Archive for November, 2010

Mit großen Schritten

wird es Winter – und angesichts der geringen Außentemperaturen (derzeit minus acht Grad) haben wir nicht nur Nahrung für die Kinder, sondern auch die Vögel produziert … Die Schneebilder sind vom Freitagnachmittag, als hier riesige Flocken vom Himmel segelten, die Kinder staunend am Fenster standen und kurz darauf mit dem Schlitten loszogen. Mittlerweile schneit es nicht mehr, dafür ist es knackig kalt. Wenn ich wüsste, dass der Winter Anfang März zu Ende wäre, könnte ich mich wohl doch mit ihm anfreunden …

Posted on November 28th, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Bananenrepublik Deutsc.hland

So etwas ist ja ganz putzig! Ich hab dann nächsten Frühling auch mal Gedächtnislücken, wenn es um die Zahlung meiner Einkommenssteuer geht. Nur ganz rudimentär noch in Erinnerung, dass ich da mal Geld verdient hatte. Angesichts dieser akuten Prädemenz-Phase des ehemaligen Ministerpräsidenten kam der Regierungswechsel in NRW ja ganz richtig ..

Posted on November 25th, 2010 by Ordinarylife  |  No Comments »

“Solche Sachen …

… passieren auch immer nur dir”, sprach der Mann, und ich fühlte mich beinahe bemüßigt, mich zu verteidigen. Nicht nur, dass ich nachts mit Schlüsseldiensten verloren gegangene Schlüssel mit Riesenmagneten aus Gullideckeln ziehe, nein, ich habe Affären mit Lila-Regenhosen-Männern mit Kopfbeleuchtung. Und das kam so: Die Kinder spielten Gespenst, mal wieder, liegt angesichts der Novemberdunkelheit auch nahe, man muss gar nichts dafür tun, einfach nur auf den Anbruch der Dunkelheit warten und dann das Licht nicht anstellen. Während also drei mit Handtuch bzw. Laken bedeckte Kinder buhu-rufend durchs dunkle Haus geisterten, klingelte es an der Tür. Davor stand der Herr von den Stadtwerken auf der alljährlichen Suche nach den Zählerständen, bekleidet mit der eben erwähnten lila Regenhose und einer türkisen Regenjacke. Etwas verwirrt ob dieser Farbkombi und da ich ja nun im Dunkeln stand und nie so genau weiß, ob man sich nicht lieber den Ausweis zeigen lassen sollte, bevor man vor den Augen seiner Kinder von armen Irren zu Boden geschlagen wird, murmelte ich etwas von “Gespenst gespielt und darum so dunkel!”

“Kein Problem!”, rief der Regenhosen-Mann, “spielt ruhig weiter, ich habe eine Kopfleuchte!” Sprachs und kramte seine Kopfleuchte raus und zog sie sich über den Kopf. Selbstverständlich hätte ich das Licht anstellen können, aber offenbar hatte der Stadtwerke-Mann seit langer Zeit nicht mehr Gespenst gespielt und entwickelte im Lauf der nächsten 10 Minuten große Freude daran. Die Kinder starrten ihn an wie Hui Bu, während er im Dunkeln die Kellertreppe hinunterstieg, nur mit Taschenlampe und Kopfleuchte Strom- und Wasserzähler ausfindig machte, alles brav notierte und uns dann wieder Richtung Haustür verlassen wollte.

Nun stand im Hauseingang aber schon der just in diesem Augenblick von der Arbeit zurückgekehrte mir anvertraute Ehemann – und meine Erläuterung “Wir haben Gespenst gespielt!”, verbunden mit einer Ehefrau und drei (Klein-)kindern, die nebst einem Gummihosenmann mit Taschenlampe durchs völlig dunkle Haus liefen, sorgte für besorgte Verwirrung (aber keine Ähäkrise, das dann doch nicht ;-) ) …

Posted on November 24th, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Unrund

