Allerweltsgesicht
Mich gibt`s dreimal, oder fünfmal – ich weiß es nicht. Heute morgen, als ich vom Einkaufen kam, grüßte und winkte ein Busfahrer wild aus dem Bus heraus - hinter und neben mir befand sich kein anderer Mensch, also musste er wohl mich gemeint haben. Das erinnerte mich daran, dass es in meinem Leben oft ähnliche Situationen gegeben hat. Auf der Säuglingsstation wollte mich der Vater eines anderen Mädchens, das am selben Tag geboren war, mit nach Hause nehmen, in der Annahme, ich sei seine Tochter (Rooming in war damals noch ein Fremdwort). Irgendwann kurz vorm Abitur grüßte mich im Zug ein sehr freundlicher älterer Herr und bedankte sich noch einmal für die gute Beratung. Als ich irritiert fragte, welche Beratung er meine, entgegnete er, na ich hätte ihm doch so prima geholfen damals im Karstadt in der Dessous-Abteilung beim Geschenk für seine Frau. Ein paar Jahre später fiel mir ein wildfremder Mitstudent um den Hals und schwelgte in Erinnerungen an den tollen Strandurlaub in Spanien. Andere Studenten quatschten mich in der Mensa an und wollten von mir wissen, ob man Jura in Verbindung mit Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften auf Magister studieren könne, ich sei doch die Doris von der allgemeinen Studienberatung des Asta. Der Witz ist: It wasn`t me, never ever. Nur frage ich mich, wie fürchterlich durchschnittlich mein Gesicht sein muss, damit ich all diese Rollen ausfüllen kann
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