Archive for März, 2010

Je weniger, desto besser

In Kindergarten und Schule dreht sich derzeit viel ums Essen, und ich finde das ganz toll, weil man als Eltern mit seinem Vollkornbrot, Obst und Gemüse nicht allein auf weiter Flur steht, sondern vormittags tatkräftig von Autoritäten (niemandem außer den Eltern glaubt ein Kind mehr als der Grundschullehrerin ;-) ) unterstützt wird. Schön auch, wenn das Tochterkind einen Lolli auswickelt, dreimal dran leckt (damit die Zunge orange wird), ihn dann etwas angewidert in den Müll wirft und sich eine Banane holt – ohne dass ich in den Predigermodus schalten muss. Und noch viel schöner, dass frisches, gesundes Essen gut schmeckt und die Kinder das auch merken.

Als ich Kind war, sprach man in Kindergarten und Schule nicht darüber, wie man dem Körper mit gesundem Essen Gutes tut. Da meine Eltern mit anderen Dingen beschäftigt waren (s.u.), gab es für mich nur selten warmes Essen, ich habe mich ähnlich wie Pippi Langstrumpf irgendwie ernährt: von Kuchen, Cornflakes, Fertigpizza und Co. Ich war nicht dick, aber zeitweise ein richtiges Pummelchen, und Bilder aus meiner Kindheit schaue ich mir immer noch nicht gern an. Irgendwann dann, mit 13, stand ich vor dem Spiegel, fand mich unerträglich fett und hungerte mich fortan mit einem Apfel und einer Scheibe Knäckebrot jeden Tag ein bisschen mehr weg, bis ich bei einer Größe von 175cm bei 39 Kilo angekommen war. Bezeichnenderweise merkten das nicht meine Eltern, sondern meine Sportlehrerin.

Mitte der 80er bestand die Anorexie-Therapie in den Kliniken der Umgebung in Bettruhe mit Magensonden. Ich habe mich gesträubt, geweigert und gesperrt, und meine Eltern (die Besseres zu tun hatten), haben kapituliert. Irgendwann im Sommer stand ich im Garten, im üppigen, prallen Grün und wusste, ich wollte leben. Und zum Leben gehörte auch Essen. Irgendwie. Und von da an ging es, und ich lernte schrittweise und unter Mithilfe einiger lieber Menschen, richtig und mit Genuss zu essen.

Anfangs war da noch der besorgte Blick auf die Waage, aber je mehr ich lebte, desto unbedeutender wurde er. Als ich schwanger war, nahm ich zu, danach dann wieder ab, ohne Diät – und bin, habe ich letztens festgestellt, wieder beim Ausgangsgewicht, das irgendwann einfach wieder da ist, nach allen Schwangerschaften …

Und je weniger ich über das Essen nachdenke, womit ich endlich dabei wäre, was ich eigentlich sagen wollte, desto besser ist es. Kein verkrampftes Kalorienzählen, gutes Essen mit Genuss und in Gemeinschaft – ich wünsche mir, dass meine Kinder das mitnehmen aus ihrer Kindheit, sich weder überfressen, wenn sie groß sind noch meinen, unästhetischen Model-Maßen nacheifern zu müssen. Ich wünsche mir, dass sie ihrem Körper niemals den Krieg erklären, sondern gut mit ihm umgehen …

Posted on März 4th, 2010 by Ordinarylife  |  7 Comments »

Die Bibel – Revisited

Der Sohn behandelt im Religionsunterricht schon ewig und drei Tage die Geschichte von Josef und seinen Brüdern.  In der heutigen Stunde wurde Josef an Potifar verkauft, dessen Frau ihn verführen wollte, jedoch vom braven Josef einen Korb bekam. Um sich zu rächen, behauptete die Verschmähte, Josef habe sie angegriffen. Die Version des Sohnes beim Mittagessen: “Und dann verkauften die Brüder Josef – das ging nämlich damals, heute kann man das nicht mehr machen mit seinen Geschwistern (Bedauern oder Erleichterung? ;-) ) – also sie verkauften ihn an einen Sklavenhändler, also so eine Art Chef, und der verkaufte Josef wieder. Der neue Besitzer von Josef ging irgendwann weg, zum Sport oder so, und die Frau von dem Chef wollte Josef einen Kuss geben. Josef wollte das aber nicht, da war die Frau total stinkig und rannte nach draußen und riefIiiiih, der wollte mich knutschen!’ – auch wenn der gar nix gemacht hatte. Keine Ahnung, was dann mit Josef passierte, es hat geklingelt. Ich nehme an, ein Walfisch hat ihn dann gefressen, wie den Jonah! Schade, dass es damals noch kein Laserschwert gab, sonst hätte er sich wehren können.”

