Bisschen mehr Entspannung …

… unter Eltern wünsche ich mir manchmal. Tatort Schulhof: Eltern warten mit Erstklässlern auf das Eintreffen der Lehrerin. Ca. fünf Mütter haben sich zusammengeschlossen und sind sichtlich aufgeregt bis erbost. Als die Lehrerin eintrifft, umringen sie die Ahnungslose und reden auf sie ein: “Frau H., die Hausaufgaben, wir verstehen die Hausaufgaben nicht. Die Jaqueline auch nicht. Wie soll sie das machen? Die Anlaute, wie das mit den Anlauten geht? Sie versteht immer Poppe statt Puppe. Die Jaqueline hat schon Bauchschmerzen deswegen. Wir wissen alle ÜBERHAUPT nicht weiter, und wir wollen doch ALLES richtig machen!” Die Lehrerin blieb SEHR entspannt, wies darauf hin, dass aller Anfang schwer sei, erklärte geduldig und beschwichtigte. Nach zehn Minuten einigten sich die Mütter darauf, sich nachmittags noch einmal zu treffen (Selbsthilfegruppe zum besseren Verständnis der Hausaufgaben?). Bitte nicht falsch verstehen: ich finde es gut, dass sich Mütter um Hausaufgaben kümmern, auch gut, dass sie Rücksprache mit der Lehrerin halten. Nicht gut aber, dass 1:1-Gespräche episch und für alle hörbar in die Breite gezogen werden, auch nicht gut, dass Jaqueline Bauchweh hat (Warum hat sie Bauchweh? Wer hat ihr eingebimst, dass korrekte Hausaufgaben überlebenswichtig sind?). Hallo, wir befinden uns zwei Wochen nach Schulanfang, nicht zwei Wochen vorm Abitur. Manchmal habe ich den Eindruck, einige Eltern haben jegliches Maß an Gelassenheit bezüglich der Leistungen ihrer Kinder verloren … es handelt sich um Erstklässler, eben waren es noch Kindergartenkinder, Anlaute sind auch nur Anlaute und eine Hausaufgabe ist eine Hausaufgabe, kein Weltuntergang und keine verpatzte Karrierechance … (und je länger man so vor sich hin-eltert, desto besser weiß man doch eigentlich auch, dass man gar nicht ALLES richtig machen kann, und das ist vielleicht auch gut so!)

6 Responses to “Bisschen mehr Entspannung …”

  1. Kassiopeia says on :

    Amen!

    Aber so vorsichtshalber: Kannst du mir das nochmal mailen, wenn Zoe in die Schule kommt?! ;)

  2. Isabelle says on :

    hhhmmmm… ich glaube tatsächlich (und ich meine mich auch dazu zählen zu können :-) ), dass es Eltern gibt, die verstanden haben, dass Perfektionismus im Umgang mit Kindern einfach NUR vernichtend sein kann, ABER… da gibt es halt noch die andere Fraktion… 2 so hochmotivierte Eltern existieren und regieren auch in Philipps Klasse! Es wäre an sich zum lachen, wenn man dahinter nicht die Kinder sehen würde, die wie Marionetten suuuuuuuper funktionieren, aber nicht wirklich kindlich leben dürfen…

    Ein bisschen ZEN für Alle wäre schön ;-)

    LG
    Isabelle

  3. blixum says on :

    Isabelle, das wollte ich auch schreiben. Wenn es nicht so traurig wär, wäre es schon wieder zum Lachen.
    Patricia: Hier gab es beim Infoabend vor dem Schulanfang, tatsächlich Eltern die vom Studium ihrer Kinder geredet haben.

    LG
    Christine

  4. geologenkinder says on :

    Hmm, von solchen Eltern bin ich gerade umgeben. Ich die Rabenmutter, die sich nachmittags nicht hinsetzt um zum xten mal “Umi ist im Bett” das Kindlein lesen zu hören. Ich beschwichtige die Eltern das sie nicht so ehrgeizig sein solln. Bitte das sind und bleiben Erstklässer am Anfang ihrer Schulkarriere.
    Aber vielleicht sehe ich das ja bloß so, weil ich einfach keine Zeit und ehrlich gesagt im Moment bei den Wetter keine Lust habe.
    Und so lange die mir nicht im Ohr liegen und erzählen das ihr Kind hochbegabt ist, bin und bleibe ich entspannt – solln se doch machen.

  5. Sabine says on :

    Der gesunde Mittelweg ist wichtig, sie im Nirvana alleine rumdümpeln zu lassen die i-Dötzchen ist auch verkehrt, leider ist man hier in der OGS zu laissez faire und das Kind geht zu 90% mit total verkehrten und unkontrollierten Aufgaben dort heraus, das geht auf keinen Fall.

    Auch ich bin von einer Soccer Mum weit entfernt, halte es aber für wichtig, das man von Anfang an guckt, das es richtig läuft.

    Wir haben jetzt einen, der dieses Jahr aus der Schule gekommen ist und der beste Beweis dafür, das man mit der laschen Tour nicht weit kommt….

    Meine Erfahrungswerte.

    Liebe Grüsse
    Sabine

  6. Patricia says on :

    @Sabine: Zwischen Laissez Faire und Hysterie in der zweiten Schulwoche liegen aber Welten – natürlich sollten die Hausaufgaben korrekt sein, das bezweifle ich ja gar nicht, mich störte eher diese Massen-Zusammenrottung auf dem Schulhof, das bauchwehgeplagte Kind und dieser Habitus des “Ich will aber ALLES richtig machen!” Bei uns in der OGS werden die Hausaufgaben in der letzten Schulstunde unter Aufsicht der Lehrerin gemacht, die das Ganze anschließend korrigiert und im Lerntagebuch abstempelt … also nicht viel Chancen für Laissez Faire …

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