Späte Einsicht
Manchmal dauert es lange, 30 plus X Jahre, bis einem manche Dinge auffallen, Charaktereigenschaften, die das Leben nicht unbedingt einfacher machen. Heute – bei meinen einzigen 30 Minuten Freiheit pro Woche, die ich im Schwimmbad verbringe – ging mir auf, dass sehr viel der Unzufriedenheit, Zerrissenheit, des Verknotetseins, das mich manchmal überfällt, einer Kompromisslosigkeit entspringt, mit der ich mir selbst das Leben schwer mache. Also – ich kann hervorragend Kompromisse schließen: mit meinen Kindern, mit dem Mann, mit Freunden, allein mit mir selbst schaffe ich es nicht. Wenn ich eine Arbeit anfange, möchte ich sie 100% machen, seit ich Kinder habe, möchte ich (wie alle, die ihre Kinder lieben) ihnen eine Kindheit bieten, an die sie gern zurückdenken, mich frustriert es, wenn Dinge, die ich anfange, nicht so werden, wie ich es mir vorgestellt habe – selbst wenn es Kleinigkeiten sind. Und so sitzen da viele kleine halsstarrige Subpersönlichkeiten in mir und beharren auf ihrem Recht, sind nicht bereit, ein Stück weit von ihren Ansprüchen abzurücken – und das große Ich drumrum bekommt Kopfweh ob dieser aussichtslosen Lage, möchte jedem Anspruch gerecht werden und kann doch nur scheitern. Drum ging es mir in den vergangenen zwei Jahren vergleichsweise gut – ich musste eigentlich kaum Kompromisse mit mir selbst machen. Ich schätze, ich sollte für meine weitere Zukunft mal ein Seminar besuchen – Thema “Innerpsychischen Pragmatismus lernen – jetzt und hier”. (oder einfach mal öfter Eis essen gehen …)

Ah, ich komme mit, Seminar oder Eis essen, beides gut!
Und dieses Gefühl, alles 100prozentig machen zu wollen, kenne ich auch sehr gut. Es wird mir manchmal auch vorgeworfen….aber ich kann da auch nicht so richtig aus meiner Haut raus.
Also doch eher Seminar (wobei der andere Programmpunkt bestimmt lustiger wäre).