Einfach nur so

In der Schule des Großen kommt jeden Mittwoch, egal ob es regnet, stürmt oder schneit, eine gepflegte Dame um die 50 zu den Kindern, um mit ihnen zu backen, einfach nur so, nicht weil sie es müsste, nicht weil es ihr Job ist, sondern einfach, weil sie Spaß hat, mit den Kindern in der Küche zu stehen und zu backen. Im Gegensatz zu allen anderen Sterblichen ist sie nie krank oder verhindert. Ich freue mich jeden Mittwoch darauf, mein glückliches, nach Keksen duftendes Kind abzuholen, und noch mehr freue ich mich darauf, einen Blick in die Küche zu werfen. Dort steht die gute Seele stets mit einer frisch gestärkten Schürze, einer ordentlichen Frisur, begrüßt Eltern und Geschwister aufs Herzlichste und versorgt alle Menschen, die an ihr vorbeilaufen, großzügig mit frisch gebackenem Kuchen, Muffins, Plätzchen und und und … Obwohl sie oft mit bis zu zehn Kindern backt, ist sie dabei sehr fröhlich und entspannt. Nun kann man ja nicht einfach wildfremde Frauen fragen, ob man sie adoptieren darf, aber jeden Mittwoch wieder denke ich, das ist das Dorf, das es braucht, um ein Kind großzuziehen. Mangels eigener Omas (die weder vor Ort leben noch irgendwelche omahafte Eigenschaften besitzen) bin ich unglaublich dankbar, dass es Menschen wie sie gibt. Und das Allergrößte: Die Kinder lernen nicht nur backen und manierlich essen, nein, mein Sohn hat bei ihr (sic!, nicht bei mir, bei Eltern ist das ja alles so fürschterlich anstrengend …) verinnerlicht, dass zum Backen das Reinigen gehört. Heute nachmittag haben wir gemeinsam Frau Cynthias Oatmeal Cookies gebacken und das Kind hat allein und eigenhändig das komplette Geschirr abgespült, alle Arbeitsflächen gereinigt und alle Zutaten wieder an ihren Platz gebracht. Ich verneige mich in Dankbarkeit! (nicht vor dem Kinde, sondern dieser erzieherischen Leistung!)

One Response to “Einfach nur so”

  1. Sibylle says on :

    Jetzt habe ich ein Tränchen weg gedrückt, das klingt ja so traumhaft, ich möchte aus eine Dame!

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