Archive for April, 2010
Ich glaub, es hakt …
Gestern nachmittag fand in unserer (Noch-)-Kita die Einweihung eines neuen Schlafraumes für Kinder unter drei Jahren statt. Da es parallel dazu ein Kinder-Animationsprogramm gab, überwand ich meine Unlust und ging mit den Kindern hin. Die hatten am fröhlichen Märchenerzähler tatsächlich viel Freude, während ich den Lobesreden von Jugendamt, Ortsvorstehern, Architekten und Co. zuhörte. Auch der Vorsitzende des Bauausschusses (eifriges CDU-Mitglied) gesellte sich in die Reihe der Reden-Haltenden, und meine Zunge tut mir heute noch weh, weil ich mir so heftig draufbeißen musste, um nicht laut dazwischen zu quatschen. Sagte der Herr doch wortwörtlich: “Die Bundesrepublik hat 30 Jahre lang geschlafen, während im Nachbarland, der DDR, ein tolles und funktionierendes System der Betreuung von Kleinkindern aufgebaut wurde!” Hallo? Ja, 94% der Kinder in der DDR waren betreut, darunter nicht wenige in Wochenkrippen, in denen Säuglinge ihre Eltern nur am Wochenende zu Gesicht bekamen, ja, fast alle Frauen haben gearbeitet, aber es ging doch weder um die Frauen noch um die Kinder, sondern um eine Ideologie, um staatlichen Zugriff auf die Kinder und die benötigte Arbeitskraft der Frauen. Schwierige Kinder landeten in Kinderheimen, es gab wenig Ansätze der innerfamiliären Hilfe und Therapie. Hätte er jetzt Schweden gesagt, oder Norwegen, oder Finnland – oder Frankreich. Aber diese Geschichtsverdrehung tat meiner Historikerinnenseele ziemlich weh … Das Betreuungssystem einer Diktatur, mag es allein und von außen betrachtet noch so toll sein, kann doch, betrachtet man die ideologischen Vorzeichen, unter denen das Ganze stand, niemals ein Vorbild sein – oder bin ich da einfach zu empfindlich? Oder altmodisch, weil ich denke, der Staat, und erst recht ein sozialistischer Unrechtsstaat, macht nicht alles besser? Muss wohl noch mal nachdenken gehen, warum ich so empört bin …
Wenn einer eine Reise tut …
… dann kann er was erleben!”, pflegte meine Oma früher zu sagen, wenn sie in die nächstgrößere Stadt fuhr. Genau das taten das große Tochterkind und ich heute, um mal wieder den HNO aufzusuchen und zu schauen, welche Paukenergüsse sich denn hinter welchem Ohr angesammelt haben .. Während wir saßen, warteten, den Fischen im Aquarium zuschauten und zerfledderte Kinderbücher durchblätterten, gab es einen lautstarken Disput am Empfang. Eine Frau mittleren Alters beschwerte sich darüber, dass sie seit 20 Minuten warte und sie schließlich einen Termin habe. Auf unvorhersehbare Vorkommnisse und ähnliches hingewiesen, erwiderte sie, das ginge ja so nicht, das bringe ihre komplette Tagesplanung durcheinander, normalerweise gehe sie jetzt schlafen. Und sie müsse JETZT SOFORT schlafen, ganz dringend. “Uuund, kann ich hier irgendwo schlafen?” Die Frau am Empfang, etwas verwirrt: “Nein, also einen Schlafraum haben wir hier nicht.” Patientin: “Im Wartezimmer ist es mir zu laut. Und ich möchte jetzt SCHLAFEN!” So ziemlich alle Wartenden reckten die Köpfe, so dass es den zusammengelaufenen Vorzimmerdamen allmählich peinlich wurde. Eine von ihnen bat die Patientin schließlich in einen Untersuchungsraum, in dem sie die Jalousien herabließ und das Licht ausstellte. Frieden wiederhergestellt. Und dem Tochterkind und mir blieb nur zu rätseln, ob diese Frau nun unter Narkolepsie leidet, sie regelmäßig Nachtschichten ableistet und tagsüber schlafen muss oder ihr einfach langweilig war … Kurz habe ich in Erwägung gezogen, auch mal beim Arzt nachzufragen, ob ich die Wartezeit zum Schlafen nutzen kann, aber dann fiel mir ein, da war ja noch was – ach ja, die Kinder!
