Die Kunst zu helfen
Seit ich Kinder habe, weiß ich, dass es zum einen schwer ist, um Hilfe zu bitten: wir leben in einer Gesellschaft, in der jede Klein- und Großfamilie ihr Leben allein auf die Reihe bekommen sollte. Die einen haben das Glück und Großeltern in der Nähe, die anderen nicht. Die einen haben Geld und können sich Hilfe in Form einer Putz- oder Kinderfrau leisten, die anderen kommen allein zurecht. Irgendwie. Zum anderen, und das merke ich mehr und mehr, ist es aber für viele Menschen noch schwerer zu helfen. Direkt nach den Geburten unserer Kinder hätten wir manchmal gut Hilfe gebrauchen können, da ich bei allen Dreien nicht im Krankenhaus war. Manchmal haben uns Menschen geholfen, sehr geholfen. Die einen mit Kuchen, die anderen mit Essen, die dritten, indem sie unsere Kinder einfach mal mit ins Auto gepackt und ins Theater, auf den Spielplatz o.ä. genommen haben. Da manche dieser Familien in der Zwischenzeit auch ein Kind bekommen haben oder mal Entlastung brauchten, ging es mit dem Revanchieren auch sehr gut – wir konnten Ähnliches für diese Familien tun. Komischer- oder eher traurigerweise ging es aber in den Fällen, in denen wir Verwandte oder Bekannte direkt um Hilfe gebeten haben, gar nicht gut: Oft wurde die Hilfe nur “hingerotzt”, man kam eher unwillig, viel zu spät und mürrisch zu Besuch, machte spitze Bemerkungen oder verwüstete die Wohnung zusammen mit den Kindern, nur noch mehr, als wenn sie allein gespielt hätten. Manchmal frage ich mich, wo diese Unfähigkeit zu helfen herkommt. Mangelnde Empathie? Mangelnde Kraft? Eigentlich rede ich auch nicht Kisuaheli und sage klar, was ich mir wünsche. Vermutlich einfach die Unfähigkeit, Nein zu sagen auf die Bitte, ob Unterstützung möglich wäre. Komischerweise war die Hilfe häufig umso miserabler, je näher wir diesen Menschen standen, während Eltern, die vorher nur “Bekannte” waren, in dieser Zeit sehr eng mit uns zusammengewachsen sind. Muss man sich das Dorf, das es braucht, um ein Kind großzuziehen, also am Ende selbst erbauen?

Liebe Patricia,
dieser Beitrag hätte aus meiner Feder bzw. aus meinem momentan geistigen Fundus stammen können, denn u. a. darüber mache ich mir momentan auch viele (warscheinlich ZU viele) Gedanken.
Wir haben vor 3 Monaten bei meinen Schwiegereltern angekündigt, dass wir in ihrem Urlaub gern die Möglichkeit hätten 1x die Kinder für 24 St. in ihre Obhut zu geben. Sie haben sie seit Milas Geburt NIE!! alleine gehabt.
So kam der langersehnte Urlaub, uns wurde dann grosszügig mitgeteilt, dass sie 4 Tage komplett nur für die Kinder eingeplant hätten und wir mit diesen 4 Tagen machen könnten was wir wollten und sie sich um die Kinder kümmern würden!
Das Ende vom Lied war, sie wollten an diesen 4 von ihnen festgelegten Tagen immer MIT uns allen zusammen was unternehmen und die Kinder wurden nicht mal gefragt, ob sie dort mal schlafen wollen, etc…
Wir hatten also mal wieder NULL Entlastung und naja… ich könnte gerade jetzt wo hier irgendwie Alles sich verändert, drüber heulen. Aber das nutzt ja im Grunde auch nix.
Seit wir 2 Kinder haben ist die Hilfe gleich null.
Ich weiss nicht, wie ich es später handhaben werde, aber ich nehme mir JETZT vor, dass ich später für meine Enkelkinder da sein werde und nicht nur um Weihnachten dann mit dem grössen, schönsten und tollsten Geschenk triumphieren zu können
(
In diesem Sinne,
mein Mitgefühl!
Isabelle
Ach je, ich hätte ja gedacht, dass sich alle Omas und Opas um die kleinen Enkel reißen? Also das ist wirklich schade…