Archive for September, 2010

Merkwürdig das

Im Dorf gibt es einen Supermarkt. Über diesem Supermarkt befindet sich ein Fitness-Studio, in dem die weiblichen Eingeborenen Frauen des Ortes morgens, wenn die Kindelein in der Schule weilen, BBP, Spinning, Walking, Thai Boxen und anderen akrobatischen Verrenkungen nachgehen. Regelmäßig, wenn ich den Supermarkt aufsuche, fällt mir auf, dass ein förchterliches Gedrängel um diejenigen Parkplätze existiert, die direkt neben der Eingangstür des Fitness-Studios liegen. Also, macht man dort nun Fitness, oder nicht? Und wenn ja, warum kann man dann nicht die siebzehneinhalb Schritte zum Studio LAUFEN, statt sich gegenseitig die Stoßstangen anzuschrammen? Ich versteh das nicht, da ich selbst gern außerhalb des Gewusels parke und die dadurch gewonnene Zeit dafür nutze, zum Zielort zu laufen. Meine Form von Sport halt ;-) … Vielleicht ist das Fitness-Training in diesem Studio ja dermaßen schlauchend, dass man nur noch auf allen Vieren zum Auto kraucheln kann …

Posted on September 29th, 2010 by Ordinarylife  |  2 Comments »

Samstagmorgenwahnsinn

Im Schreibwaren-Einzelhandel. Drangvolle Enge und eine lange Schlange an der Kasse. Es ist 11 Uhr am Morgen. Die Verkäuferin bedient routiniert und zügig, hat aber bereits ein nervöses Zucken im Mundwinkel. Nach einer Viertelstunde bin ich der Kasse nahe. Die Kundin vor mir hat 20 Schnellhefter vorbestellt – in 10 verschiedenen Farben. Sie zählt durch und kommt zu dem Schluss, dass das nicht die Farben sind, die sie bestellt hatte. Die Verkäuferin kontrolliert und widerspricht, das seien aber genau die Farben der Bestell-Liste. Die Kundin sagt “Nein” und zählt erneut die Schnellhefter. Die Verkäuferin auch. Die Szene wiederholt sich ca. fünf Mal. Und da passierte es: “Sie machen mich WAHNSINNIG mit Ihren Schnellheftern, WAHNSINNIG, WAHNSINNIG, WAHNSINNIG!”, brüllte die Verkäuferin die Kundin lautstark an. Im Laden Totenstille. Die Kundin daraufhin äußerst indigniert: “Wie bitte, ICH?”

Es folgte eine kurze Pause, in der sich wohl jeder fragte, ob gleich Briefmesser gezückt oder mit Registraturlochern geworfen würde. Der Verkäuferin wurde offenbar bewusst, was sie gerade gesagt hatte - sie lenkte ein und sagte “Nein, nein, ich meine nicht SIE! Es ist nur – dieser Morgen, diese Leute, ich habe noch nicht gefrühstückt …” Wenige Sekunden später eilte die Ladenbesitzerin mit einer Tasse Tee und ein paar Keksen zur Verkäuferin und sagte: “Essen und trinken Sie erst einmal etwas!” Und die Kundin murmelte entschuldigend: “Alles ist gut. Es sind ja nur Schnellhefter, nicht wahr? Eigentlich ist die Farbe ja auch egal. Alles ist gut!!” Und das Leben ging weiter.

Mein neues Mantra, wenn ich wieder mal dem Wahnsinn nahe bin: “Alles ist gut, es sind ja nur Schnellhefter! Essen Sie erst mal was!”

Posted on September 27th, 2010 by Ordinarylife  |  5 Comments »

Low Budget Crafting

“Jeder Haushalt liefert 20 selbst gebastelte Gegenstände für den Adventsbasar. Der Stückpreis jedes Gegenstandes sollte 20 Cent nicht überschreiten!” So stand es im Wochenbrief der Schule und ich rätselte, was unser Haushalt wohl beisteuern könne. Vielleicht Kleiderbügel aus Ästen? Davon sammeln die Kinder eigentlich immer genug. Oder Kastanien-Männchen? Lavendel-Herzchen? (Gartenproduktion reicht nicht für Großabsatz) …

Nach zwei Stunden Herumgefrickel sind bis jetzt 13 Lesezeichen und 7 Geschenkanhänger entstanden – Stückpreis garantiert nicht über 20 Cent, Arbeitsleistung mal ausgeklammert ;-) … aber ob die jemand kaufen mag?

basar

Posted on September 27th, 2010 by Ordinarylife  |  2 Comments »