Kinderwagisierung von Vorschulkindern
Letzte Woche im Zoo Dortmund sind mir dermaßen viele große Kinder (und mit groß meine ich jetzt nicht zwei oder vielleicht noch drei, sondern vier bis fünf) aufgefallen, die im Buggy durch die Gegend geschoben wurden, dass es mir echt zu denken gegeben hat. Vielleicht fiel es mir nur deswegen so auf, weil unser 20-Monats-Kind den gesamten Zoo zu Fuß gemeistert hat und verwirrt vor einem Fünfjährigen im Buggy und seinem Opa stehen blieb und das im Kinderwagen fixierte Kind ähnlich anstarrte wie Erdmännchen und Zebras zuvor. Mag sein, ich versteh das nicht. Unsere Kinder mussten mit spätestens zwei Jahren ihre Sport- und sonstigen Wagen abgeben, weil ein Geschwisterkind kam, das geschoben wurde. Und das letzte Kind ist einfach nur heiß aufs Laufen, so dass wir den Kinderwagen fast gar nicht mehr brauchen, es sei denn zum Transport von Rucksäcken, Jacken und Co. Die Kinder in den fahrbaren Untersätzen wirkten auch nicht sonderlich müde oder kränkelig, sie litten nicht unter Gipsbeinen oder ähnlichen Beschwernissen, so dass ich den bösen Verdacht hatte, es könne sich eventuell um Bequemlichkeit (der Begleitpersonen) handeln. Zappelnde Vorschulkinder an der Hand, fünf Meter vor und hinter einem sind sicher nicht jedermanns Sache, aber angesichts täglicher Gruselmeldungen über übergewichtige, bewegungsarme und motorisch förderungsbedürftige Kinder sollte man vielleicht mal drüber nachdenken, Fünfjährige zu Fuß gehen zu lassen – spätestens zur Einschulung wirds sonst peinlich …
1001x Möhre
Seit wir Biokisten-Abonnenten sind, ist wöchentlich mindestens ein Pfund Möhren dabei – zu einem Spottpreis von 20-40 Cent. Darum habe ich die Möhren bislang auch nie abbestellt, und so üben wir gerade mit Möhren kreativ zu sein, was erfreulicherweise sehr gut gelingt. Ich hätte vorher nie gedacht, dass Möhren so vielfältig sind. Bislang im Angebot:
- Möhrenbrot
- Möhrenkuchen
- Möhrenmuffins
- Kartoffel-Möhren-Püree
- Möhren im Versteck (eingerollt in dünne Pfannkuchen und überbacken)
- Möhrensuppe (Variationen mit Curry, Kokosmilch, Sahne oder Käse)
- Ofenmöhren mit Knoblauch
- Glasierte Möhren
- Möhrensalat
- Möhren-Bolognese
heute im Ofen: Möhren-Lasagne mit Pesto. Und irgendwann gebe ich das Buch “Möhren – 365+” heraus
Wie sinnig
Das Babymädchen putzt zwar auch schon fleißig die Zähne, wir geben aber in den ersten Lebensjahren trotzdem prophylaktisch Fluortabletten mit Vitamin D. Als ich das letzte Rezept einlöste, klärte mich die Apothekerin darüber auf, dass unsere Krankenkasse einen Rahmenvertrag mit einem Arzneimittelhersteller geschlossen habe, der es nur noch erlaube, genau JENE Fluortabletten, die sie auf den Thresen legte, herauszugeben. Nun gut, dachte ich mir, wenn wirkgleich, dann egal. Nun sind die Dinger vielleicht wirkgleich, aber zum einen lösen sie sich nicht in Wasser auf – zumindest nicht innerhalb von zehn Minuten (vielleicht lösen sie sich ja in Alkohol oder Speiseöl auf, keine Ahnung). Was ich aber viel sinnfreier finde ist die Tatsache, dass die Tabletten Zucker beinhalten (die vorher genutzten beinhalteten zahnfreundliche Zuckeraustauschstoffe). Nun gut, könnte man noch sagen, wir putzen dem Kind ja abends die Zähne. Eben las ich aber in der Packungsbeilage, die beste Zeit für die Tabletten sei abends NACH dem Zähneputzen. ZUCKERhaltige Tabletten? Kann mir das mal jemand erklären? Bislang hat keines unserer Kinder Karies, und das sollte trotz Fluortabletten so bleiben. Vielleicht sollten wir die Tabletten ja auch einfach in Apfelschorle oder Fanta auflösen und in der Nuckelflasche mit ins Bett legen? War das so gemeint? Oder hat wiederum die Krankenkasse einen Rahmenvertrag mit namhaften deutschen Zahnersatz- und Plombenherstellern geschlossen?
