Archive for Juni, 2010

Kettensägen-Massaker

Der Nachbar von gegenüber schneidet seit sechs Uhr heute Morgen die Hecke. Dschimm, dschimm, dschimm – fein, exakt, gerade und kurz. Das Töchterchen sitzt am Frühstückstisch, löffelt sein Müsli und lauscht dem Getöse. Plötzlich und unangekündigt völlige Stille. Das Kind hält inne, runzelt die Stirn und sagt: “Oh, offenbar hat er zum Schluss sich selbst durchgesägt!?”

Disclaimer: Das Kind ist nicht einmal fünf. Wir schauen nur Sandmännchen und ab und an Lauras Stern. In unserem Haushalt gibt es ausschließlich Bilderbücher mit friedlichem Inhalt. (Den Nachbarn sah ich glücklicherweise kurze Zeit später im Garten. Unversehrt.)

Posted on Juni 29th, 2010 by Ordinarylife  |  4 Comments »

Im Sommer

- schläft das jüngste Kind nicht vor 21 Uhr ein und erwacht dennoch zwischen 5 und 6 Uhr am Morgen.

- erklärt das mittlere Kind ständig, dass es schwitzt (O-Ton sssswitzt) und gern nackischt herumlaufen möchte. (im Garten ja, auf der Straße dann doch eher nicht)

- hält das große Kind alle 10 Minuten seinen Kopf unter die Gartendusche.

- Mag man mittags gar nichts Warmes mehr essen.

- Kocht man Limonaden aus Zitrusfrüchten, die in Sekundenschnelle inhaliert werden.

- Ist das Auto drinnen viel zu warm.

- Hört man häufig das Martinshorn.

- Wird man etwas matschig im Kopf, vergisst so einiges und hat Wortfindungsstörungen wie am Anfang der Stillzeit.

- Sitzt die Amsel bis 23 Uhr am geöffneten Dachfenster und singt so laut, dass das Babyphone ihr Zwitschern überträgt.

- Kann man sich nicht vorstellen, wie es sich anfühlt zu frieren.

- Macht man Fruchteis am Stiel und färbt damit weiße T-Shirts im Batik-Look.

- Feiern alle Schulen und Kindergärten Sommerfeste und bitten um Kuchenspenden. (die Wärmewirkung eines Backofens bei 33 Grad Außentemperatur ist nicht zu verachten …)

- Möchte man gern die Nacht mit Rotwein und Decke im Garten verbringen und die Sterne anschauen und tut es doch nicht, weil siehe oben.

- bekommt man Fernweh und wünscht sich ganz schnell ans Meer, an schottische Steilküsten, nach Irland im Sommerregen, in weißverputzte Hotels auf Malta, auf einen quirligen Marktplatz in Italien.

- sollten Menschen um die 50 mit Bauchansatz besser nicht mittags um 12 joggen (und alle anderen bitte auch nicht) – ich bestelle im Geiste immer schon den Krankenwagen, wenn ich an ihnen vorbeifahre.

- sollte man weniger im Internet surfen. (damals schob mein spanischer Kollege den Einbruch des Internet-Portalgeschäfts immer auf die heißen Sommer in seinem Land)

Posted on Juni 28th, 2010 by Ordinarylife  |  3 Comments »

Fleischliches

Eben, die Kartoffeln und Möhren für die Tortilla anbratend, ging mir durch den Sinn, dass es auf unserem Herd oft so ausschaut:

