Not a Superwoman
Am Ende haben sie Recht behalten, die Zweifler, Skeptiker und Mahner. Ich steige aus. Nach nicht einmal zwei Wochen. Es fällt mir schwer, denn es hat Spaß gemacht, das Unterrichten. Ich hatte einige Aha-Erlebnisse und zu Beginn der vierten Deutschstunde die größten Sprachmuffel und -skeptiker zum Reden gebracht. Ich bin mir sicher, ich könnte eine gute Lehrerin werden. Der Inhalt stimmt. Aber die Verpackung nicht. Dreimal in der Woche Unterricht bis zum Abend, ich schaffe es nicht rechtzeitig zur Abholzeit des Großen und der Kleinen. Die mahnenden Blicke zur Uhr, weil die Erzieherinnen doch eigentlich schon Feierabend haben – vielleicht bilde ich sie mir auch nur ein. Dazu noch ein Seminartag, der von 8-18 Uhr dauert und dazu führt, dass ich 12 Stunden außer Haus bin. Ein sehr liebenswürdiger Fachleiter im ersten Fach, der mit vier Kindern einen guten Einblick in den Familienalltag hat. Einen unangenehmen im zweiten, der nicht versteht, dass Frauen mit Kindern unter 18 arbeiten möchten. Ein Mann, der mich zwar unterstützen möchte, aber de facto auch 40-50 Stunden arbeiten muss. Keine Großeltern in der Nähe, und keine bezahlbare, zuverlässige Haushaltshilfe, die unsere drei Kinder von 7.30 bis 19.00 Uhr (unterbrochen von Schule und Kindergarten) zu zwei verschiedenen Einrichtungen, die 20km auseinanderliegen, bringen kann. Abends um 22 Uhr beginnt mein Tag. Wenn die Kinder im Bett sind und der Haushalt erledigt (nur das Nötigste, nicht dass jemand auf falsche Gedanken kommt), geht es an die Unterrichtsvorbereitung. Ja, und da habe ich Ansprüche, die über “Schlag mal Seite 22 auf, lest die Geschichte und bearbeitet die Aufgaben 1-3″ hinausgehen. Um 2.00 Uhr bin ich im Bett, um 6.00 Uhr stehe ich auf. Das geht. Vielleicht einmal zwei Wochen, vielleicht zwei Monate. Nicht aber zwei Jahre. So nicht. Vielleicht war ich zu naiv zu glauben, es geht. Mitstreitende mit Kind haben arbeitslose Männer, Omas und Tanten in der Nähe. Wir nicht. Mir fällt es schwer zu kündigen. In den wenigen Tagen sind mir viele Schülerinnen und Schüler ans Herz gewachsen. Ich war baff, welche Ruhe bei spannenden Aufgaben selbst in Klassen mit 32 Kindern herrschen kann – und gerührt, welches Vertrauen mir entgegengebracht wurde. Ein Lehrerkollegium, das sich selbst neu finden muss- mit 30 neuen Kollegen, keinem Platz und keiner Zeit für sie.
Ich muss aber auch selbst überleben. Zeit für mich hatte ich schon vorher nicht. Zeit zum Schlafen nun auch nicht mehr. Notbremse. Was hilft einem der schönste Schuh, wenn er nicht passt? Ich weiß nicht, ob es Stellen wie diese in fünf Jahren noch gibt – wenn ja, würde ich sie gern später noch einmal antreten.

Das tut mir leid für Dich… ich hatte herausgelesen, dass es Dir ein Herzenswunsch ist und ich hatte Dir sehr die Daumen gedrückt, dass alles klappt.
Aber was Du schilderst, klingt wirklich nicht machbar. Kein Mensch hält so viel Stress aus und ganz sicher würde Eure Familie in irgendeiner Weise darunter leiden. Du würdest es ganz sicher. Vier Stunden Schlaf, herrje – das ist wirklich zu wenig, um noch ausgeruht zu sein! Und man braucht eben auch Zeit für sich. Vielleicht nicht jeden Tag, vielleicht nicht Unmengen davon, aber es braucht eine kleine Rückzugsmöglichkeit dann und wann.
Vielleicht kannst Du das Ganze ein paar Jahre nach hinten schieben? Wenn die Kinder größer sind und nicht mehr so sehr auf Euch angewiesen sind. In der Zeit bis dahin könntest Du vielleicht versuchen, am Ball zu bleiben. Vielleicht privat unterrichten? Fortbildungen machen? Damit es nachher im Lebenslauf nicht nach nichts aussieht.
