Wir sind wieder da. Und meine Welt sortiert sich gerade neu – Dinge, die vor Montagmittag wichtig waren, erscheinen banal, und in mir ist nur Erleichterung und Freude. Die kleinste Maus hatte Fieber – ich habe regelmäßig nachgemessen, und mittags waren wir bei 38,7 – für mich zu niedrig für Fiebersenkungsmittel, zumal das Kind sehr fröhlich wirkte und mit uns zu Mittag aß. Die Minuten, die darauf folgten, waren bislang die schlimmsten in meinem Leben: als ich die Maus schlafen legen wollte, drehte sie die Augen nach außen, wurde in Sekundenschnelle blau und steif, verlor das Bewusstsein und atmete nicht mehr. In riesiger Panik lief ich die Treppe hinunter, schickte die Kinder zum Nachbarn (der ist Arzt), suchte mein Handy und versuchte mit zittrigen Händen 112 einzugeben. Ca. dreimal habe ich mich verwählt, danach wirr Adresse und Co. gestammelt, während das Kind in meinem Arm, wie ich glaubte, wegstarb. Der Nachbar nebenan war nicht da, ich lief mit dem steifen, blauen Kind die Straße hinauf und hinunter und dachte, das wars, mein Leben. Die Frau des Nachbarn kam hinzu und versuchte zu beruhigen – nahm mir das Kind ab, das nun nicht mehr blau war, dafür bewusstlos und nur noch flach atmete. Irgendwann dann in der Ferne Martinshörner, und nach einer Ewigkeit war der Rettungswagen da. Verdacht auf Fieberkrampf, Notfallzäpfchen, Kind am Schlauch … Während wir ins Krankenhaus düsten, machte ich mir Vorwürfe, dachte, ich hätte gleich das Fieber senken sollen und und und … Im Krankenhaus angekommen, öffnete das Kind auf dem Untersuchungstisch die Augen, schaute mich verwirrt an, murmelte “Auto, Ball” und schlief ein. Ich war paralysiert, ließ mich mit dem Kind einweisen, wartete auf den Oberarzt, saß mit dem schlafenden Kind auf dem Schoß Stunden auf Stühlen, bis schließlich nach mehreren Untersuchungen weitestgehende Entwarnung gegeben wurde. Ein Fieberkrampf hieß es, lebensbedrohlich aussehend, aber nicht lebensbedrohlich, so lange er nicht länger als 15 Sekunden dauert – die meisten Eltern denken, das Kind stirbt – der Notarzt war goldrichtig. Um 18 Uhr öffnete das Kind die Augen, das Fieber war komplett weg, das Kind aß und trank die für mich bereitgestellte Nahrung, packte den Koffer am Griff und rief “Komm, Mama!” – und wollte zur Krankenhaus-Zimmertür eilen. Zur Sicherheit haben wir die Nacht im Krankenhaus verbracht, um uns herum unzählige Magen-Darm-Kinder, das Krankenhaus lief im buchstäblichen Sinne über – aber es war mir egal, ich hätte auch unter einer Autobahnbrücke genächtigt, mein Kind lebte, und alles andere war egal. Am nächsten Mittag, gestern, haben wir uns dann entlassen – wir schauen noch bei der Kinderärztin vorbei, um ein Notfallmedikament zu Hause zu haben, sollte uns das Ganze wieder passieren, was ich NIE, NIE, NIE hoffe. (bei den meisten Kindern bleibt es wohl bei einem einzigen Anfall) – und demnächst noch ein EEG, um alles andere auszuschließen. Mein Alltag ist mir gerade so kostbar geworden, meine Sorgen vor Montag so banal, und wir versuchen gerade, wieder “normal” zu werden. Die beiden großen Geschwister stehen noch etwas unter Schock, wie ich glaubten sie, ihre Schwester stirbt – Alpträume plagen den Großen, und die Mittlere sagte gestern zu mir: “Mein Bauch und meine Gedanken sind so glücklich, dass alles wieder so wird wie früher!” Manchmal vergisst man, wie schön das “Ordinary Life” ist. Ich denke, ich in nächster Zeit erst mal nicht …