Archive for Juni, 2010

In den Tisch beiß ich gleich!

Heute kam Post von der Bezirk.sregierung. Mein Arbeitsvertrag. Fein so weit, aber: die wirklich relevante Information, nämlich die Vergütung, bereitet mir Kopfweh. Was im Vertrag steht, ist die Entgeltgruppe. Was fehlt, ist die Stufe. Davon gibt es nämlich vier, und zwischen der ersten und der letzten liegt eine Bruttodifferenz von sage und schreibe 1000 Euro. Mit der Bitte, diesen Vertrag asap zu unterschreiben, endet das Anschreiben. So, und nun gehts los. Telefonieren, Mails schreiben, Stirn runzeln. Und da auch noch Freitag ist, erreiche ich natürlich niemanden. Ich wusste doch, dass alles nicht einfach einfach sein kann. Und nun sage mir bitte keiner, ich solle doch froh sein, eine Arbeit zu haben – das bin ich auch. Aber ich muss Kindergarten, Mittagessen, Fahrtkosten und Co. auch finanzieren – und dazu brauche ich Planungssicherheit, sonst kann ich es gleich sein lassen … Ach … *tiefseufz*

Posted on Juni 11th, 2010 by Ordinarylife  |  4 Comments »

Gutes Bauchgefühl

Als ich klein war, gab es beim Eisdealer meines Vertrauens ein Zitroneneis, das ich heiß und innig liebte, und immer, wenn ich mit Eltern, Großeltern oder einem sonstigen Spendierhosenträger in der Eisdiele weilte, wollte ich dieses Zitroneneis essen. Es kam, wie es kommen musste – ich wurde groß, die Eisdiele (ein wunderbares Familienunternehmen von der Uroma bis zum Enkelkind) verschwand, ich zog weg – und fortan war ich auf der Suche nach diesem, genau diesem Zitroneneis. Immer schmeckte es mir nicht: zu süß, und vor allem immer zu sehr nach künstlichem Zitronenaroma statt nach Zitrone. (man kennt das ja, wenn man älter wird und plötzlich auf der Suche ist nach der blauen Blume ;-) )

Gestern, angesichts zweier dicker Bio-Zitronen, die mich aus dem Obstkorb satt und prall anlachten, kam mir der Gedanke, es einfach mal selbst zu versuchen, nachdem am Wochenende die selbstgemachte Limonade so ratzfatz ausgetrunken wurde. Ich habe 500ml Wasser und 260g Zucker aufgekocht, damit sich der Zucker löst. Währenddessen habe ich die Zitronen von ihrer Schale befreit, sprich die Schale von zwei Zitronen abgerieben (bei der Limonade war das sehr aromatisch, warum sollte es nicht auch beim Eis gehen?). Diese habe ich zum Zuckersirup gegeben und selbigen abkühlen lassen. In diesem Stadium schmeckt die Flüssigkeit übrigens wie Zitronenbonbon pur … Als die Zitronenschale-Zucker-Masse kalt war, habe ich den Saft der beiden Zitronen zugefügt und, da noch im Kühlschrank vorhanden, ca. 150g Mascarpone. Geht sicher aber auch mit Frischkäse o.ä. Das Ganze kam dann in die Eismaschine und sah 30 Minuten später so aus.

zitroneneis

Und jaaaa, da war er, der Geschmack meiner Kindheit – und ich sehr, sehr glücklich, die Zutaten dazu gefunden zu haben. (ich weiß nicht, ob sich kulinarisch sehr anspruchsvolle Kinder durch die mikroskopischen Stücke Zitronenschale gestört fühlen – hier war es nicht der Fall, gestern war aber auch so ein Wetter, bei dem Eis fast als Grundnahrungsmittel durchgehen konnte, und bei den Mengen an Vitamin C sowieso ;-)  …)

Posted on Juni 10th, 2010 by Ordinarylife  |  6 Comments »

Missverständliches

Wir stehen vor dem Bahnübergang. Der Zug fährt vorüber. Der Sohn liest vor: “Erste Klaaasse”, “Zweite Klaaaasse”. Das Tochterkind hat ein Fragezeichen im Gesicht. Nach mehreren Minuten fragt sie verwirrt: “Warum saßen da so viele alte Leute drin?” Fragezeichen im Gesicht nun meinerseits. Ungeduldig setzte sie nach: “Na, wenn das ein Zug nur für die erste und zweite Klasse ist, müssten da doch Kinder mit ihrer Lehrerin drin sitzen!”

