Seelenspiegel
Wer nicht traurig sein kann
Hat im Leben nicht getanzt.
(Herbert Grönemeyer, Leb in meiner Welt)
Heute ist so ein Tag, an dem ich darüber nachdenke, dass ich schon lange nicht mehr getanzt habe.
(immer mal wieder, bevorzugt, wenn der Winter nicht enden will, holen sie mich ein, die Geister der Erinnerung, da genügt ein Lied, eine Geste, ein Geruch, und sie sind so trügerisch, diese Geister, weil sie einerseits schaurige Dinge hervorkramen, die so gar nicht in den gemächlichen Familienalltag passen; sie neigen andererseits auch dazu, manch andere Dinge so rosarot zu überzeichnen, dass einem die Gegenwart so grau vorkommt, wie sie gar nicht ist. Und wupps sitze ich ohne Fahrkarte, denn ich wollte ja eigentlich gar nicht verreisen, mitten im ICE auf dem Weg in die Vergangenheit, mit offenem Mund und großen Augen, staune, dass ich dort einmal gelebt habe, weine an manchen Orten und freue mich an anderen. Bin nur unvollständig in der Gegenwart anwesend und weiß nicht mehr, ob die Zukunft, die ich plane, meine ist oder nicht doch alles anders sein müsste. Ein Tag für die Bettdecke. Wann ist Zeit zu tanzen?)