Ernte einfahren

Jäger und Sammler haben ihre Freude im Herbst – wir gehören eher zu den letzteren ;-) – dieses Jahr üben wir uns darin, Hagebutten, Weißdornbeeren, Holunder, Vogelbeeren, Schlehen und Co. einzusammeln, um das selbstgemachte Vogelfutter für den Winter etwas aufzuhübschen. Bin mir nur noch unschlüssig, ob ich lieber trocknen oder einfrieren sollte …

herbst

Posted on September 26th, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Fast schon Routine

Wenn der Kindergarten eine halbe Stunde, nachdem man die Kindelein abgegeben hat, anruft, man im Hintergrund das große Mädchen schreien hört, als habe es den Leibhaftigen persönlich gesehen, weiß man, dass der Tag außergewöhnlich wird. Kollision mit einer Sprossenwand beim Turnen, verbunden mit wackeligem Zahn und auseinanderklaffender Lippe. Mit mehreren Kindern hat man manchmal so etwas wie ein Déjà-vu, das in solchen Situationen sehr hilfreich ist. Man weiß, in welches Krankenhaus man für ambulante OPs am besten fahren sollte, um ohne schlimmere ästhetische Verunstaltungen davonzukommen, dass das Navi den Kreisverkehr in der Nähe nicht kennt, das Parkhaus überfüllt ist und man besser auf dem Besucherparkplatz parken sollte, die Betäubungsspritzen in offene Lippen erbärmliche Schmerzen bereiten und man dem Kind eigentlich vorher Rotwein einflößen übermenschliche Geduld entgegenbringen sollte. Vor etwas mehr als einem halben Jahr war ich mit dem kleinsten Kind und derselben Verletzung im selben Krankenhaus – und ich würde jederzeit wieder dorthin fahren. Junge, freundliche Ärztinnen und Ärzte, die trotz extremer Zeitnot gründlich arbeiten und nicht vergessen, dass sie es mit Kindern und nicht mit Erwachsenen zu tun haben.

Zu Hause eine Riesenpfütze in meinem Bett, weil ich im Eifer des Gefechts vergessen habe, die Dachfenster zu schließen und Herr Murphy in Verkettung von Pleiten, Pech und Pannen das ultimative Regenschauer vorbeischickte, während ich im Krankenhaus saß.

Am Ende des Tages dann klingelte es. Die Nachbarsjungen standen mit einer großen Schüssel Wackelpudding vor der Tür, geschickt von ihrer Oma, die vom Unfall erfahren und voller Mitleid überlegt hatte, was sie unserem Tochterkind Gutes tun könnte. Randnotiz an mich: wenn ich alt werde, dann bitte so!

Posted on September 24th, 2010 by Ordinarylife  |  5 Comments »

Schnipsel

- Ein Herbstanfang, der nach Sommer riecht, entschädigt ein ganz klein wenig für zahllose Sommerwochen, in denen es nach Winter roch.

- Die kürzer werdenden Tage führen dazu, dass das Minikind doch tatsächlich manchmal bis 7 Uhr schläft. Meine Augenringe danken ihm sehr.

- Seit die Minimotte morgens den Kindergarten besucht, sind die Knie meiner Hosen nicht mehr im Vier- sondern nur noch im Achtwochentakt durchgescheuert.

- Mit überbreiten landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen wie Rüben-Erntemaschinen, Mähdreschern und Co. sollte man in geschlossenen Ortschaften bitte, bitte nicht mehr als 70 fahren. Das verursacht auf der gegenüberliegenden Fahrspur auch bei unter Vierzigjährigen mit drei Kindern im Auto Herzrasen.

- Der Waldorfschule des Sohnes kann man keine Medienfeindlichkeit vorwerfen. Im Lehrerzimmer stehen sechs nietennagelneue PCs mit riesigen Flatscreens zur Unterrichtsvorbereitung. Der Klassenlehrer des Sohnes notiert seine Unterrichtsentwürfe im Iphone und antwortet auf Mails innerhalb eines halben Tages. Ich bin dank diverser Mailing-Listen und wöchentlicher Online-Statusberichte völlig up to date über den Schulalltag. Wir sind zufrieden. Nicht zuletzt über eine entspannte Lernatmosphäre, die dieser hier sehr ähnlich ist. (der komplette Film befindet sich in der BR-Mediathek)

- Heute morgen zwischen fünf und sechs habe ich über das Thema “Rente.nlücke” nachgedacht. (schönes Thema, wenn man nicht mehr schlafen kann – schön auch, dass ICH mich offenbar daran gewöhnt habe, früh aufzustehen, während das Kleinkind selig schlummert) Ich habe jetzt 16 Jahre in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt (und dabei bislang trotz hoher Beiträge nur einen aus der Perspektive von 2040 mickrigen Rentenanspruch erworben), vor fünf Jahren eine Ries.terrente abgeschlossen (die sicherlich im Alter von meiner gesetzlichen Rente abgezogen wird, damit am Ende auch bei allen ein Einheitsbetrag steht), aber wenn ich über Inflation, Ausgaben im Alter etc … nachdenke, habe ich das Gefühl, umgehend im Lotto gewinnen oder eine Bank überfallen zu müssen, ansonsten gäbs nur schimmliges Brot.