Kiloweise Gemüse, Kartoffeln, Nudeln, Reis, frisches Brot, am Wochenende manchmal ein wenig Kurzgebratenes, Hackbällchen oder auch mal ein Grillwürstchen – aber so gut wie nie Sauerbraten, Fleischrouladen, Kalbshaxe und die üblichen Verdächtigen der guten deutschen Küche. Das liegt zum einen daran, dass gutes Fleisch nicht ganz günstig ist und ich den übermäßigen Fleischkonsum aus Massentierhaltung für ökologischen Wahnsinn halte, zum anderen aber auch daran, dass in meiner Herkunftsfamilie eindeutig zu viel Fleisch gegessen wurde, ich nicht das glücklichste Kind war, es mir oft nicht geschmeckt hat und ich mit meinem Auszug nicht nur meiner Traurigkeit, sondern auch Blut- und Leberwurst, Schweinsbraten und Hoher Rippe Adieu gesagt habe. Und zu guter Letzt bin ich nicht so gut im Hantieren mit großen Fleischstücken – zu rot, roh und blutig … Die Kinder essen mein Essen gern (wenn die Gesundheit ordentlich und appetitlich verpackt ist ;-) … aber ich frage mich, ob sie diese Hausmannsküche vermissen und irgendwann, wenn sie groß sind, angewidert dem Gemüse abschwören und mit ihren Kindern in Sauerbraten-mit-Knödel-Orgien schwelgen. Vermutlich ist es wie mit so vielen Dingen: manche werden sie aus Protest ablegen, andere beibehalten, wieder andere dreimal überdenken und ihren eigenen Weg finden – manchmal würde ich gern durchs Schlüsselloch der Zukunft blicken, aber wenn ich es mir recht überlege, eigentlich doch lieber nicht …

Posted on Juni 28th, 2010 by Ordinarylife  |  2 Comments »

An mein Herz, Süße …!

Heute Mittag beim Anschnallen des großen Töchterchens stieß ich mir den Kopf am Türrahmen des Autos. “Aua, Mama, das tat weh, nicht wahr? Das lag bestimmt daran, dass du heute Nacht wieder ein Stück gewachsen bist!”, tönte es mir aus dem Auto entgegen. Man sagt ja immer, Kinder spiegeln – ich warte auf den Tag, an dem sie mir erzählen, dass ich sicher nur so schlecht gelaunt bin, weil ich schlecht geschlafen habe …

Posted on Juni 24th, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Späte Einsicht

Manchmal dauert es lange, 30 plus X Jahre, bis einem manche Dinge auffallen, Charaktereigenschaften, die das Leben nicht unbedingt einfacher machen. Heute – bei meinen einzigen 30 Minuten Freiheit pro Woche, die ich im Schwimmbad verbringe – ging mir auf, dass sehr viel der Unzufriedenheit, Zerrissenheit, des Verknotetseins, das mich manchmal überfällt, einer Kompromisslosigkeit entspringt, mit der ich mir selbst das Leben schwer mache. Also – ich kann hervorragend Kompromisse schließen: mit meinen Kindern, mit dem Mann, mit Freunden, allein mit mir selbst schaffe ich es nicht. Wenn ich eine Arbeit anfange, möchte ich sie 100% machen, seit ich Kinder habe, möchte ich (wie alle, die ihre Kinder lieben) ihnen eine Kindheit bieten, an die sie gern  zurückdenken, mich frustriert es, wenn Dinge, die ich anfange, nicht so werden, wie ich es mir vorgestellt habe – selbst wenn es Kleinigkeiten sind. Und so sitzen da viele kleine halsstarrige Subpersönlichkeiten in mir und beharren auf ihrem Recht, sind nicht bereit, ein Stück weit von ihren Ansprüchen abzurücken – und das große Ich drumrum bekommt Kopfweh ob dieser aussichtslosen Lage, möchte jedem Anspruch gerecht werden und kann doch nur scheitern. Drum ging es mir in den vergangenen zwei Jahren vergleichsweise gut – ich musste eigentlich kaum Kompromisse mit mir selbst machen. Ich schätze, ich sollte für meine weitere Zukunft mal ein Seminar besuchen – Thema “Innerpsychischen Pragmatismus lernen – jetzt und hier”.    (oder einfach mal öfter Eis essen gehen …)

Posted on Juni 23rd, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Nüchterne Feststellung

Gut, dass man mit meiner Fächerkombination eher selten Freibäder besuchen muss. Heute morgen 30 Vierzehnjährige im städtischen Freibad, ein sehr entspannter Lehrer und ein leicht verzweifelter Referendar. Dann lieber Museums- oder Theaterbesuche und Teens, die in Mauernischen einschlafen oder Bifi im Theater auspacken, aber nicht die Frage, wer wie im Badeanzug ausschaut, sich mal die Beine rasieren sollte, warum Jenny jetzt nicht mitschwimmt und ob Marvin wirklich “Tit.t.en” hat oder das nur so ausschaut, wenn er auf dem Sprungturm sitzt.