Ach Mensch… fühl Dich gedrückt. Es ist unheimlich verantwortungsbewusst von Dir, die Notbremse zu ziehen!
trotzdem, ich find es total mutig, dass du es überhaupt gewagt hast. und dann noch obendrein den mut hast, direkt wieder zu kündigen!
so oder so- ich ziehe vor dir den hut, egal, wie du es jetzt machst.
da gehört eine menge selbstvertrauen, einschätzungsvermögen und herzblut zu!
deine chance wird kommen! ganz bestimmt
liebe grüße, eva
Och Mann, das tut mir irgendwie leid.
Sei ganz lieb gedrückt.
Ines
Danke für eure Drücker
… Ich fühle mich gerade unendlich müde (na ja, kein Wunder eigentlich) und traurig, aber ich stand eigentlich nur noch vor der Wahl, der Familie einen Aufhebungsvertrag anzubieten oder in der Schule darum zu bitten … – und wer kündigt schon der Familie?
Ich telefoniere gerade mit dem Finanzamt zwecks Steuernummer und dann tummele ich mich demnächst mit den restlichen Schrillionen Freiberuflern am Markt … Wenn das meine einzige Chance auf Arbeit gewesen wäre, wäre etwas faul im System, denke ich … (okay, es ist einiges faul, aber …)
Oh…. .
Wie traurig für Ihre momentane berufliche Zukunft, wie schön aber auf der anderen Seite für Ihre Familie. Und wenn es in fünf Jahren solch eine Stelle nicht mehr gibt, gibt es irgendwas anderes, was Sie machen können und was wahrscheinlich genauso toll sein wird. Und da Sie in jeder Hinsicht Mut bewiesen haben, wird das in einiger Zeit ja nicht anders sein und Sie werden es wieder wagen, einen Schritt in Richtung irgendetwas Neuem zu machen!
Und so freiberuflern wir halt vor uns hin (ist auch nicht so richtig einfach…aber besser als nix!).
Liebste Grüße, versuchen Sie gut zu schlafen, und morgen scheint die Sonne!!!
Ich ziehe den Hut vor Dir vor so viel Mut! Schade, dass die Schulkinder auf Dich verzichten müssen. Du hast recht, der Familie will und kann man nicht kündigen! Aber die nächste Generation gehört dann Dir. Da bin ihc mir ganz sicher!!!
Alles Gute,
Peggy
Ich ziehe den Hut und das meine ich ganz ganz ehrlich.
Es gehört so viel dazu, sich einzugestehen, dass es nicht geht. Etwas nicht zu schaffen. Ich drücke von herzen die Daumen, dass in einer Weile, wenn es gehen würde, genau so eine Chance kommt.
Und ganz ehrlich: doch. doch Superwoman. Es gehört eben mehr dazu, als nach aussen alles zu schaffen. Ich persönlich empfinde es so, dass genau das Entscheiden, Abwägen., Prioritäten setzen müssen oft eine viel schwierigere Aufgabe ist, als zu “machen”. Das Finden eines guten Weges.
Viele liebe Grüsse!
Das tut mir leid für Dich, ehrlich. Und es hört sich unglaublich stressig an.
Aber dennoch, vielleicht hat es Dir ja auch etwas für Dich gebracht, es trotz aller Unkenrufe wenigstens zu versuchen. Das war mutig und richtig, finde ich. Und noch toller finde ich, jetzt zu erkennen, was geht und was nicht und den Schritt wieder zurück zu gehen – ich glaube, so etwas fällt vielen schwer, ganz logisch.
Ich hoffe, dass sich trotzdem irgendwo her bald tolle andere Gelegenheiten ergeben und dass Du später mit größeren Kindern noch einmal an diesem Punkt anfangen kannst.
Du hast es versucht.

Hättest Du es nicht versucht, hättest Du Dir vllt. ewig und drei Tage Vorwürfe gemacht. Eben weil Du den Schritt nicht gewagt hast.
Jetzt hast Du festgestellt, dass es Dir zwar gefällt – Dich aber auffrisst, weil es zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Und es ist besser, einen Schritt zurückzugehen, bevor man einen Schritt zu weit über die Klippe macht.
Irgendwann kommt der Punkt, da passt es. Irgendwann kommt eine Stellenausschreibung, die nur für Dich ist.
Bestimmt.
Aber nur, wenn Du bis dahin noch Du selbst bist
Liebe Patricia – Chapeau!
Kopf hoch!
Ich geb dir nen solidarischen Drücker, ich habs ja genauso gemacht, leider bleiben die Selbstzweifel …