Das eigentliche Problem …
… neben der mangelnden oder vielmehr mangelhaften Kinderbetreuung in Deutschland ist doch, dass die Arbeitswelt nicht gewappnet ist für die Eventualitäten, die Arbeitnehmer mit Kind mit sich bringen, als da wären Krankheiten, Schulausfälle, Kita-Ausfälle, Kita-Ausflüge, Backen und Basteln mit Mutti am Vormittag und und und … Jeder Magen-Darm-Infekt und jede Bindehautentzündung verursacht elterlicherseits Bauchweh, Unwohlsein und das typische doppeltschlechte Gewissen, gegenüber dem Arbeitgeber, weil man schon wieder nicht vor Ort ist, gegenüber dem Kind, weil man es eventuell schon wieder zu früh zurück in die Betreuung gegeben hat. Es gibt die Möglichkeit, von der Krankenkasse bezahlte Krankentage zu nehmen, aber die sind in schlechten Jahren oft schon Ende Februar aufgebraucht. In Schweden hingegen zahlen alle Steuerzahler einen geringen Betrag, damit Eltern insgesamt einen Monat pro Jahr bei ihren kranken Kindern bleiben können. Ich empfinde es als sehr großen Luxus, beim dritten Kind nicht den Eiertanz zwischen Inhaliergerät, Computer, Meetingraum und Arztpraxis machen zu müssen, jedenfalls nicht in den ersten Lebensjahren, und ich habe die Erschöpfung noch nicht vergessen, die eigentlich Dauerzustand war, wenn ich spätnachmittags nach der Arbeit Qualitätszeit für die Kinder, Haushalt, Kochen und Einkauf, also eigentlich all das, wofür ich jetzt den kompletten Tag Zeit habe, in die Zeit von 17 Uhr bis Mitternacht gequetscht habe. So möchte ich nicht wieder leben. (mal für mich hinter die Ohren geschrieben, bevor ich leichtfertig mein Leben verplane)
Ich wünsch mir für mein nächstes Leben ein Familiensplitting, damit wir als Familie entscheiden können, wofür das Familieneinkommen genutzt wird und nicht der Staat, genügend Krankentage, damit ich meine Kinder nicht halbschniefend in den Kindergarten schleppen muss, ich wünsch mir Arbeitgeber, die erkennen, dass Eltern treue Seelen sind, die gern auch nachts am Schreibtisch hocken, wenn sie vormittags wegen Laternenbasteln indisponiert sind, mehr Toleranz gegenüber anderen Lebensentwürfen, eine Gesellschaft, die Eltern nicht per se Erziehungsunfähigkeit unterstellt und anerkennt, was sie täglich leisten, und rückblickend noch viel mehr Zeit, im Augenblick zu leben.

Das hast Du wunderbar geschrieben! Und ich bin auch sehr froh, dass ich diesen Spagat zur Zeit nicht machen muss. Das sollte ich mir öfter klar machen, wenn mich mal wieder der “Ich will aber was eigenes”-Floh beißt und ich lieber heute als morgen wieder anfangen will zu arbeiten bzw. zu studieren.
Sehr, sehr wahr. Ich unterschreibe die Wunschliste.
Aber hattet ihr nicht bei den letzten Kindern auch geteilte Elternzeit? Ich meine, war es dann trotzdem so schlimm? (mal abgesehen davon, dass das mit der geteilten Elternzeit hier weder planungstechnisch noch finanziell so einfach ist..)
Wir jedenfalls sind bisher noch froh, dass ich eben nicht nach Hause hetzen muss, weil ich ein Kind aus der Betreuung holen muss, sondern er auch eine halbe Stunde länger gut beim Papa untergebracht ist. Dass wir uns um Krankheiten keine Gedanken machen müssen, weil ja eh immer einer von uns beiden zuhause ist mit ihm. Noch mehr Zeit für uns drei wäre allerdings zweifellos schöner.
@Schussel: Ja, wir hatten geteilte Elternzeit, und im ersten Jahr nach der Geburt war das noch ganz entspannt, weil jeder “nur” 25 Stunden gearbeitet hat. Danach bin ich auf Drängen meiner Firma und weil das Geld hinten und vorn nicht gereicht hat (wir waren beide bei einer aufstrebenden IT-Firma mit üoppigen Arbeitszeiten und unbezahlten Überstunden und miesem Gehalt beschäftigt …) in 30 bzw. beim zweiten Kind in 35 Stunden wieder eingestiegen, galt in der Firma aber trotzdem noch als “Teilzeitkraft”, die um 15 Uhr nach Hause ging und war im Kindergarten gleichzeitig die Rabenmutter, die ihre Kinder sooo lange in der Kita gelassen hat. Bei meinem Mann ging es dann irgendwann nicht mehr, dass er nachmittags gearbeitet hat, und so zerbröselte unser ideales Teilzeitmodell so nach und nach
… (aber das wollte ich im Detail nicht in deinem Blog ausführen – ich wünsche mir für euch auch, dass ihr langfristig mehr Erfolg und vor allem Entspannung habt!)
