Archive for März, 2010

Lasset die Kinder zu mir kommen?

Gestern beim Schwimmkurs der mittleren Tochter: ich stehe mit drei Kindern in der Umkleidekabine und helfe dem mittleren Kind beim Umziehen, halte das Kleinste parallel davon ab, die Toiletten, Duschen und Waschräume auf Usability zu überprüfen und den Großen davon, mit der Mittleren auf dem feuchten Boden Fangen zu spielen, da geht die Tür auf, eine Mutter, die ich nur vom Sehen kenne, schiebt ihren Sprössling durch die Tür, reißt ihm eilig die Kleidung vom Leib und ruft “Tschüüüß, ich gehe jetzt einkaufen, du kannst ja bei der Frau mit den drei Kindern bleiben, die Mutter von X – ähm, wie heißen Sie überhaupt? Na ja, egal, Sie haben ja schon drei Kinder, da können Sie sicher noch auf eines mehr aufpassen!”

Verwirrt murmelte ich “Ähm ja, ich  heiße …, aber Sie können doch nicht …” – da war die Mutter schon verschwunden. Das Kind rief “Aber du kommst mich doch abholen, oder?!” Und da stand ich nun, mit vier Kindern. Wunderte mich auch nicht, dass besagtes Kind erst 10 Minuten NACH dem Kurs wieder abgeholt wurde. Und irgendwie ärgert mich das immer noch. Dass ich drei Kinder habe, heißt nicht, dass ich auch dreißig haben könnte, dass jeder Hans und Franz mir seine Kinder zum Beaufsichtigen an die Hand drücken könnte – und überhaupt. Ich.bin.nicht.Mutter.Theresa – und nur halb so nett, wie ich vielleicht aussehe … *grummel*

Posted on März 17th, 2010 by Ordinarylife  |  10 Comments »

Generation Nachdenken

Wenn es etwas gibt, was viele Menschen unserer Generation prägt wie keine andere, ist es das ständige Neben-Sich-Treten und Reflektieren darüber, ob das, was man tut, das Richtige ist. So, als hätte man den Supervisor stets und überall hinter und neben sich. Ich kenne das vom Arbeiten, und noch viel mehr fällt mir dieses Verhalten an mir auf, seit ich Kinder habe. Nicht, dass ich ständig zweifle an dem, was ich tue und stets wankelmütig und wechselhaft erziehen würde, aber ich erwische mich dabei, dass ich häufig nachdenke und manchmal auch in Frage stelle. Zwei Beispiele, die mich in letzter Zeit gedanklich beschäftigen:

1. Bin ich ein Autokrat?

Meine Kinder dürfen mitentscheiden. Einmal die Woche jedes Kind, was es zum Mittagessen gibt. Zwischen zwei Outfits am Morgen, die wettertauglich sind. Im Supermarkt ein Lebensmittel, wenn wir einkaufen gehen. Welches Bilderbuch wir lesen. Ob sie mit der Oma telefonieren wollen oder nicht, wenn sie am Apparat ist. Ob sie einen Gutenachtkuss möchten oder nicht. Und ich appelliere an sie, auf ihren Bauch zu hören, wenn es darum geht, mit wem sie Kontakt aufnehmen, ob sie satt, müde, durstig und ähnliches sind …

Nun ist das mittlere Kind seit einiger Zeit mit einem Mädchen befreundet, deren Mutter das Kind IMMER fragt, was es möchte: ob es morgens in den Kindergarten MÖCHTE, ob es mittags etwas Warmes oder lieber nur Joghurt essen MÖCHTE, ob es Stiefel oder Sandalen bei 10 cm Schnee anziehen MÖCHTE, ob es nach drei Stunden Spielen nun mit nach Hause kommen MÖCHTE oder nicht. In vielen Dingen MÖCHTE das Mädchen (natürlich) nicht, und die Mutter gibt nach – sprich das Kind geht nicht in den Kindergarten, isst nicht zu Mittag, geht mit Röckchen durch den tiefen Schnee usw … – und wirkt dabei nicht gerade glücklich, sondern häufig unzufrieden, irgendwie in sich selbst verknotet.

Anfangs stand ich neben dieser Mutter und dachte “Oah, boah, Patricia, du bist ein Autokrat, echt du, was man ein Kind alles entscheiden lassen kann …!” Und ich trat neben mich und dachte und dachte … und bin mittlerweile für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Kind manche Dinge gar nicht allein entscheiden KANN und dass ich als Erwachsener in diesem Fall die Verantwortung dafür trage, dass das Leben die Struktur bekommt, die ich  mir wünsche.

