Seit Montag besuche ich diverse Veranstaltungen im Rahmen meines neuen Hauptseminars und ich stelle fest, mir gefällt es. Vor allem die Zusammensetzung der Gruppe: Lauter Menschen wie du und ich, nicht mehr so jung wie die meisten Referendare, mit einer ordentlichen Portion Pragmatismus und Berufserfahrung ausgestattet. Viele von ihnen haben auch (kleine) Kinder, manche sogar noch mehr als ich, so dass ich mit meinen Sorgen und Zweifeln plötzlich nicht mehr allein auf der Welt bin. Meine neue Selbsthilfegruppe also – vor allem, wenn es nächste Woche ernst wird
Posted on August 25th, 2010 by Ordinarylife | 4 Comments »
Seit zwei Jahren nicht mehr als fünf Stunden Schlaf am Stück.
Seit sieben Jahren vielleicht zweimal im Kino und ebenso häufig in der Kneipe.
Freizeit ist die Zeit zwischen 21 Uhr (Schlafenszeit der Großen) und 23 Uhr (ich gehe zu Bett). Wenn da nicht Überweisungen, Formulare, Briefwechsel, Finanzamt, Jugendamt u.ä. sind.
Eingewöhnung der Kleinsten und Mittleren im neuen Kindergarten, der wundervoll ist. Für die Kinder. Und die Eltern.
In der einstündigen Mittagspause derzeit Unterrichtsvorbereitungen.
In guten Phasen freue ich mich auf das, was kommt. In schlechten Phasen habe ich Angst zu versagen. An allen Fronten. Als Mutter. Im Beruf. Bin dünnhäutig, leicht reizbar und weine beim geringsten Anlass. In den letzten Tagen haben die schlechten Phasen überhand genommen. Wohl auch, weil die Jüngste wieder krank war. Weil es kaum eine Woche gibt, die vollständig gesund ist. Weil ich nicht weiß, wie das werden soll nächste Woche.
Fernweh. Großes Fernweh. Einfach die Türen schließen und weggehen. Ans Meer. Auf einen Felsen mit viel Gegenwind. Nie bin ich allein.
Ich schlafe schlecht und bin mir selbst kein guter Freund in diesen Tagen.
Posted on August 19th, 2010 by Ordinarylife | 4 Comments »
Vor zehn Jahren habe ich die Großstadt verlassen und bin aufs Land gezogen. Erst in die Kleinstadt, vor sechs Jahren dann, mit dem Erwerb des Häuschens, in ein richtiges Dorf. Ich mag dieses Dorf, es gibt viele Kinder, niemand motzt, wenn es beim Spielen mal etwas lauter wird, in den Läden gibt es meist ein nettes Wort und ein kleines Geschenk. So weit. Trotzdem bin ich eher Randbeobachter und nicht mittendrin. Als wir hierher zogen, hatten wir zwei kleine Kinder und haben Vollzeit gearbeitet. Schon das hat uns zu Exoten gemacht. Kinder hatte man zum Mittagessen abzuholen, ansonsten waren sie und wir zu bedauern. Eine Kinderbetreuung über die Mittagszeit hinaus, das war nur für schwierige soziale Fälle vorgesehen. Mit der Jüngsten dann war ich zwei Jahre zu Hause. Es war eine schöne, ruhige Zeit mit viel Rhythmus und Struktur und genügend Raum für all die Langsamkeit, die Kinder so brauchen. Ich wurde ab und an eingeladen von den Frauen im Dorf. In unglaublich saubere und aufgeräumte Wohnungen mit exakt durchgeplanten Gärten. Gesprächsthemen waren meist die Nachbarn, die Grundschullehrerin, die Kinder. Ich saß und hörte viel zu, lernte einiges, lud auch mal zu mir nach Hause ein, auch wenn meine Fenster nicht so strahlten und sicherlich irgendwo ein Häufchen Spielzeug im Wohnzimmer in der Ecke lag oder kleine Sandwege an der Tür, von den barfuß laufenden Kindern hineingetragen. Nicht dass man mich jetzt falsch versteht: ich bin kein Schwein und kein Messie, ich mag aufgeräumte Wohnungen sehr gern, aber das Ganze ist nicht mein Lebensmittelpunkt, sondern notwendige Begleiterscheinung eines zivilisierten Lebens. Ja, und so kam es, dass die Damen der Nachbarschaft bei mir saßen und sagten “Gemütlich, man SIEHT, dass hier KINDER wohnen!” Ja, und das finde ich auch gut so – wenn es nicht so als leise Kritik formuliert worden wäre … Und irgendwie ist das Ganze dann nach und nach wieder eingeschlafen. Ich bin nicht wie sie, sie sind nicht wie ich – ich könnte es niemals formulieren. Eine wirklich gute Freundin habe ich unter den “Zugezogenen” gefunden, sie hat drei Kinder und arbeitet und in ihrer Wohnung sieht es aus wie in unserer. Und doch betrübt es mich manchmal, nicht mittendrin zu sein im Dorf – auch wenn ich weiß, dass ich mich fürchterlich verbiegen müsste, um einem Bild zu entsprechen, das ich mit mir selbst nicht vereinbaren kann. Verwörrte Seelenzustände, die meinen
…
Posted on August 6th, 2010 by Ordinarylife | 8 Comments »
Daher auch nur Stichpunkte:
- Eine Woche Urlaub an der Ostsee ist schön, aber viel zu wenig, um richtig in Ferienstimmung zu kommen.
- Eine dicke Erkältung mitten im Urlaub ist hundsgemein, kommt aber häufig, wenn ich anfange, mich zu entspannen. Ich nenne das mittlerweile schon “Entspannungsschnupfen”.
- Wenn man plötzlich Zeit hat, richtig viel nachzudenken, weil die Kinder mit dem Papa unterwegs sind, so kann das ganz schön anstrengend bis schmerzhaft sein.
- Wenn man am 18. den Arbeitsvertrag unterschreibt (dessen Konditionen man bis heute nicht kennt) und am 23. mit der Arbeit beginnt, so ist das ganz schön knapp.
- Wenn Lehrer in die Ferien abgetaucht sind (die ich ihnen gönne) und man für eine Klasse noch so gar keine Ahnung hat, was man mit ihr tun könnte, so verursacht das bei gern im Voraus planenden Menschen wie mir langfristig Bauchweh. Alternativ bereite ich einfach vor, was ich gern mache, hah …
- Die Kinder wünschen sich Kaninchen und wir sind auf der Suche nach einer ästhetisch ansprechenden, artgerechten Unterkunft für den Garten (bloß kein Verschlag …)
- Wir haben eine Fallback-Liste und Ausstiegs-Szenarien erarbeitet, für alle Fälle …
- Der Lavendel blüht und erinnert mich daran, dass ich doch eigentlich gern auf einem Resthof in der Toskana leben möchte – mit einem Haufen Kinder, einer großen Küche, viel Zeit, fernab vom deutschen Steuerrecht, exakt geschnittenen Rasenfeldern und der Tagesschau um 20 Uhr.
Posted on August 5th, 2010 by Ordinarylife | 5 Comments »