Irgendwie. Vielleicht liegt es am November und der Tatsache, dass der westeuropäische Winter mit viel Regen, Grau und Dunkelheit so gar nicht meine Jahreszeit ist. Oder an all den anderen kleinen und großen Baustellen, auf denen ich gerade arbeite. Es gäbe so viel zu erzählen, aber ich mag mich selbst im Jammermodus so gar nicht und auch nicht meinen Neid, wenn ich morgens um halb sieben übermüdet auf der Autobahn feststecke und gern einfach nur die Sorge hätte, ob Stoff A zu Stoff B passt, ob ich es nach der Musikschule noch pünktlich zum Reiten schaffe und ob ich wohl bewerkstelligen kann, dieses Jahr acht oder nur sieben Sorten Plätzchen zu backen. Wir sind wieder drin im Hamsterrad aus Arbeiten, Kinderbetreuen, Haushalt, Alltagsorganisation und Schlafen – alles für sich ja sinnvolle und auch sinnerfüllte Tätigkeiten (besonders das Schlafen), aber da ist nichts sonst, keine Nische für Muße mehr. Und das macht mich müde. Müder als ich sein sollte.

Da gibts das Tochterkind, das nächstes Jahr zur Schule muss, dank immer weiter vorgezogener Einschulungstermine ist sie dann erst fünf. Hätte sie zehn Tage später Geburtstag, dürfte sie ein weiteres Jahr im Kindergarten bleiben. Da wir vom Sohn schon die ganzen Vorwürfe der Lehrerin verinnerlicht haben, er sei sozio-emotional unreif, haben wir um Zurückstellung gebeten. Klingt einfach, ist in der Praxis aber unmöglich. Die Grundschulen auf dem Lande sterben aus, und jedes Kind, das man am Schopfe packen kann, egal ob es seinen Namen weiß, rechts und links zuordnen, eine Schleife binden oder bis fünf zählen kann wird eingeschult. Dabei gibt es genügend Studien, die schulischen Misserfolg und zu frühe Einschulung in Relation bringen. Und so soll das Tochterkind also eingeschult werden, obwohl es noch sehr verspielt ist, aufgrund ihrer Paukenergüsse in ihrer Entwicklung nicht so weit ist wie wir uns das wünschen – “und wenn Sie nicht wollen, dass Sie eingeschult wird, müssen Sie sie eben auf der Sonderschule anmelden!” – drohte uns die Dorfschulrektorin, die alleinige Entscheidungskompetenz über das Wohl der Kinder beansprucht. Die Wald.orfschule des Sohnes wäre eine schöne Alternative, aber auch dafür sollte sie stark und alt genug sein, fürs Busfahren, für die Klasse, fürs selbstständige und eigenverantwortliche Lernen. Mein Bauch sagt Nein zur Schule im nächsten Jahr, aber Elternwille spielt im Rahmen der Bildungspolitik eine sehr untergeordnete, um nicht zu sagen keinerlei Rolle. (mein einziger Hoffnungsschimmer ist die Mailkorrespondenz mit dem Büro der Schulministerin ;-) )

Kleinkinder und Magen-Darm ist noch ein ganz anderes Kapitel, das ich nicht näher ausführen möchte. Nur dass ich mich in der letzten Woche einfach gern dazugesetzt und solidarisch die Schüssel gefüllt hätte, einfach aus des Lebens Überdruss.

Das Geld auf dem Konto hat Schwindsucht – da arbeite ich wieder und wir haben weniger als zuvor, weil die Anfahrt zum Auftraggeber, die Kinderbetreuung, die Mittagessen, die ganzen TÜVs und Inspektionen, die Stadtwerke und Versicherungen so viel Geld verschlingen, dass der Monat mit 30 Tagen eindeutig zu lang ist. Bitte, kann ich oder der Mann nicht wenigstens in einer Branche arbeiten, die vom Wirtschaftsaufschwung profitiert? Ich lese vom selbigen nur in der Zeitung, am eigenen Leib erlebe ich nur steigende Preise und Abgaben.

Ja, und so schlurfe ich um den eigenen Bauchnabel kreisend durch den Tag, bade in Selbstmitleid und ziehe sicherlich irgendwann den Stöpsel, wenn das Wasser zu kalt geworden ist.