2. Bin ich eine Memme?

In unserem Kindergarten gibt es derzeit einen Praktikanten, der prima mit den Kindern umgehen kann – Raufen, Balgen, Knuffen, aber auch in Streitigkeiten dazwischen gehen, kurz gesagt, ich denke, der wäre prima geeignet, das Ganze zu seinem Job zu machen. Nun ist der Praktikant erst 16 und wird manchmal von ungestüm jugendlichem Leichtsinn gepackt. Am Freitag holte ich das Tochterkind hab und sah auf dem Weg zum Kindergarten, wie das Mädchen ca. zwei Meter über den Köpfen der Kinder flog. Hochgeworfen vom Lieblingspraktikanten und natürlich auch wieder aufgefangen. Und immer höher und höher. Ein Teil in mir weiß, dass das herrlich ist, dieses kribbelige Bauchgefühl, zu fliegen, danach wieder zu landen, sich auf den nächsten Flug zu freuen … Nur irgendwie war mir das Ganze zu hoch, und bei aller Mitfreude hatte ich Angst. Und ich dachte und dachte – das Wochenende darüber nach, ob ich jetzt etwas sage oder mich damit als Spaßbremse und Schisser oute, obwohl ich doch weiß, wie wichtig auch wildes Toben für Kinder ist. Heute habe ich dann mein ganzes Bauchgefühl der Erzieherin unserer Tochter aufs Tablett gelegt, und sie hat mich verstanden, sehr gut, und mir versprochen, dem jugendlichen Leichtsinn die allerschärfste Spitze zu nehmen, ohne den Jungen dabei in seinem Elan auszubremsen. Für mich stimmt das Ganze jetzt wieder.

Aber manchmal, manchmal wünsche ich mir, ich könnte mir das alles ein wenig einfacher machen mit dem Denken und Zweifeln und In-Frage-Stellen …

Posted on März 16th, 2010 by Ordinarylife  |  7 Comments »

Klo in Trümmern

“Schau mal, was ich hier noch habe!”, sprach der Mann vor kurzem, als er die gespeicherten Bilder am PC durchging. Es war, taataa, Klo-Content ;-) … Im Jahr, bevor das erste Kindelein geboren wurde, sind wir beiden viel verreist. Toscana, Griechenland, ein Wochenende hier, eines dort. Weil ich London von Geschäftsreisen her mochte, aber nie, nie Zeit hatte, all die hübschen Läden mal von innen anzuschauen (welcher männliche SEO- und SEM-Experte geht schon mit in all die Tee-, Kosmetik- und Einrichtungsläden in Covent Garden und Notting Hill?), wollte ich einfach mal stressfrei ein paar nette Tage mit dem Mann an meiner Seite dort verbringen. Wir buchten also ein Drei-Sterne-Hotel, das in einem (im Internet) wunderschön anmutenden historischen Gebäude untergebracht war. Als wir nach dem Einchecken in unser Zimmer kam, gab es die erste Ernüchterung: direkt unter dem Fenster befand sich das Entlüftungsrohr der Küche. Und draußen war es warm, sehr warm. Fenster auf beim Schlafen ging gar nicht, da das Lüftungsrohr dröhnte und 24 Stunden miefige Essensgerüche hereinspülte. Fenster zu hieß schwitzen, und eine Klima-Anlage hatte das Ding nicht. Aber wir wollten ja keine German Spießer sein und beschlossen, uns trotzdem schöne Stunden zu machen. Spätabends saß ich auf der Toilette und wunderte mich etwas, einen winzig kleinen Wassertropfen an der Decke zu sehen. Als Maurerstochter dachte ich mir, das kann dem Fundament nicht gut tun und huschte kurz runter zur Rezeption, um das Ganze zu vermelden. Man werde sich das Ganze am nächsten Morgen anschauen, war die kurz angebundene Antwort, und ich ging achselzuckend zu Bett. Als wir ca. eine halbe Stunde eingeschlafen waren, weckte uns ein ohrenbetäubender Lärm, etwa so, als sei das Haus oder Teile davon zusammengebrochen. Als bekennender Schisser blieb ich unter der Bettdecke liegen, während der Mann, mein Held, sich umsah. Im Bad bot sich dann folgendes Bild:

fliesenLondon

Offenbar kein kleiner Haarriss, sondern ein ausgewachsener Rohrbruch. Glücklicherweise saß niemand unter den Fliesen, als sie runterkamen. In meiner Nase kitzelte es ganz gewaltig vor aufsteigender Wut, und es war mir mittlerweile egal, ein German Spießer zu sein. Ziemlich angefressen bin ich zur Rezeption und habe dort einen längeren Vortrag gehalten, der darin endete, dass wir sehr schnell und nunmehr auch sehr freundlich mit einem eilig herbeigerufenen Taxi in ein wirklich wunderschönes und weitaus teureres Hotel chauffiert wurden, in dem wir ohne Aufpreis den Luxus einer guten Klima-Anlage, üppig gepolsterter Betten und eines traditionell britischen Frühstücks erleben durften. Ich war danach noch ein- oder zweimal geschäftlich in London, in einem Hotel lagen gebrauchte Kondome unter dem Bett, im anderen war die Steckdose verschmort, aber irgendwie war das nichts gegen eine haarscharf verpasste Gehirnerschütterung auf dem Klo …

