Oasen im Alltag

Manche Entscheidungen, die wir im Frühsommer getroffen haben, waren einfach nur richtig. Die Schule für den Großen zum Beispiel. Der ist glücklich, erforscht die Natur, lernt in Ruhe noch einmal alle Buchstaben, Französisch, Englisch und Reiten (am Montag gehts die ersten beiden Stunden auf den Reiterhof zum Voltigieren) und sagte letztens abends: “Ich freu mich so auf Morgen, ich könnte fast heulen vor Glück!” Kein Bauchweh, keine Tränen, keine hutzelige Lehrerin, die sich über zu viel emotionales Geschwätz des Großen aufregen könnte. Und dann die neue Kita. Die ist echt ein Glücksgriff. Auch für uns Eltern. Die Gruppen sind klein (maximal 16 Kinder bei 2 bzw. 3 Erzieherinnen), die Eltern sind gern gesehener Gast, im Elterncafé ist immer Zeit für ein Lächeln und freundliche Worte, die Leiterin ist Pädagogin mit Herz und Seele und kennt all ihre Kinder, weil sie sich intensiv mit den Gruppen beschäftigt. Man turnt, macht den Wald unsicher, experimentiert und forscht, kocht und backt, bastelt und malt. Wenn ich die neue mit der alten Kita vergleiche, kommt mir oft unwillkürlich die Spülmittelwerbung villa arriba y villa abajo in den Sinn. In der alten Kita teurer Catering-Service mit fettgesottenden Schnitzeln und bun.deswehr.brau.ner Erbsensuppe aus der Gulaschkanone, in der neuen leckere Vollwertkost mit mediterranem Einschlag dank italienischer Köchin. Und am wundersamsten: Wir zahlen nicht mehr. Da es sich um einen städtischen Kindergarten handelt, sind die Gebühren gleich – und das Essensgeld deckt sich mit dem der alten. Für ungleich mehr Qualität. Wenn ich im Garten stehe und über die Felder und Wälder schaue (hört sich schräg und krass abgedroschen und mystisch an, ist aber so), überkommt mich ein tiefes Gefühl des Friedens. Ich glaube, es gibt Orte, die sind anders als andere. Mein altes Studentenwohnheim war auch so ein Ort. Im Garten befanden sich efeu-umrankte Überreste einer alten Kapelle, ich stand das erste Mal darin und wusste, hier möchte ich leben. So ähnlich auch mit diesem Kindergarten. Manchmal wartet das kleine Glück im Dörfchen nebenan.

5 Responses to “Oasen im Alltag”

  1. Mairlynd says on :

    Das klingt super. Ich erinnere mich an Deinen Post wegen der Waldorfschule und wollte damals eigentlich immer einen Kommentar dazu geschrieben haben. Irgendwann ist es dann im Alltagsstress untergegangen… aber umso schöner ist es zu hören, dass das wirklich die richtige Entscheidung für Euch und vor allem für Euren Sohn war.

    Ist es nicht ein unheimlich schönes Gefühl, nach all dem Stress und den Sorgen nun die Freude in seinen Augen sehen zu können? Das stelle ich mir großartig vor!

  2. Sabine says on :

    Ich merke grade, das ich hier massiv was verpasst habe, neue Schule, neue Kita …ups…

  3. Ines says on :

    Das klingt doch wiedermal schön. Ich freu mich mit Dir für diese Oasen.

  4. eva says on :

    hört sich phantastisch an :)
    übrigens, villa arriba und abajo war f.air.y ult.ra (selbst geschnitten, den spot, damals im leben vor den kindern ;D )
    lg eva

  5. Patricia says on :

    Hallo Eva,
    Danke fürs Korrigieren, ich bin ein Werbe-Dummie ;-) … echt, sooo lange ist das schon her? Manchmal habe ich den Eindruck, seit Geburt des Größten ist die Zeit weggelaufen …

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