Frohe Ostern …
… wünschen das Lamm mit den traurigen Augen (merke: Kürbiskerne als Augenersatz gehen GAR nicht
) und ich. Pappmaché-Eier haben wir zwar heute schon zur Genüge angemalt, aber echte müssen wir morgen früh noch färben. Dafür sind die Schoko-Eier schon versteckt (ähm ja, ich stelle gerade fest, ich sitze sogar auf einem – ich geh dann mal Hose waschen
)
Zum Abendessen gabs heute – mit einem schönen Gruß an Sibylle – Spaghetti mit Meatballs, gekocht nach Frau Barcomi und bis auf ein paar fadenscheinige Spaghetti und einen letzten Fleischklops vollständig verzehrt …
Rostet Liebe doch?
Öfter mal, und gerade jetzt, konkret vor dem Osterwochenende, nachdem ich diverse Lebensmittelläden angesteuert habe, frage ich mich, was manche ältere Paare beieinander hält. Da wird gegrantelt, gestritten, angemuffelt, was das Zeug hält, sei es darum, ob man nun einen oder zwei Joghurtbecher in den Einkaufswagen legen soll, ob man nun mal den Einkaufswagen etwas schneller nach vorn schieben könne, warum in Herrgottsnamen der Kerl jetzt nicht den grün-lila Jogginganzug mitnehmen möchte und so weiter …
Von außen betrachtet sieht das aus wie die Ehehölle par excellance. Man schaut sich nicht mehr an beim Reden, bemüht sich nicht einmal mehr, rudimentäre Höflichkeitsformen wie Bitte und Danke einzuhalten, manche bekommen die Zähne gar überhaupt nicht mehr auseinander und raunzen nur noch mit halb geöffnetem Mund ihr Gegenüber an.
Nicht alle natürlich. Ich kenne auch Paare, die sind alt geworden und ihre Liebe ist jung und schön geblieben. Zwei von zehn Paaren würde ich sagen. Und der Rest stimmt mich traurig. Warum ist das so? Rostet Liebe am Ende doch? Meint man, den anderen ganz zu kennen? Zieht man aus diesem Wissen das Recht, den anderen respektlos zu behandeln? Glaubt man, der Partner habe eh keine andere Wahl als dazubleiben, bis dass der Tod sie scheidet?
Ich hoffe, ich vergesse im Alter nicht, dass ich mir irgendwann vorgenommen habe, anders mit der Liebe umzugehen. Respektvoll. Rücksichtsvoll. Und darauf vertrauend, dass sie immer ein Geheimnis bleibt. Und Freiheit braucht. Notfalls auch die, sie ziehen zu lassen. (auch wenn ich mir das nicht wünsche)
Nur mal so
Ich hatte Frühling gesagt, nicht Winter und nicht Spätherbst. Draußen Hagelschauer und Sturm. Kalte Finger und Füße und die Frage, ob man Ostern vertagen kann. Hier im Chaos drinnen findet man die Ostereier eh nicht wieder.
Wenn das kleinste Kind nicht endlich besser schläft, sehe ich schwarz für meine beruflichen Ambitionen. Mit dauerhaft vier Stunden Schlaf pro Nacht tauge ich eher als Serienkiller oder Testperson für Schlaflabore denn als ernsthafter Arbeitnehmer.
Osterpost wird maßlos überschätzt. Sage ich mal so. Und weigere mich, dieses Jahr Karten zu verschicken. Hoffentlich schickt mir auch niemand welche, sonst bekomme ich ein schlechtes Gewissen.