Posted on Juni 10th, 2010 by Ordinarylife  |  2 Comments »

Politikverdrossen

Bin ich mehr und mehr. Ich gehe zwar wählen, möchte aber am liebsten keine Nachrichten mehr hören. Die allerneuesten Sparpläne der Regierung widern mich an. Nicht weil ich denke, dass die Zeit für Steuererleichterungen wäre, nein, aber warum muss wieder einmal bei den Eltern gespart werden? Egal ob bei der Kürzung des Elterngeldes oder angedachten Mehrwertsteuererhöhungen – man wird den Eindruck nicht los, es werden immer dieselben zur Kasse gebeten, die sich dem Kreislauf aus Arbeiten, Steuerzahlungen und Konsumieren nicht entziehen können. (und mit Kindern muss man konsumieren, da passen die Schuhe vom letzten Jahr nicht mehr und der Weizen fürs Brot und die Äpfel für die Schule wachsen leider auch nicht in hinreichendem Maß in unserem Garten) Stattdessen nicht angetastet werden die Renten. Es gibt ja auch Länder, da kürzt man den Ministern ihre Gehälter oder streicht ihre Dienstwagen. Hier stellen sich die politisch Verantwortlichen vors Volk und erklären, dass selbiges über seine Verhältnisse gelebt habe. Ha! Wer hat hier über seine Verhältnisse gelebt? Vielleicht die Banker, vielleicht auch die Politiker mit ihren Dritt- und Viertjobs in Aufsichtsräten – aber doch nicht der gemeine Steuerzahler! Wenn man wenigstens so ehrlich wäre zu sagen: “Hey Leute, okay, wir befinden uns in einer tiefen Krise, aber wir kommen da auch GEMEINSAM wieder raus, indem wir ALLE sparen und unseren Beitrag leisten. Wir sagen heute auch mal Danke für eure Steuergelder, mit denen wir die Banken sanieren und andere EU-Länder vor dem Bankrott bewahren können!” Nö, nichts – stattdessen übertreffen sich die Damen und Herren mit verrückten Sparvorschlägen, mit denen man die Binnennachfrage weiter senkt und die Wirtschaft ins Strudeln gerät … Ja, ich weiß, es ist ein Luxus, wählen zu dürfen, viele Generationen vor uns durften es nicht. Aber es ist beileibe kein Luxus, als Bürger die Folgen mancher politischer Entscheidungen auslöffeln zu müssen.

Edit: Ich bin kein notorischer Nörgler, nein!

Posted on Juni 7th, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Liebgewonnene Rituale

Eben, als ich neben unserem kleinsten Mädchen saß und zum Schlafengehen “Der Mond ist aufgegangen” sang (wir sind so komische Eltern, die so olle Lieder mögen – auch wenn der Kindergarten am liebsten zum Martinstag nur “Milli und Molli” singt ;-) ), ging mir durch den Kopf, dass unser Familienleben von ganz vielen Ritualen geprägt ist, die wir teilweise übernommen, teilweise aber völlig neu geschaffen haben.

- Die frischen Brötchen vom Bäcker am Samstag und Sonntag

- Das selbstgebackene Brot wochentags, das abends durchs Haus duftet

- Der Markt- oder Stadtbesuch am Samstagmorgen (bald wieder mit meinem Lieblings-1000-Tomatensorten-Stand)

- Der Spaziergang am Sonntag mit Tonnen an gesammelten Blättern, Steinen und Tannenzapfen

- Gutenacht-Geschichte und Gutenacht-Lied(er) und “Wie war der Tag?” (wahlweise mit einer 20minütigen Rede oder einem müden “guhut” beantwortbar ;-) )

- ein Kreuzchen mit dem Daumen den Kindern auf die Stirn gemalt vor dem Einschlafen (übernommen von meinen Eltern als Zeichen dafür, dass Gott das Kind behütet Tag und Nacht)

- Das Winken des mittleren Tochterkindes am Kindergartenfenster, wenn ich sie morgens weggebracht habe

