Non-Stop Talking
Ich bin kein schweigsamer Mensch, aber es gibt in meinem Leben durchaus Minuten am Tag, an denen ich nicht kommuniziere, sondern vor mich arbeite, lese, nachdenke – und dabei schweige. Ähnlich der Mann an meiner Seite. Darum frage ich mich immer wieder, woher unsere Kinder das Non-Stop Talk Gen haben. Der Größte machte den Anfang: seit er mit knapp zwei Jahren der Zwei- und Dreiwortsätze mächtig war, redete er. Pausenlos. Fragt. Sagt. Denkt laut. Singt. Redet. Referiert. Erklärt. Lacht. Redet. Beim Zähneputzen, auf der Toilette, unter der Dusche, beim Essen, Trinken. Manchmal könnte man meinen, sein Leben verliefe unter der Devise “Ich rede, also bin ich.” Seine mündliche Mitarbeit sei sehr gut, sagt die Lehrerin. Manchmal rede er auch, wenn er nicht gefragt werde. Wundert mich jetzt nicht.
Das große Tochterkind, dachten wir erst, ist schweigsamerer Natur. Bis wir merkten, dass sie weniger redet, weil sie weniger hört. Seit ihrer Paukenröhrchen-OP hört sie Wörter, Sätze, Laute, die sie vorher nie gehört hatte, und sie holt auf und macht ihrem großen Bruder mittlerweile mächtig Konkurrenz. Im Reden. Manchmal sogar nachts, im Schlaf. Ich gehe an ihrem Zimmer vorbei und frage mich, was los ist. Das Kind redet. Und schläft. Unglaublich.
Das kleine Tochterkind erfreut uns täglich mit mehr Wörtern, was ungemein praktisch ist, denn was man benennen kann, muss man nicht mehr herbeischreien. Wenn die beiden Großen in mein linkes und rechtes Ohr schreien reden, mischt sie mittlerweile munter mit. Und da das mit den zusammenhängenden Sätzen noch nicht so ganz klappt, ruft sie fröhlich in enormer Lautstärke “Maaama, Paaaapa, Aaaanna, Heeeidi”, so dass ich schon mehrmals meinen Kopf abgesucht habe, ob mir eventuell ein drittes Ohr wächst, das den beiden anderen Entlastung bieten könnte.
Bevor mich jetzt jemand falsch versteht: ich mag es, dass meine Kinder viel reden. Dies ist kein Problem-Beitrag
Ich erfahre (noch) eine Menge über ihren Alltag in Schule und Kindergarten, die Dinge, die sie bewegen, warum sie traurig sind, was in ihren Köpfen vor sich geht – wir können zusammen Lexika wälzen und Fragen beantworten, die ich mir selbst nie gestellt habe. Ich bin auch sehr froh darüber, dass das große Tochterkind mittlerweile sprachlich gut mitmischen kann. Und natürlich gibt es auch Momente, in denen die Kinder nicht reden. Wenn sie sich auf ihr Spiel konzentrieren. Wenn sie ausschneiden. Wenn sie über etwas nachdenken. Wenn sie das “Sandmännchen” gucken.
Nur manchmal, an manchen Tagen, da frage ich mich, woher haben die das? Das mit dem pausenlosen Reden? Von mir? Vom allerbesten Mann? Und an manchen Abenden, da kann ich selbst nicht mehr reden. Bloß kein Telefonat mehr. Schon gar nicht eines, wo ich zuhören muss. Nur schweigen. Und der Ruhe zuhören. Dem Ticken der Uhr, dem Gurgeln des Kühlschranks und der tiefen, tiefen Nacht.

Oh, ja! Ein drittes Ohr wäre manchmal schon praktisch, wenn alle drei auf einmal quasseln….im Moment lausche ich nur dem Gurgeln der Spülmaschine, die großen Jungs spielen unten und der Kleinste schläft (und schweigt)….oh, schon wieder vorbei, ein übermüdeter Großer kommt und quengelt….soooo….und auch ich mag grad abends nicht mehr so unbedingt telefonieren….mein Quasselbedürfnis beschränkt sich auf tagsüber, das Verstehen aber meine (kinderlosen) Freundinnen leider nicht immer….und nun versuche ich mich mal an die Nähmaschine zu schleichen! Ich wünsche noch einen kommunikativen Sonntag mit ebenso strahlend blauem Himmel wie hier!
Dankeschön gleichfalls! Hier ähnliches Bild: blauer Himmel, gurgelnde Spülmaschine und schlafendes jüngstes Kind! Viel Spaß beim Nähen