Gestern im Garten
Das Tochterkind drückt mir zwei kleine Gänseblümchen in die Hand und sagt ernst: “Schenk ich dir, Mama, aber geh vorsichtig mit ihnen um, sie sind klein und wachsen noch!” Mich haben diese Worte ziemlich berührt, weil eine Übertragung auf die Kinder so nahe lag. Meine drei Geschenke. Sie sind noch nicht lange auf dieser Welt. Das älteste gerade einmal sechseinhalb Jahre. Sie wachsen noch. Jeden Tag. Ich habe mir die Worte ins Herz geschrieben – fürs nächste Mal, wenn der Große wieder tagträumend aus dem Fenster schaut, statt seine Hausaufgaben zu machen, die Mittlere über einem quadratmillimetergroßen Riss im Zeigefinger in schlimmes Weinen ausbricht und das Babykind wieder um 5 Uhr morgens die Nacht beendet. Geh vorsichtig mit ihnen um – sie wachsen noch.

Oh, wie schön! Ich versuche mir die Worte Ihres kleinen, klugen Tochterkindes zu merken…sie hat ja so recht! Vielleicht kann ich da meinen eignenen kleinen Wutanfall beiseite schieben, wenn der Jüngste mal wieder grundlos brüllt und sich auf dem Boden wälzt, der Mittlere den Großen mal wieder, um ihn zu ärgern, ins Ohr beißt und der Große wieder mal, wie grad jeden Tag, seinen Rucksack im Flur stehen läßt…
Eigentlich ist es so einfach und klar – und doch tut man sich oft so schwer damit und verstellt sich mit all diesen kleinen und großen “Ärgernissen” (oder dem, was man dafür hält) den Blick auf das Wesentliche.
Wie wahr…
Und so schwer, dieses gut aufpassen. So schön, aber oft so schwer…