Stecknadel im Heuhaufen
Heute mittag, kurz bevor ich mit den beiden Damen aufbrechen wollte, um den Herren von der Schule abzuholen, passierte meine persönliche mittelschwere Katastrophe: Das Baby, das seine Hände liebend gern in meinem Gesicht hat, schlug dabei meine rechte Kontaktlinse aus dem Auge. Dummerweise mitten hinein in einen Korb mit Wäsche, der direkt neben einem Korb mit Spielzeug stand. Die Mutter, halbblind ohne ihre Kontaktlinse und dank spielender Kinder auch nicht mehr im Besitz einer funktionsfähigen Brille, fluchte halblaut vor sich hin, gab der Vierjährigen einen wie sie meinte präzisen Suchauftrag und setzte das Baby weit, weit weg, befürchtend, es würde die Kontaktlinse bei Sichtung unmittelbar in der Backentasche platzieren.
Während der Suche heulte ich mich via Messenger mit tausend Tippfehlern beim weltbesten Vater aus, der versprach herzukommen und den Sohn von der Schule abzuholen, denn mit +3 Dioptrien fährt es sich ohne Sehhilfe nicht so angenehm. Systematisch durchkämmte ich mit der großen Tochter Kleidungsstück für Kleidungsstück und Spielzeug für Spielzeug. Das Töchterlein brachte mir dabei so interessante Dinge wie Holzsplitter, Sonnenblumenkerne und kleine dreieckige Plastiksteinchen, von denen sie dachte, es könne sich ja vielleicht um die verloren gegangene Kontaktlinse handeln. Ich habe lieber nicht ausprobiert, ob ich damit sehen kann.
Schließlich fand sich nach einer halben Stunde verzweifelten Suchens in der Ritze einer Krabbelrolle die heißbegehrte Sehhilfe – und ich habe einen Termin beim Augenarzt, um meine exakten Werte für eine Ersatzbrille zu ermitteln. Ich stelle fest, dass ich ohne Sehhilfe mittlerweile fürchterlich aufgeschmissen bin. Ich werde alt. Wo bleibt die Weisheit?
