Kleine Sadisten – mitten unter uns?

Wie kommt es eigentlich, dass die Mitwelt mit eigentlich guten Nachrichten oftmals nur schlecht umgehen kann? Was mich manchmal stutzig macht ist Folgendes: wenn es einem schlecht geht, wenn der Job auf der Kippe steht, das Leben unrund läuft – dann sind da viele Menschen, die sagen, das sei ja nun schade, und “Ach Ihr Armen!” und und und … Komischerweise aber – bei guten Nachrichten – da schweigen diese Menschen oft stumm, oder sie finden Dinge, die an den guten Nachrichten nun aber gar nicht so gut sind. Versteht mich einer? Ich kam über diesen Blogeintrag von Mairlynd darauf: Was zur Hölle ist so schlimm daran, ein zweites Kind dicht nach dem ersten zu bekommen, dass man statt Vor – und Mitfreude nur die Probleme kommunizieren kann, die das aufwirft?  Gleiches gilt derzeit für mich: wenn ich erzähle, dass ich ab August in den Schuldienst gehe und berufsbegleitend meinen letzten Abschluss anstrebe, werden aufgeregt die Augenbrauen hochgezogen. Niemand sagt “Hey, toll, finde ich gut!”, die Mehrheit aber “Waaaaas? Wie willst du das denn machen mit den drei Kindern? Weißt du nicht, dass das sausausau-anstrengend wird? Das schafft man gar nicht. Warum tust du das?” Einige von diesen entsetzten Aufschreien, verbunden mit Horrorschilderungen aus ihrer eigenen Ausbildungszeit oder von Menschen, die man kennt, stammen von Lehrern. Andere von Müttern – Nur-Müttern, 8-Stunden-Teilzeit-Müttern. Fast nur von Müttern eigentlich, wenn ich es recht überlege. Ich bin in den letzten Wochen mehr als einmal verwirrt aus solchen Gesprächen gegangen. Ja, ich weiß, es wird ein riesiger Batzen Arbeit. Nicht lustig, sicherlich nicht. Und ich behalte mir auch vor, alles hinzuwerfen und freiberuflich weiterzuarbeiten, bevor die Familie mit mir am Steuer vor die Wand fährt. Aber wäre in solch einer Situation nicht etwas anderes angebracht als alles kaputt zu reden? Am Wochenende dann erreichte mich die Mail einer alten Freundin, selbst Lehrerin. Sie schrieb sinngemäß: “Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Das ist ein stressiger, aber schöner Beruf. Ich möchte keinen anderen. Und auch an der Schule kochen alle nur mit Wasser, das kriegst du hin!” Ich habe ein Tränchen verdrückt, als ich das las, weil ich dachte ja, das ist es – die erste normale Reaktion auf eine normale Nachricht!

Aber was ist das andere? Das Problematisieren, Kaputtreden, Schlechtmachen? Was steckt da in unserem Gegenüber? Und die bange Frage: Mache ich das am Ende auch bei anderen?

7 Responses to “Kleine Sadisten – mitten unter uns?”

  1. katobia says on :

    Ich glaube, dieses Schlechtmachen ist oft eine Form, Neid zu kompensieren. Denn was hinter diesem “Das wird Dir doch bestimmt alles zu viel” steckt, ist häufig die Erkenntnis “Das würde ICH mir nicht zutrauen. Dem wäre ICH nicht gewachsen”. In einem Buch über Neid fand ich folgenden Witz, der es in übertragenem Sinne doch recht gut trifft: Geht ein US-Amerikaner mit seinem Freund spazieren. Kommt ein großer Cadillac vorbei. Sagt der Amerikaner zu seinem Freund: “So einen Wagen fahre ich auch noch mal!” – Geht ein Deutscher mit seinem Freund die Straße entlang, fährt ein BMW vorbei. Sagt der Deutsche zu seinem Freund: “Der Typ geht auch noch mal zu Fuß.”
    Ich gestehe, dass gelegentlich ähnlich rede*schäm*
    Lassen Sie sich nicht verrückt machen!

  2. Peggy says on :

    Ich glaube, man geht immer von sich selbst aus! Ich für mich könnte mir niemals vorstellen, einen Kinderabstand unter zwei Jahren zu haben! Daher reagiere ich auch mit großen Augen und Verwunderung , wie sich das jemand freiwillig antun kann. Neid sehe ich darin überhaupt nicht – eher Mitleid!
    Voll zu arbeiten fänd ich toll, kriege das zeitlich aber überhaupt nicht hin, da ich komplett allein für die Kinderabholung bzw. -betreuung zuständig bin. Ich ziehe den Hut vor Dir, dass Du das machen willst, vor allem mit 3 Kindern… Ich könnte es nicht und daher reagiert man mit Erstaunen, aber nicht negativ, sondern eher unwissend, wie Du das hinkriegen willst… Ich kenne den Stress selbst mit der Abholerei, dem Nachmittasgprogramm der Kinder und dann noch einkaufen und putzen unter einen Hut zu kriegen. Ich würde das zeitlich einfach nciht auf die Reieh kriegen, aber vielleicht bist Du besser organisiert oder hast nicht so weite Wege wie ich… (von zu Hause über Kitas auf Arbeit brauche ich 1,5 h!). Aber das muss jeder für sich entscheiden. Von daher drück dich Dir immernoch die Daumen, dass Dein Traum in Erfüllung geht und glaube da ganz positiv an Dich!!!

    Peggy

  3. Sylvia says on :

    Ich denke auch, dass da eine gehörige Portion Neid mitschwingt. Aber das alleine ist es sicher nicht immer.