Posted on Juni 23rd, 2010 by Ordinarylife  |  No Comments »

Have Fun

Falls Ihnen mal langweilig sein sollte oder Sie schon länger nicht mehr herzhaft gelacht haben, sollten Sie sich mal einem amtsärztlichen Rundum-Check unterziehen. Einfach anrufen, Termin ausmachen und hingehen. Da werden neben Blutabnehmen und Herztönemessen ganz lustige Tests gemacht wie etwa der: Man stelle sich in die Ecke eines Raumes, die Ärztin oder der Arzt in die Ecke des anderen. Letzterer flüstert kryptische Zahlenkombinationen, die der Patient erraten muss. Parallel dazu hustet die Protokollführerin ununterbrochen. Noch lustiger: Sie ziehen sich aus bis auf die Unterwäsche, laufen mit nach oben gestreckten Armen fünf Minuten auf der Stelle oder tippen sich mit Augen zu und allen Fingern abwechselnd auf die Nase oder kreisen asymmetrisch die Arme. Auch schön: man klopft Ihnen mit Schmackes auf der Wirbelsäule herum und fragt, ob das denn weh tut. Wenn Sie verneinen, werden Sie gefragt, ob Sie überhaupt IRGEND etwas spüren. An irgend einem Punkt dieser Untersuchung wurde ich von dem nicht zu unterdrückenden Zwang überwältigt, auf der Stelle loszulachen – was für Befremden auf amtsärztlicher Seite sorgte. Vielleicht war das Ganze auch nur ein Test, um zu schauen, wo die Peinlichkeits- und Schmerzgrenze für LehrerInnen liegt – ich weiß es nicht. Ob sich meine Kinder bei den diversen Us ebenso verschaukelt fühlen?

Posted on Juni 19th, 2010 by Ordinarylife  |  2 Comments »

Zeit

Seit ich weiß, dass ich in sieben Wochen wieder arbeiten gehe, wird mir schmerzhaft bewusst, wie viel Zeit ich derzeit habe. Nicht unbedingt für mich, um die Füße hochzulegen und mich dem Müßiggang hinzugeben, sondern dafür, die vielen klitzekleinen Kleinigkeiten des Lebens mit den Kindern auszukosten. Zeit, morgens vor dem Kindergarten noch eine Geschichte zu lesen, auf dem Weg zum Kindergarten zu trödeln, Feuerkäfer anzuschauen, auf Bordsteinkanten zu balancieren, Abschiedsrituale zu genießen. Mit dem kleinen Kind zu spielen, gemeinsam lange, leckere Gerichte zu kochen, backen, basteln. Zeit, sich mit Freunden und Freunden der Kinder zu verabreden, zum Schwimmen und Turnen zu gehen, Zeit, Vögel zu beobachten, Blüten zu trocknen, Regenwurmhäuser zu bauen, Blumenketten zu flechten. Zeit für gemeinsame Mahlzeiten, Zeit zum Zuhören, zum Schweigen, zum Reden, zum Streiten, ohne dabei gereizt und ungerecht zu werden. Was für ein Geschenk. Und das zwei Jahre lang! Und die Zeit hat mich ein Stück weit näher zu mir selbst gebracht, und so war es auch meine Zeit.

Posted on Juni 19th, 2010 by Ordinarylife  |  8 Comments »

Das kann passieren …

… wenn man sich als einziges Haus in der ordentlichen Nachbarschaft weigert, das “Un”kraut zwischen den Pflastersteinen auf dem Hof wegzurupfen oder mit Giftspritze zu vergraulen:

blumen2

 

blumen1

Posted on Juni 14th, 2010 by Ordinarylife  |  5 Comments »

Alle Jahre wieder

Die großen Kinder mit dem Papa auf dem Erdbeerfeld, kurze Zeit später frische, sonnenwarme Erdbeeren im Mund – dieses unvergleichbare Aroma, das nur frisch gepflückte Erdbeeren haben. Das jüngste Kindelein kann seit einer halben Stunde nicht sprechen, weil es sich eine Erdbeere nach der anderen ins Mündchen schiebt. Und gleich der Geruch frischer Erdbeermarmelade …. mmmmh …. all die kleinen Dinge reihen sich wie Perlen in die Kette des Alltagsglücks!

Posted on Juni 12th, 2010 by Ordinarylife  |  3 Comments »