- Ich mag keine Vertreter von Mobilfunkunternehmen, Versicherungen und Haushaltsartikeln, die ungefragt meinen Klingelknopf betätigen. In meinem Hirn kommt es zu eine Überaktivität einiger Regionen, die verbunden ist mit emotionalen Überreaktionen und ich bin dann gemeiner, als ich eigentlich sein möchte. (in der Regel schließe ich die Haustür und denke dann, aber bedauerlicherweise auch erst dann: “Meine Güte, Patricia, das war doch nun nicht nötig, der arme Mann möchte ja nun auch nur von irgend etwas leben!” )

- Sinnfreies Bloggen war schon immer meines ;-)

Posted on September 23rd, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Krankenwagen

für gesetzlich Versicherte. Das Töchterlein kann es in der Politik sicher zu was bringen …

krankenwagen

Alternativ könnte die Überschrift auch lauten: woran man merkt, dass der Schnupfen vorbei ist: Die Papiertaschentücher werden wieder zum Spielen zweckentfremdet.

Posted on September 21st, 2010 by Ordinarylife  |  No Comments »

Frau P. und das Fin.anzamt

Frau P. hat ein etwas gestörtes Verhältnis zum Finanzamt. Nicht zu Finanzen, aber zu Lohnsteuererklärungen, Lohnsteuerbescheiden etc … Darum wird Frau P. im November auch einen dreitätigen Kurs zum Thema Steu.errecht für KleinUnternehmensgründerinnen besuchen. Man soll ja an seinen Schwächen arbeiten. Frau P. unterstellt dem Finan.zamt in manchen Situationen auch mal Dinge, die vielleicht nicht stimmen. In diesem Jahr zum Beispiel hatte sie den Verdacht, dass mit ihrem Geld an der Börse spekuliert wurde, statt es ihr zurückzuzahlen. Und das kam so. WISO schlug dem Ehepaar P. für das letzte Jahr eine getrennte Veranlagung vor und versprach ihm eine Steuerrückerstattung. Pflicht- und fristgemäß gab das Ehepaar seine Steuererklärungen ab und erhielt schon bald eine Steuernachzahlungsforderung für Herrn P., die ratzfatz vom Konto abgebucht wurde. Frau P. hingegen hatte WISO eine Steuerrückerstattung versprochen, die die Nachzahlung des Mannes um einiges übertraf. Frau P. wartete einen Monat, zwei Monate, rief mehrmals beim Finanzamt an, um äußerst unfreundlich abgewatscht zu werden, sie solle sich mal schön gedulden, Schluss aus, Hörer aufgelegt. Frau P. wartete weitere Wochen und Monate und dachte sich Verschwörungstheorien aus. Wenn das Finanzamt die Rückzahlungen für jeden Haushalt erst Monate später überwies, wie viel Millionen zu viel gezahlter Steuern braver Bundesbürger mussten da auf der hohen Kante liegen? Was konnte man mit diesem Geld nicht Tolles treiben? Bis zum heutigen Tag harrte Frau P. aus, da griff sie beherzt zum Hörer und zwang sich, sich nur auf die Sache zu konzentrieren. “Guten Tag, hier Frau P., ich wollte mal fragen, wie es meiner Steuererklärung geht. Ich habe lange nichts von ihr gehört und sie ist schon seit Mai zu Hause ausgezogen. Da macht man sich ja langsam ernsthaft Sorgen -  nicht dass sie weggelaufen ist!” Nein, Frau P. ist normalerweise nicht das Spaßtele.fon, aber wenn gar nichts anderes mehr hilft, dann spielt sie schon mal die arme Irre …

Überflüssig zu erwähnen, aber: Im Lauf des heutigen Vormittags wird der Steuerbescheid erstellt.

Posted on September 21st, 2010 by Ordinarylife  |  No Comments »

Muss man da durch?