    Mit älteren Kindern ändert sich ein bißchen der Blickwinkel. So blöd es klingt – man weiß, was noch alles so kommen kann, und wie viel Kraft es kosten kann.

    Vollzeit mit drei so kleinen Kindern finde ich sehr mutig, aber ich vermute, es wird sich bei euch selbst regeln. Entweder klappt es hervorragend, weil die Rädchen optimal ineinander greifen, oder es wird doch zu viel – na und, du wirst dann schon richtig reagieren.

    Und möglicherweise wirst du selbst auch in zehn Jahren der einen oder anderen jungen Mutter einen Rat geben – der sicher einfach nur gut gemeint ist.

  4. PaulaQ says on :

    Oh, ich bin auch einfach gespannt, wie Sie das ab nach den Sommerferien so alles managen werden! Neidisch bin ich da überhaupt nicht, da ich selbst (und der Mensch geht ja nun mal meist von sich selbst aus…) komplett überfordert wär! Aber es soll ja tatsächlich Menschen geben, die weniger verträumt und besser organisiert im Alltag sind, als meinereins! Und ich bin warte schon auf Berichte von Ihnen, die vielleicht auch Mut machen! Mich erschreckt die Vorstellung einfach, mit drei Kindern noch einen Job und den Haushalt zu schmeißen. Aber dafür werden Sie dann mit einem tollen Job (ich finde, Lehrersein und Kinderhaben paßt ganz gut zusammen!) haben, während ich dann in zwanzig Jahren beim Discounter an der Kasse sitzen werde (was mir übrigens die junge, dynamische, kinderlose Dame von der HWK bei einem Beratungsgespräch nahegelegt hat…. :( )!!! Viele Grüße, und nur Mut!

  5. Patricia says on :

    @PaulaQ: Was war denn das für eine Schnepfe? Und warum, wenn Sie sich bei der HWK beraten ließen, kommt sie auf die Supermarktkasse statt Ihnen vernünftige Wege in die Selbstständigkeit zu weisen? Oh, so etwas liebe ich ja … (und na ja, das mit dem Organisiertsein – das ist mir auch nicht in die Wiege gelegt, sondern im Alltag mit Arbeiten und zwei Kindern vor dem dritten Kindelein irgendwie fast widerwillig antrainiert …)

    @Sylvia: Guten Rat nehme ich immer gern an, gerade von Menschen, die in meiner Situation waren. Ich wehre mich nur gegen das Schwarzmalen und Schon-Im-Voraus-Zum-Scheitern-Verurteilen. Wenn mir meine Umwelt ständig nur spiegelt, dass das alles ja sicher nicht geht, glaube ich am Ende selbst dran … und das wolte ich eigentlich nicht. Noch nicht …

    @Peggy: Staunen und Schlechtreden sind ja auch zwei verschiedene Dinge. Staunen tu ich auch über manche Menschen, die sechs Kinder in sieben Jahren gewuppt bekommen und strahlend schön und fröhlich dabei ausschauen. ;-)

    @Katobia: Ja, der Witz trifft es ziemlich gut. Meine Mutter (geschieden) sagte mir zur Hochzeit: “Eines Tages hast du sicher auch mehr Zeit, mit mir zu telefonieren, wenn dich dein Mann verlassen hat!” hmja …

  6. Mairlynd says on :

    Danke für den Post, Patricia! Ist manchmal wirklich aussagekräftiger als ein Kommentar, und obwohl es natürlich nicht fein ist, was Du Dir da ständig anhören musst, tut es irgendwie gut, zu wissen, dass es anderen ähnlich geht, dass sie Ahnliches erleben.

    Ich weiss nicht, was die Leute zu all den negativen Äußerungen bewegt, aber meist denke ich mir, dass sie vermutlich einfach nicht glücklich sind. Man neigt doch dazu, alles irgendwie auf sich selbst zu projizieren und außer dem eigenen Blickwinkel keinen anderen mehr in Betracht zu ziehen. Und so sehen Menschen, die Negatives erleben, vermutlich als erstes eben auch immer das Negative im Leben der anderen. Das Verständnis dafür habe ich – trotzdem betrübt es manchmal einfach.

    Was Deine beruflichen Pläne angeht, hast Du Dir sicher gut überlegt, was auf Dich zukommt. Und wenn Dein Gefühl Dir sagt, dass Du das willst und dass Du die Kraft dafür hast – ja wieso denn nicht? Das ist doch toll, dass soviel Energie in Dir steckt, dass Du neben drei Kindern und dem Haushalt auch noch etwas für Deine eigene berufliche Perspektive machen willst!

    Lass es Dir nicht schlecht reden (aber das machst Du ja eh nicht, oder?). Du packst das und wirst sicher ein gutes Gleichgewicht zwischen Mutter-Sein und Berufswelt finden!

    (Die Mail von Deiner Freundin war ja wirklich sehr lieb. Sowas baut unheimlich auf, oder?)

  7. Ines says on :

    Du weißt ich bin “berufstätig” und Mama und ich bin ganz oft überfordert. Ich möchte aber nicht tauschen.
    Doof das deine Umgebung nur das Negative sieht und dir nicht Mut zuspricht.
    Als ich mit Zwerg 2 schwanger war, fanden alle nur das Negative daran und bei Zwerg 3 war alles noch viel schlimmer.
    Ich drück euch die Daumen und wünsch dir starke Nerven (gerade an den Samstagen, aber kannst du das nicht umbiegen wo du doch schon einen Job hast??).

    Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

    Liebe GRüße Ines

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