Normal?

Ich kann derzeit gar nicht so recht bloggen, weil alle Dinge am Wichtigkeits-Zensor scheitern (wobei ich gern noch ein paar Takte über Krankenhäuser schreiben möchte irgendwann …) Ich krusche irgendwie normal vor mich hin, versuche meine freiberuflichen Aufträge zu Ende zu bringen, koche, backe, bastle, putze und wasche – und bin irgendwie doch noch etwas hinter meiner Zeit. So als liefe, nein eher ginge ich bewusst langsam hinter einem Zug her, der schon längst fährt, aber anders als sonst bemühe ich mich gerade gar nicht, aufzuspringen, sondern bummele und trödele und hänge meinen Gedanken nach. Ich hoffe, der Zug macht am nächsten oder übernächsten Bahnhof etwas länger Halt, damit ich den Anschluss bekomme, aber so lange gestehe ich mir und den Kindern zu, etwas aus der Zeit zu fallen. Der Große träumt, die Schwester ist tot, die Mittlere ruft manchmal unvermittelt am Tag aus: “Tildi atmet gar nicht mehr – ich sehe das gar nicht!”, obwohl die kleine Schwester fröhlich spielend neben ihr steht. Es war “nur” ein Fieberkrampf, nichts gegen lebensbedrohliche Krankheiten und Schicksalsschläge – und manchmal denke ich, was tun, wenn letzteres käme, wenn mich ersteres schon so aus dem Takt wirft? Leben. Annehmen. Leben. So schwer manchmal und doch das einzige, das über den Tag hilft.

5 Responses to “Normal?”

  1. PaulaQ says on :

    Ich freue mich ja so, wieder von Ihnen zu Lesen! Sie machen das schon alles gut so, auch wenn Sie “nur” von einem Fieberkrampf aus der Bahn geworfen wurden…ich fand das ganze schon bedrohlich genug, es kam so plötzlich, ich dachte auch, das Kind stirbt (irgendwie setzte bei mir der Verstand aus und ich hatte nur noch Panik, nackte Angst..). Und wir “Großen” müßen den Kleinen helfen, das Erlebte zu verarbeiten und gleichzeitig selbst verarbeiten, keine einfache Aufgabe, finde ich! Irgendwann steigen Sie wieder auf den Zug auf und fahren im Alltagswahnsinn wieder mit, bis zum nächsten Rauswurf aus dem Zug…(und bei drei Kindern wird dieser sicherlich kommen, erst heute erklärte mir jemand kluges, je mehr Kinder man hat, desto größer sei die Chance, die komischten Dinge zu erleben ….). Liebe Grüße!

  2. katobia says on :

    Gemeinsam mit den Kindern werden die Ängste geboren. Das sagte mir mal eine Mutter aus dem Kinderladen unserer Großen, als wir miteinander über das was wäre, wenn?! sprachen.
    Als wir um unseren Mittleren bangten, da war er gerade neun Monate alt und lag mit dem Kawasaki-Syndrom auf der ITS, und ich voller Angst war und mich fragte, was wäre, wenn?! Und mich dieser Gedanke fast umbrachte, da antwortete mir mein Mann mit dem Glaubensbekenntnis von Bonhoeffer. Und vor allem dieser eine Satz hat sich mir eingeprägt und arbeitet immer wieder in mir: “Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.” Mir hilft es (nicht immer), die Angst vor diesem was wäre, wenn?! nicht übermächtig werden zu lassen.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute, Zeit vor allem. Nehmen Sie einfach den nächsten oder übernächsten Zug, da werden noch viele kommen! ;-)

  3. Patricia says on :

    @PaulaQ: Ja, diese nackte Angst war es, die noch tagelang mitschwingt … und das mit den größer werdenden Sorgen und merkwürdigen Dingen, die mit der wachsenden Kinderzahl einhergehen, habe ich auch gemerkt … aber eines wäre definitiv zu langweilig ;-)

    @Katobia: Bonhoeffers Satz ist so treffend, dass ich ihn mir mit Tinte auf Papier schreibe. Danke! (weia, da haben Sie mit Ihrem Mittleren aber eine sehr angstvolle Zeit verlebt, für die ich Sie rückblickend noch mal trösten möchte … ) – ich wünsch Ihnen ganz viel unspektakulären Alltag!

  4. Peggy says on :

    (((Patricia)))

  5. geologenkinder says on :

    Ach Patrica, was wäre wenn…doofe Gedanken, sie begleiten mich auch. Mittlerweile bin ich aber soweit diese Angst nicht mehr anzunehmen (oder besser nicht mehr annehmen zu wollen). Jetzt und hier findet das Leben statt, ich mag mich nicht mehr von düsteren Gedanken einschränken lassen zu wollen denn “passieren kann immer etwas”. Ich nenn es Schicksal das was kommt und hoffe es kommen nur gute Tage und versuche jetzt und hier zu sein. Der Zug hält wieder an, ganz bestimmt, die Wertigkeiten wurden neu sortiert, ich glaube auch das braucht der Mensch an und ab, das Neusortieren.

    Ach und Krankenhäuser sind doch etwas tolles, gell ;-) ? (Auf den post bin ich ja gespannt :-) )

    Liebe Grüße Ines

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