig, viel zu spät und mürrisch zu Besuch, machte spitze Bemerkungen oder verwüstete die Wohnung zusammen mit den Kindern, nur noch mehr, als wenn sie allein gespielt hätten. Manchmal frage ich mich, wo diese Unfähigkeit zu helfen herkommt. Mangelnde Empathie? Mangelnde Kraft? Eigentlich rede ich auch nicht Kisuaheli und sage klar, was ich mir wünsche. Vermutlich einfach die Unfähigkeit, Nein zu sagen auf die Bitte, ob Unterstützung möglich wäre. Komischerweise war die Hilfe häufig umso miserabler, je näher wir diesen Menschen standen, während Eltern, die vorher nur “Bekannte” waren, in dieser Zeit sehr eng mit uns zusammengewachsen sind. Muss man sich das Dorf, das es braucht, um ein Kind großzuziehen, also am Ende selbst erbauen?
Posted on August 19th, 2009 by Patricia | 2 Comments »