@Katobia: ich musste mir das gestern auch noch mal klar machen, weil ich manchmal kurz davor bin, wieder volles Rohr in irgend einen Beruf einzusteigen, weil mich die Torschusspanik packt (huch, ich bin ja schon 18 Monate zu Hause, ob ich je noch mal einen Job bekomme, meine Rente o wei o wei usw …), also der berühmt-berüchtigte Floh, von dem du sprichst. (wobei ich aber denke, dass der Floh durchaus seine Berechtigung hat, er muss nur irgendwie ins sonstige Leben passen – und ich möchte nicht so gern komplett in das Leben zurück, das ich vorher geführt habe, in dem ich die Familie irgendwie um den Beruf herum gestrickt habe und manchmal beim gehetzten Heimfahren vom Büro so absurde Gedanken hatte wie “wenn ich jetzt mal krank würde oder einen Unfall hätte, dürfte ich wenigstens im Krankenhaus im Bett liegen” never ever
…
Bei euch klingt das ja tatsächlich bescheiden, wie es am Ende gelaufen ist. Genau das, was Du oben schreibst – es ist in der Gesellschaft offenbar einfach nicht so ganz vorgesehen, dass man sich mal ein paar Jahre um Kinder kümmert, egal in welchem Modell. Danke für die guten Wünsche. Ich hoffe auch, dass wir uns das nicht nur schön hinplanen, sondern auch wirklich alles so klappt…. Momentan habe ich 24 Stunden (plus Lernzeit), der Mann ganz zuhause, ab Sommer dann ich 24, er 20. Organisatorisch sollte das jetzt wenigstens fürs erste Kind mal abgeklärt sein, ich habe meinen Vertrag und der Mann auch… aber auch bei uns steht natürlich die Frage, ob wir uns das finanziell längere Zeit leisten können. Unsere Rechnungen sagen: vielleicht. Hm. Und die Frage, ob die Arbeitgeber beim nächsten Kind wieder so mitspielen würden…. *seufz*
“So möchte ich nicht wieder leben”
Das kann ich gut verstehen, ich bin sehr froh, dass ich diesen Druck als Selbständige nicht ganz so extrem habe, bzw. hatte. Dafür habe ich natürlich mit meiner Gesundheit oft genug Raubbau betrieben, viele Nächte gearbeitet, nur um irgendwie trotzdem meine Termine einzuhalten.
Ich finde, Frauen (und gerne Männer, aber die betrifft es seltener) sollten genau dieses offener kommunizieren. In der Realität nämlich geht der Trend doch eindeutig dahin, dass man/frau das lässig wuppt mit dem Beruf und dem zahnenden Baby – ANDERE schaffen das doch auch. Kaum jemand sagt offen, WIE hart es oft ist, denn entweder ist man dann ein Weichei oder selbst schuld, wenn man unbedingt “Karriere” macht (und im Zickenkrieg ist im Zweifelsfall ja alles nur aus Karrieregründen so).
Deinen Traum einer familienfreundlichen Gesellschaft teile ich voll und ganz, und ich hoffe, dass meine Kinder es später erheblich einfacher haben, Familie und Beruf langfristig zu vereinen. Oder für sich eine ganz andere Wahl zu treffen (8 Kinder und nur einer arbeitet auswärts – oder so *g*).
Ehrlich gesagt ist die Arbeitswelt auch nicht für das gewappnet, was einige Jahre später passiert. Ich komme nämlich jetzt, wo meine Kinder groß sind in die Situation, dass meine Eltern meiner Fürsorge bedürfen. Noch nicht Pflege, aber schon mal hier ein Kümmern und da ein Krankenhausaufenthalt … Das belastet viele in unserem Alter (so um die 50 ‘rum), die wir alle, als unserer Kinder so in den ersten Schuljahren waren dachte, dass wir jetzt in Ruhe arbeiten könnten. /Und jetzt geht es in anderer Richtung wieder von vorne los. Ich finde es so ätzend, weil es auch hier so ist, dass die jeweiligen Arbeitgeber mitziehen müssten. Und es ist sooo erschöpfend!
Und das gehört doch auch zur Familienfreundlichkeit dazu. Und irgendwie habe ich es für meinen Kinder lieber gemacht, was für mich auch psychisch noch einen andere Belastung darstellt. Und es war vielleicht auch noch zukunftsgerichteter.
(Möglicherweise ist es auch das eigene Alter, und wir fragen uns natürlich, ob wir für unserer Kinder auch einmal so einen belastung werden).
Tja, schaun wir mal, was die Demografie so bringt…
Ja, nicht umsonst spricht man ja von der Sandwich-Generation, offenbar ist der Belag in der Mitte sehr sehr belastbar, von Anfang 30 bis Mitte 50 – ich wünsche mir für mich auch, dass ich für meine Kinder nicht zur Belastung werde (und kann mir gut vorstellen, dass es etwas anderes ist, die eigenen Kinder zu pflegen als die eigenen Eltern …)