Pifff, baff, bumm – wir hören uns nächste Woche wieder, um zu erfahren, wie Josef in Ägypten mit dem Laserschwert sein Unwesen trieb und dabei seine hundsgemeinen Brüder, die alten Säcke, wiedertraf.

Posted on März 2nd, 2010 by Ordinarylife  |  6 Comments »

Geburtslieder

Als ich eben wahllos am Ipod herumdallerte, fiel mir auf, dass ich noch nirgendwo festgehalten habe, welche Lieder die Geburten meiner Kinder begleitet habe, obwohl sich diese Lieder so sehr eingebrannt habe, dass mir wohl bis zum Lebensende die Tränen kullern, wenn ich sie höre. Beim Großen, im dann doch trotz aller Bemühungen sehr sterilen Krankenhaus, hatte ich eine Handvoll CDs ausgewählt, die ich gern im Kreißsaal hören wollte, mir fehlte aber mit fortschreitender Weherei der Nerv, den DJ zu spielen, darum übernahm das die diensthabende Hebamme, indem sie in Endlos-Schleife eine CD spielte, auf der sich unter anderem “The Lion Sleeps Tonight” befand. Witzig, wenn man bedenkt, dass das mein Sternzeichen und das des kleinen großen Sohnes ist. Der tatsächlich sehr verschlafen und ruhig und keineswegs brüllend das Licht der Welt erblickte.

Das große Mädchen hatte dann hatte das Glück, im neu eröffneten Geburtshaus das Licht der Welt erblicken zu dürfen. Da ich in den Wochen zuvor einen wunderbaren Yoga-Kurs besucht hatte, liefen im Hintergrund Kundalini-Mantren, ähnlich wie diese hier, ich hätte gern meine verlinkt, aber die finde ich nirgendwo …  Die Geburt verlief äußerst friedlich, das Tochterkind brüllte allerdings kräftigst, als es auf die Welt kam. Ob ihm die Musik nicht gefallen hat? Später allerdings ist sie dabei gern im Tragetuch eingeschlafen …

Beim kleinen Mädchen traf mich die Geburt zwar nicht unvorbereitet, aber ich hatte keinerlei Lust auf Kurse und Vorbereitungsmaßnahmen, und so dudelte nach Platz.en der Fruchtbl.ase einfallslos, weil sie eben so im Player lag, diese CD im Wohnzimmer “Snoezelen. Traumstunden für Kinder” Dummerweise ließ sich das kleine Mädchen davon tatsächlich einlullern und legte nach vollständiger Öffnung des Mutt.ermund.es eine längere Snoezel-Pause ein. Dankenswerterweise fiel dem im Gegensatz zu mir denkenden Mann noch rechtzeitig ein, es mal mit den Kundalini-Mantren zu versuchen, und danach ging es ratzfatz weiter, bis sich die kleine Dickmamsell mit ihren breiten Schultern rauswuchtete, um zwischen uns auf dem Sofa ziemlich bald weiterzuschlafen ;-)

Ab und an höre ich die Geburtslieder – und dabei befällt mich stets so ein “Yes We Can!”-Gefühl – eine Mischung aus Aufbruchsstimmung, Stolz, freudiger Erwartung und eine aus einem wie auch immer gearteten Urvertrauen gespeiste Gewissheit, dass am Ende alles gut wird. Sollte ich wohl mal öfter hören, meine Geburtslieder …

Und was lief bei Ihnen so? (außer dem Fruchtw.asser?)

Posted on März 1st, 2010 by Ordinarylife  |  12 Comments »

Fein

wenn man das große Kind ermahnt, doch bitte die Feuchttücher nicht in die Toilette zu werfen, weil sie davon verstopfen könnte und das große Kind, da ja nun des Lesens mehr und mehr mächtig ist, widerspricht, das stimme nicht so ganz, bis zu drei Tücher pro Spülgang dürfe man einwerfen. Ja, und was soll ich sagen? Recht hat er, und offenbar hat er auch noch das Wahllos-Alle-Packungsaufdrucke-Lesen-beim-Klogang von mir geerbt … *augenroll* (sorry, schon wieder Klo-Content)

Posted on März 1st, 2010 by Ordinarylife  |  3 Comments »