Gestern beim Gespräch mit der Mutter der Kindergartenfreundin der Tochter. Die, die noch den “alten” Kindergarten besucht. In dem Chaos herrscht, alle drei Monate die Erzieherinnen wechseln, die Gruppen zu groß, die Aktivitäten zu gering und die Stimmung schlecht ist. Die Kindergartenfreundin der Tochter ist dort nicht glücklich. War es auch nie. In einer Gruppe aus 22 Vorschuljungs und 3 Winzigmädchen ist sie als Vierjährige nicht gut aufgehoben, und das Thema Integration spielt im Vokabular der Erzieherinnen keine Rolle. Als ich erwähnte, man könne ja auch eventuell darüber nachdenken, die Einrichtung zu wechseln, seufzte die Mutter, sie würde ja gern, aber ihr Mann denke, das Kind “müsse da nun mal durch”. Seitdem geistert dieser Satz in meinem Kopf herum. In der kurzen Zeit, in der ich in der Schule war, haben mich Dreizehnjährige im Nachmittagsunterricht um 16 Uhr gefragt, ob ich mal eine Kopfschmerztablette für sie hätte. Elftklässler haben an vier von fünf Tagen von 7.45 Uhr bis 18 Uhr Unterricht. Ohne Mittagessen, weil der Ganztag meilenweit hinter den Ansprüchen von G8 herhinkt. Sie sind länger in der Schule als die meisten Erwachsenen arbeiten. Da müssen sie wohl durch, wenn sie ihr Abitur haben wollen, werden die Eltern sicher sagen. Muss man? Wenn ich die Ampel bei Rot überfahre, muss ich da wohl durch, dass ich einen Monat lang Fahrverbot habe. Wenn mein großes Kind mutwillig die Fensterscheibe einwirft, muss es da durch, dass es monatelang kein Taschengeld bekommt und sich eventuell Geld dazuverdient, um sie zu bezahlen. Ja. Und wenn ich mir ein zu großes Projekt ans Bein binde, muss ich auch da durch, dass ich ein paar Nachtschichten einlege, um es pünktlich abzuliefern. Aber muss ein Mensch jahrelang unter Bedingungen leben, die ihn unglücklich machen? Noch dazu, wenn er so jung ist? Love it, change it or leave it – habe ich früher manchmal unter meine Mails geschrieben. Früher war das mehr ein Ideal, je näher ich der großen 40 komme, desto mehr ist es Lebensmotto geworden. Wir haben einen Kindergarten gewechselt und eine Schule. Ich habe einem schönen Job Adieu gesagt, weil er sich nicht in mein Leben einpassen ließ. Vielleicht sollte man sich öfter mal in Erinnerung rufen, dass wir in einer Demokratie leben und Dinge entweder ändern können oder uns das Leben suchen, das zu uns passt. Dafür zahlt man vielleicht einen Preis. Aber es gibt kein richtiges Leben im falschen. Und Bauchweh, Kopfweh, Tinnitus und Depressionen taugen nicht als Währung, mit der man sich ein erfolgreiches Leben erkaufen kann.

Posted on September 21st, 2010 by Ordinarylife  |  8 Comments »

Leben im zeitlosen Raum

Seit Anfang September warte ich auf meine Lohnsteuerkarte. Und warte. Dass das Landesamt für Besol.dung und Ve.rsorgung sie zurückschickt. Heute habe ich mich ans Telefon gehängt und mich verbinden lassen, von A nach B nach C. Erklärt, dass ich die Karte brauche, weil wir uns steuertechnisch neu sortieren. Dass ich diese Karte dringend brauche. Wirklich dringend. Und was höre ich? Die Lohnsteuerkarte ist noch gar nicht ANGEKOMMEN. Ähm, ich habe sie aber schon Anfang Juni, JUNI losgeschickt. Die inländische Post braucht normalerweise einen Tag. “Nun ja”, sprach der Sachbearbeiter, “es mag sein, dass sie noch in der Poststelle liegt, das geht manchmal nicht so schnell!” VIERZEHN Wochen? Man sieht mich hyperventilierend am Telefon hängen und nach Worten ringen. Wartet man dort darauf, dass meine Lohnsteuerkarte von allein zum zuständigen Sachbearbeiter läuft? Oder bastelt man Papierflieger draus, die man versucht, beim Kollegen durchs geöffnete Bürofenster zu schicken? Ich geh jetzt zum Bürgerbüro und lasse eine Ersatzlohnsteuerkarte anfertigen. Und denke ernsthaft über Steuerhinterziehung nach. So was mag man doch nicht mit seiner Einkommenssteuer finanzieren ….

Posted on September 17th, 2010 by Ordinarylife  |  No Comments »