Posted on November 23rd, 2010 by Ordinarylife  |  5 Comments »

Klitzekleine Traditionen

Kinder begründen Traditionen. Backt man einmal Gänse am Martinstag, so backt man immer Gänse. Kocht man einmal Punsch, so kocht man immer Punsch. Und weil es gar fürchterlich dunkel ist draußen, wollten zu den bereits gebastelten und im Umzug verwendeten Laternen noch weitere dazugebastelt werden. Derweil regnet es Bindfäden und der Wind braust ums Haus – der November verhält sich mustergültig …

Edit: Im Parallel-Universum bei Frau Frische Brise mussten auch ein paar Gänse dran glauben – glücklicherweise ebenso vegetarisch :-)

Posted on November 11th, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Schule 2.0?

Damit es auch wirklich nie, nie langweilig wird in meinem Leben, darf ich mich jetzt neu entscheiden: seit Freitag habe ich das Angebot, in der Schule meines Sohnes ab Januar zunächst aushilfsweise, ab Sommer dann fest zu arbeiten. Ohne Referendariat. Das würde ich gern machen, aber ohne Unterstützung bei der Kinderbetreuung passt es derzeit nicht in unser Leben. In der Schule erwerbe ich über ein bis zwei Jahre meine Lehrbefugnis für die Sekundarstufe I und II durch Unterrichtsbesuche, Kolloquien und Abschlussarbeit – und im Sommer 2012 wäre dann eine volle feste Stelle für mich frei, da ein Kollege in Rente geht. Das hätte so viele Vorteile: ich könnte langsam starten, aufstocken (O-Ton der Lehrerin: “Wir geben Ihnen so viele Stunden, wie Sie brauchen und schaffen. Und im ersten halben Jahr wollen wir gar nichts von Ihnen, da kommen Sie erst einmal hier an!”) und hätte letzten Endes eine feste Stelle. Angestellt, nicht verbeamtet. Aber das ist eigentlich egal – man sollte ja Lehrerin werden, weil einem der Beruf liegt und nicht weil die Verbeamtung am Ende steht. Obwohl – wenn ich in einschlägigen Lehrerforen lese, scheint der Beamtenstatus, verbunden mit dem Privileg, privat krankenversichert zu sein, enorme Wichtigkeit zu besitzen. Die Schule ist einzügig, die Klassen sind mit 22-maximal 30 Schülerinnen und Schülern überschaubar, ein kleines, fröhliches, selbstironisches Kollegium.

Ich würde gebraucht, versicherte man mir, als “junge” Kollegin, die “wertvolle, auch kritische Impulse” von außen hereinträgt. Der Unterricht findet vor allem vormittags statt, in der Oberstufe an zwei Tagen auch am Nachmittag, aber nie nach 16 Uhr – und stundenplantechnisch könnte man mir entgegen kommen. Ich muss nicht zwangsläufig meinen Namen tanzen lernen, die staatlichen Lehrpläne gelten mit leichten Modifikationen für die Fächer, die ich unterrichte, und dank eines neu gegründeten Berufskollegs, das der Schule angegliedert ist, hätte ich die Gelegenheit, auch mal praxisrelevante Unterrichtserfahrungen zu machen.

Weil das alles so gut klingt, klopfe ich diesen potenziellen Weg gedanklich auf Lücken, Brüche und Unwägbarkeiten ab. Und denke. Und beginne zaghaft, mich zu freuen. Über all den Schulbüchern, die ich gerade plane und redigieren, fehlen mir doch die Menschen. Die kleinen und großen, lauten und leisen, musikalischen und handwerklichen, die schnellen und langsamen, die müden und wachen. Die, die auf alles eine Antwort haben und die, die so lange nachdenken oder einfach nur warten, bis es klingelt. So steht`s zur Zeit mit mir. Es könnte schlimmer sein ;-)

Posted on November 8th, 2010 by Ordinarylife  |  4 Comments »