Posted on März 14th, 2010 by Ordinarylife  |  3 Comments »

Komische Sache das

Morgens, wenn ich den Sohn zur Schule bringe, steht dort, egal wie früh oder spät ich komme, immer schon ein schwarzer BMW Kombi, in dem die Mutter einer Klassenkameradin sitzt. Sie lässt ihr Kind aussteigen, bleibt aber im Auto allein sitzen. Mittags, wenn ich den Sohn hole, steht dieses Auto mit dieser Mutter auf just demselben Parkplatz, wiederum egal, wie früh oder spät ich komme. Irgendwann steigt ihre Tochter ein, und sie fahren ab. Ich frage mich seit einigen Wochen: Fährt diese Frau überhaupt nach Hause, oder bleibt sie, um den Parkplatz zu sichern oder sonstige Eventualitäten abzudecken, einfach den ganzen Morgen vor der Schule stehen? Ich glaube, ich frage sie morgen früh mal …

Posted on März 14th, 2010 by Ordinarylife  |  No Comments »

Grenzübergänge

Am Mittwochabend lief in der ARD Aelrun Goettes Spielfilm “Keine Angst“. Nach “Die Kinder sind tot” und dem Tatort “Der glückliche Tod” für mich der dritte Film der Regisseurin, der mich tagelang gedanklich auf Trab hält. Keine banalen Themen, kein kalkulierter Hollywood-Scheiß, keine schönen Menschen, keine Sorge um Make Up, Frisur und Wohneinrichtung, stattdessen Verwahrlosung, Lethargie, Verlorenheit und soziale Schichten, die sorgfältig wie Inseln voneinander abgegrenzt sind. Kinder, die keine sein dürfen, Eltern, die keine sein können, hilflose Vertreter des Staates, die dem Elend nichts mehr entgegensetzen können, und dazwischen eine kleine Romeo-und-Julia-Geschichte, die uralte Hoffnung, dass Liebe Grenzen überschreiten kann. Kein Film für Zartbesaitete, dafür um so besser recherchiert und authentisch statt voyeuristisch. Falls der Film noch einmal irgendwo ausgestrahlt wird – er ist sehr sehenswert! (Uff … )

Posted on März 14th, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

So Tage

an denen ich meine Kinder wieder ins Bett schicken würde, damit sie noch  mal mit dem richtigen Bein aufstehen. Dauernebel bei minus sechs Grad, nirgendwo das kleinste Fitzelchen Sonnenschein, Amok fahrende Rentner, vor mir auf der Straße ein Toiletten-Häuschen-Transporter, der fitzelchenweise Toilettenpapier verliert (ich hoffe mal, ungebrauchtes), drei Kinder, die heute pausenlos ALLE GLEICHZEITIG etwas wollen und unmotiviert herumkreischen, davon eines völlig erkältet und armlastig, dazu ekliges Kopfweh und blöde Nächte … schön, dass auch solche Tage zu Ende gehen!

Posted on März 11th, 2010 by Ordinarylife  |  4 Comments »

Bäääh …

… ich mag nicht mehr. Keinen Tag länger Schneeanzüge an- und ausziehen, Rollsplitt aus dem Treppenhaus kehren, überall nasse Pfützen wegwischen, Schnee fegen, streuen, kalte, raue Finger, Lippen und Wangen mit Creme bearbeiten, ich habe die Nase gestrichen voll und will, dass du weggehst, du Winter, stattdessen klebst du vor der Haustür mit der Hartnäckigkeit eines Staubsaugervertreters. Aber von meinen Nussecken kriegst du nix ab ;-)

nussecken

Posted on März 10th, 2010 by Ordinarylife  |  5 Comments »

Ja, wo leben wir denn hier?