- gemeinsam begonnene und beendete Mahlzeiten mit Tischspruch

- Das “Sandmännchen” am Abend und “Löwenzahn” am Sonntag

- Apfelschnitze als Wegzehrung für wilde Piratinnen und Piraten im eigenen Garten

- das demonstrative Erklären der Mittleren, dass man dieses Essen aber nun wirklich nicht möge, um anschließend doch den Teller zu leeren

- Der Anruf vom Opa jeden Sonntag um 10 und die Tüte mit Schokobonbons, die er bei jedem Besuch mitbringt

- Der Schlüsselkontrollgang des Liebsten jeden Abend (ist auch alles abgeschlossen und abgeschaltet? Da ich meine Kontaktlinsen dann bereits abgelegt habe und so gut wie nichts mehr sehe, bin ich dafür sehr dankbar)

- dieselben Sorten Weihnachtsplätzchen und der Stollen jedes Jahr Anfang Dezember

- Kastanientiere, Kartoffelstempel, Barbarazweige, Adventskranz und Tannenbaum

- Osterlämmer, Osterfeuer, bunte Eier, Erdbeerkuchen im Juni, Gurkensuppe und Stockbrot im August, Kürbisse im Herbst, warmer Eintopf im Winter

- das kleinste Kind, das sich jeden Mittag beim Abholen der Mittleren hinterm Busch im Kindergarten versteckt

- das größte Kind, das jeden Abend ca. 3x das Bett verlässt, um Wasser zu trinken, die Toilette zu besuchen und eine gewichtige Frage zu stellen

- der Nachbar, der die Mülltonne für den Montagmorgen immer schon am Sonntagmittag herausstellt

- dieselben CDs, wenn wir längere Autofahrten machen, so dass mir manchmal schon gar nicht mehr auffällt, wenn ich allein im Auto sitze und Kindermusik höre.

- Die Brotdosen und Wasserflaschen, die ich allwöchentlich in Rucksäcke packe, auch wenn wir nur ca. eine Stunde unterwegs sind  (man kann ja nie wissen – vielleicht schneien wir ja ein und würden sonst verhungern)

- Das Bettzeug auf dem Sofa und eine Kinder-DVD, die gemeinsam aneinander gekuschelt geschaut wird, wenn ein Kind krank ist (pädagogisch sicherlich nicht wertvoll, aber unglaublich erholsam)

- Merkwürdige Sinnsprüche meiner Vorfahren, die mir ab und an in den Sinn kommen so wie “Kommen wir über den Hund, kommen wir über den Schwanz” oder “Wenn die Maus satt ist, schmeckt das Mehl bitter” (meist denke ich diese Sprüche nur – ich weiß auch nicht warum, vermutlich frühkindliche Prägung – ich hoffe nicht, dass ich, wenn ich älter werde, in jeder Lebenslage einen Spruch parat habe …)

und, und, und … – so viele Dinge, die uns in Fleisch und Blut übergegangen sind. Viele davon tun wir mit vielen tausend Menschen gemeinsam, manche tun nur wir so, wie wir sie tun – ein Stück Familiensprache, Verbundenheit, liebenswerter Alltag. Rituale beruhigen mich, wenn ich selbst innerlich verknotet bin, ungemein und bringen so viel Rhythmus und Verlässlichkeit in den Tag, dass ich sie als nette, stille Weggefährten schätze.

Posted on Juni 6th, 2010 by Ordinarylife  |  3 Comments »

Furios

Fühle ich mich heute, also wie eine Furie. Kann das jüngste Kind sich nicht endlich mal humane Schlafenszeiten zulegen, statt morgens um viertel nach fünf die komplette Familie zu wecken? Das frühe Aufstehen zieht immer so einen Rattenschwanz aus schlechter Laune, Gereiztheit und Kompromisslosigkeit aller Kinder nach sich – und zur Steigerung meines Wohlbefindens trägt es auch nicht gerade bei. Ja, ja, ich weiß, das sind alles Peanuts, nichts Ernstes und Weltbewegendes, Luxusprobleme sozusagen, aber wenn man seit 21 Monaten keine Nacht durchschläft, wird man irgendwann so arrrr grrrr furios halt …

Posted on Juni 2nd, 2010 by Ordinarylife  |  6 Comments »