Die Wochen sind so voll, dass nur noch die Enden bleiben, um niederzuschreiben, was mir durch den Kopf ging bzw. was von den Gedanken in Erinnerung geblieben ist. An drei Tagen bin ich sieben Stunden im Büro, weil doch nichts über Face-to-Face-Kommunikation geht, und ich gestehe, es macht mir sehr viel Spaß. Ich kann Konzepte anfangen und fertig stellen, ohne dass ich 333x unterbrochen werde, ich kann Gedanken zu Ende denken, ohne neue anzufangen. Und diese himmlische Ruhe! Ach ja, und Lob. Nicht, dass ich danach heische oder nur arbeite, damit man mich lobt, aber es tut gut, für das, was man tut, gelobt zu werden. Wer lobt schon für überstandene Chaostage zu Hause, die Beseitigung von Staub- und Wäschebergen, dafür, dass man die Kinder am Abend nicht an die Wand tapeziert, sondern glücklich durch den Tag gebracht hat? An den verbleibenden zwei Wochentagen das Übliche: Kinderarzt, Logopädin, im Bedarfsfall Gastroenteritis vom kleinsten Tochterkind auskurieren, Telefonate erledigen, Wäsche waschen, einkaufen etc …
Und weil ich morgens um sieben im Büro bin, muss ich richtig früh aufstehen. Und sehe dabei manchmal Gespenster. Diese Woche war es unglaublich neblig, also so, dass man fährt und die nächste Leitplanke nicht sieht, eigentlich überhaupt nichts sieht, eigentlich stehen bleiben sollte und warten, bis jemand das Licht anknipst. Und wenn man doch weiterfährt, sieht man, dass der Nebel sich lichtet und in kleinen weißen Schleiern von dannen zieht. Wie Gespenster. Ich weiß jetzt, warum man in dieser Zeit Halloween feiert.
Weil uns mitten in meinem ersten größeren Auftrag die Herbstferien überrascht haben, war ich einigermaßen verzweifelt. Wer sagt schon zum Auftraggeber “Prima, nächste Woche fange ich an, aber übernächste Woche bin ich dann erst einmal für zwei Wochen weg, sind ja Herbstferien, wie Sie wissen!” Jedenfalls stolperte ich in der Kita über einen Aushang “Astronauten zwischen sechs und acht Jahren gesucht” – ein Ferienprogramm in der Nachbargemeinde, fünf Tage Betreuung inclusive Mittagessen für 15 Euro. Mit einigermaßen schlechtem Gewissen lieferte ich den Sohnemann am ersten Tag dort ab, aber das erwies sich glücklicherweise als unbegründet. Die Astronauten bastelten, experimentierten, kochten, machten Lagerfeuer, grillten – und das Highlight war eine Übernachtung mitsamt Nachtwanderung. Nun wissen wir, das große Kind kann auch auswärts übernachten und spontan zu Ferienfreizeiten gehen. Das eröffnet völlig neue Perspektiven
…
Das Minikind hat das Muttergen geerbt und redet pausenlos (ich glaube zu wissen, dass ich als Kind genau so war). Neulich eröffnete ich ihm, dass es mal baden solle und es fragte: “Meins du, dass ich ssstinke?” Ansonsten sind Farben gerade ein Thema, allen voran ROSA. Hülfe – ich dachte, dieser Kelch geht dieses Mal an mir vorbei, aber wenn man das Kind fragt, welche Handschuhe es möchte, ruft es “Die da, die rosa Handssuh”
Ich habe mal wieder mit dem Finanzamt telefoniert. Diesmal ging es um meine Steuernummer, auf die ich seit zwei Monaten warte. Ich möchte endlich einmal nicht nur arbeiten, sondern auch Rechnungen schreiben und Geld sehen. “Tjahaaa”, rief der Finanzbeamte, “Was meinen Sie, wer da noch alles drauf wartet?” Das ist mir eigentlich egal. Und weil ich etwas angefressen war, sagte ich, “Gut, dann beantrage ich eben für die Übergangszeit Hartz I.V, so lange wie ich zwar arbeite, aber dabei kein Geld verdienen kann.” Im Hintergrund riefen die Kinder (wir kamen gerade nach Hause) “Maaaama, was können wir essen?” Das Tochterkind schrie “Wann gehen wir zum Kindergeburtstag? Da kann ich was essen!” Ich schwöre, DAS war nicht abgesprochen. “Also”, räusperte sich der Mann am Telefon, “ich habe Ihre Nummer. Schreiben Sie mal mit!” Von so viel Spontaneität überwältigt, bedankte ich mich für die plötzliche Dynamik und gab meinen Kindern endlich etwas zu essen.
So, und nun muss ich nachdenken. Mal wieder. Gerade habe ich Fuß gefasst, da klingelte das Telefon und die Schule des Sohnes fragte an, ob ich nicht ein paar Stunden übernehmen könne. Sie bräuchten da jemanden. Jetzt. Sofort. Waldorfs unterrichten aber in Epochen. Das finde ich gut, überschneidet sich aber mit meinen jetzigen Arbeitszeiten. Außerdem kenne ich nicht die Gehaltskonditionen. Hach … Und schon wieder eine Entscheidung … (ich sage jetzt nicht, dass es dort auch ein Berufskolleg gibt, das ab nächsten Sommer Referendare ausbilden darf, sage ich jetzt nicht, nö, sonst müsste ich mein ganzes Leben ja schon wieder auf den Prüfstand stellen … )
Und weil Wochenende ist, hole ich jetzt den Weißwein und setze mich vor das lustig flackernde Feuer. Eine gute Nacht euch allen!