Gestern abend beim Eintragen der Steuerfreibeträge über die Steuer-Software WISO tauchte bei uns folgendes Fenster auf – man beachte die rot markierte Option:

In welchem Schurkenstaat leben wir denn bitteschön, dass man Bestechungsgelder steuerlich geltend machen kann? Ist die Zahlung von Bestechungsgeldern so gängige Praxis, dass sie in Steuersoftware übernommen wird? Und wer bitteschön gibt DAS an? Sehr schön ist auch der Punkt einige Zeilen darunter “Entgelt für ein freiwilliges Einsammeln und Verwerten leerer Flaschen”. Ich war ja schon immer der Meinung, dass das deutsche Steuerrecht für Normalbürger nicht einfach zu verstehen ist – aber mittlerweile denke ich, die Macher müssen bek.ifft gewesen sein …

bestechungsgeld2

Posted on März 9th, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Non-Stop Talking

Ich bin kein schweigsamer Mensch, aber es gibt in meinem Leben durchaus Minuten am Tag, an denen ich nicht kommuniziere, sondern vor mich arbeite, lese, nachdenke – und dabei schweige. Ähnlich der Mann an meiner Seite. Darum frage ich mich immer wieder, woher unsere Kinder das Non-Stop Talk Gen haben. Der Größte machte den Anfang: seit er mit knapp zwei Jahren der Zwei- und Dreiwortsätze mächtig war, redete er. Pausenlos. Fragt. Sagt. Denkt laut. Singt. Redet. Referiert. Erklärt. Lacht. Redet. Beim Zähneputzen, auf der Toilette, unter der Dusche, beim Essen, Trinken. Manchmal könnte man meinen, sein Leben verliefe unter der Devise “Ich rede, also bin ich.” Seine mündliche Mitarbeit sei sehr gut, sagt die Lehrerin. Manchmal rede er auch, wenn er nicht gefragt werde. Wundert mich jetzt nicht.

Das große Tochterkind, dachten wir erst, ist schweigsamerer Natur. Bis wir merkten, dass sie weniger redet, weil sie weniger hört. Seit ihrer Paukenröhrchen-OP hört sie Wörter, Sätze, Laute, die sie vorher nie gehört hatte, und sie holt auf und macht ihrem großen Bruder mittlerweile mächtig Konkurrenz. Im Reden. Manchmal sogar nachts, im Schlaf. Ich gehe an ihrem Zimmer vorbei und frage mich, was los ist. Das Kind redet. Und schläft. Unglaublich.

Das kleine Tochterkind erfreut uns täglich mit mehr Wörtern, was ungemein praktisch ist, denn was man benennen kann, muss man nicht mehr herbeischreien. Wenn die beiden Großen in mein linkes und rechtes Ohr schreien reden, mischt sie mittlerweile munter mit. Und da das mit den zusammenhängenden Sätzen noch nicht so ganz klappt, ruft sie fröhlich in enormer Lautstärke “Maaama, Paaaapa, Aaaanna, Heeeidi”, so dass ich schon mehrmals meinen Kopf abgesucht habe, ob mir eventuell ein drittes Ohr wächst, das den beiden anderen Entlastung bieten könnte.

Bevor mich jetzt jemand falsch versteht: ich mag es, dass meine Kinder viel reden. Dies ist kein Problem-Beitrag ;-) Ich erfahre (noch) eine Menge über ihren Alltag in Schule und Kindergarten, die Dinge, die sie bewegen, warum sie traurig sind, was in ihren Köpfen vor sich geht – wir können zusammen Lexika wälzen und Fragen beantworten, die ich mir selbst nie gestellt habe. Ich bin auch sehr froh darüber, dass das große Tochterkind mittlerweile sprachlich gut mitmischen kann. Und natürlich gibt es auch Momente, in denen die Kinder nicht reden. Wenn sie sich auf ihr Spiel konzentrieren. Wenn sie ausschneiden. Wenn sie über etwas nachdenken. Wenn sie das “Sandmännchen” gucken.

Nur manchmal, an manchen Tagen, da frage ich mich, woher haben die das? Das mit dem pausenlosen Reden? Von mir? Vom allerbesten Mann? Und an manchen Abenden, da kann ich selbst nicht mehr reden. Bloß kein Telefonat mehr. Schon gar nicht eines, wo ich zuhören muss. Nur schweigen. Und der Ruhe zuhören. Dem Ticken der Uhr, dem Gurgeln des Kühlschranks und der tiefen, tiefen Nacht.

Posted on März 6th, 2010 by Ordinarylife  |  2 Comments »

Nachschlag

Eigentlich schon vom Mittwoch, aber lecker sind Krautnudeln, Pastinakenpuffer und Kohlrabigratin auch noch am Wochenende – das Obst haben die kleinen und großen Menschen schon vertilgt und die Blutorangen waren einfach nur hmmm … (süß, nicht sauer!) ;-)

kiste4

Posted on März 6th, 2010 by Ordinarylife  |  No Comments »