Das Jenseits der Dinge

Seit ein, zwei und nun drei kleine Wesen unserem Haushalt zugehörig sind, glaube ich an ein Jenseits der Dinge. In diesem Jenseits verschwinden einzelne Socken und Strümpfe, noch bevor sie die Waschmaschine erreicht haben. Kugelschreiber und Bleistifte, die in in der Nische der Küche platziere, um schnell etwas notieren zu können. Auch unterschriebene Zettel, die wichtig und dringend in Kindergarten und Schule abgegeben werden sollten, verlassen unseren Haushalt Richtung Jenseits schon einmal. Gar nicht zu reden von Toilettenpapierrollen, die man morgens gefüllt auf die Halterund schiebt und abends leer abnimmt. So viel Papier kann doch im Lauf eines Tages gar nicht durch die Toilette gejagt werden. Fernbedienungen, Tortenheber, Fahrpläne – und das, obwohl ich nicht fürchterlich unordentlich bin. Vielleicht umschreibe ich hier nur beginnende Symptome der Demenz, aber eigentlich möchte ich lieber an einen Himmel glauben, eine weiße Wattewolke, auf der meine Kugelschreiber, eingewickelt in Toilettenpapier, mit Kindersocken Walzer tanzen …

Posted on November 8th, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Launen der Natur

Ich bin auf einem Auge kurz- und auf dem anderen weitsichtig. Nicht dramatisch und eigentlich prima zu handhaben mit den richtigen Kontaktlinsen. Das große Tochterkind hat oben nur zwei statt vier Schneidezähne. Dafür sind die übrigen Zähne so gewachsen, dass es nicht auffällt und nur der Zahnarzt verwirrt war, als er bei der Bestandsaufnahme zählte, noch einmal zählte und feststellte, da fehle doch etwas. Das kleine Tochterkind hat ein Grübchen im Bereich der unteren Wirbelsäule, das in in dieser Form noch nie gesehen habe. Der Sohn wiederum errötet ganz fürchterlich und unfreiwillig allergisch, wenn man ihn an Kindergeburtstagen mit farbstoffgetränkten Süßigkeiten in Kontakt bringt. Die Gurken, die wir essen, sind krumm, die Pastinaken mal groß, mal klein, bei den Äpfeln gleicht keiner dem anderen und wir schneiden die Basteleien der Kinder nicht heimlich abends mit der Schere gerade.

Was mir Angst macht ist das Übergreifen des Systems Wirtschaft in die Lebenswelt. Seit Lebensmittel nicht mehr nur Lebensmittel sind, sondern eine ganze Industrie dahinter steht, müssen sie genormt werden, in Größe, Aussehen und Gewicht. Seit der Mensch den Bauplan Mensch medizinisch beherrscht, meint er, ihn anwenden zu müssen – für das genetisch perfekte Baby, das störungsfreie ADHS-Schulkind, den reibungslos funktionierenden antidepressiven Arbeitgeber. Was steckt dahinter? Geldgier? Machtgier? Der Wunsch nach Beherrschung und Beherrschbarkeit auch des Privaten?

Ich bin nicht technikfeindlich. Nicht fortschrittsfeindlich. Aber warum erheben wir so selten die Frage nach der Ethik dessen, was uns da täglich vorgesetzt wird? Und bin ich ein Sonderling, wenn ich mir nicht die Augen lasere, Traumjobs absage, krumme Gurken und ulkige Kartoffeln schnippele und Fruchtwasseruntersuchungen in meinen Schwangerschaften ausgeschlagen habe? Oder verteidige ich damit nur meine Lebenswelt?

Posted on November 7th, 2010 by Ordinarylife  |  2 Comments »

Recycling oder …

… warum Gorleben?

Wir saßen am Abendbrottisch und der Sohn fragte mal wieder eine seiner Bandwurmfragen: “Woraus besteht Luft? Was ist Sauerstoff? Was ist Stickstoff?” Irgendwann kamen die Eltern auf das kleinste elementare Teilchen und erzählten dem Sohn, dass alles aus Atomen bestehe. Was Atome nun waren, interessierte den Sohn aber plötzlich nicht mehr. Er setzte sein “Ich denke grad nach”-Gesicht auf und wir dachten, er sei nun erst einmal beschäftigt – mit Denken. Wenig später hörte ich, wie er seiner Schwester die Welt erklärte und dabei unsere Erklärungen referierte. Bis auf einen kleinen Unterschied: “Und weißt du, wir alle, du und ich und der Tisch dort, bestehen eigentlich alle aus Atommüll!” Die logo-erprobte Schwester hörte aufmerksam zu und rief:”Oh, wie praktisch, das wusste ich ja noch gar nicht!”

In der nächsten Folge dann: Chemie in der Primarstufe – Teil II …

Posted on November 1st, 2010 by Ordinarylife  |  1 Comment »