Irgendwie. Vielleicht liegt es am November und der Tatsache, dass der westeuropäische Winter mit viel Regen, Grau und Dunkelheit so gar nicht meine Jahreszeit ist. Oder an all den anderen kleinen und großen Baustellen, auf denen ich gerade arbeite. Es gäbe so viel zu erzählen, aber ich mag mich selbst im Jammermodus so gar nicht und auch nicht meinen Neid, wenn ich morgens um halb sieben übermüdet auf der Autobahn feststecke und gern einfach nur die Sorge hätte, ob Stoff A zu Stoff B passt, ob ich es nach der Musikschule noch pünktlich zum Reiten schaffe und ob ich wohl bewerkstelligen kann, dieses Jahr acht oder nur sieben Sorten Plätzchen zu backen. Wir sind wieder drin im Hamsterrad aus Arbeiten, Kinderbetreuen, Haushalt, Alltagsorganisation und Schlafen – alles für sich ja sinnvolle und auch sinnerfüllte Tätigkeiten (besonders das Schlafen), aber da ist nichts sonst, keine Nische für Muße mehr. Und das macht mich müde. Müder als ich sein sollte.
Da gibts das Tochterkind, das nächstes Jahr zur Schule muss, dank immer weiter vorgezogener Einschulungstermine ist sie dann erst fünf. Hätte sie zehn Tage später Geburtstag, dürfte sie ein weiteres Jahr im Kindergarten bleiben. Da wir vom Sohn schon die ganzen Vorwürfe der Lehrerin verinnerlicht haben, er sei sozio-emotional unreif, haben wir um Zurückstellung gebeten. Klingt einfach, ist in der Praxis aber unmöglich. Die Grundschulen auf dem Lande sterben aus, und jedes Kind, das man am Schopfe packen kann, egal ob es seinen Namen weiß, rechts und links zuordnen, eine Schleife binden oder bis fünf zählen kann wird eingeschult. Dabei gibt es genügend Studien, die schulischen Misserfolg und zu frühe Einschulung in Relation bringen. Und so soll das Tochterkind also eingeschult werden, obwohl es noch sehr verspielt ist, aufgrund ihrer Paukenergüsse in ihrer Entwicklung nicht so weit ist wie wir uns das wünschen – “und wenn Sie nicht wollen, dass Sie eingeschult wird, müssen Sie sie eben auf der Sonderschule anmelden!” – drohte uns die Dorfschulrektorin, die alleinige Entscheidungskompetenz über das Wohl der Kinder beansprucht. Die Wald.orfschule des Sohnes wäre eine schöne Alternative, aber auch dafür sollte sie stark und alt genug sein, fürs Busfahren, für die Klasse, fürs selbstständige und eigenverantwortliche Lernen. Mein Bauch sagt Nein zur Schule im nächsten Jahr, aber Elternwille spielt im Rahmen der Bildungspolitik eine sehr untergeordnete, um nicht zu sagen keinerlei Rolle. (mein einziger Hoffnungsschimmer ist die Mailkorrespondenz mit dem Büro der Schulministerin
)
Kleinkinder und Magen-Darm ist noch ein ganz anderes Kapitel, das ich nicht näher ausführen möchte. Nur dass ich mich in der letzten Woche einfach gern dazugesetzt und solidarisch die Schüssel gefüllt hätte, einfach aus des Lebens Überdruss.
Das Geld auf dem Konto hat Schwindsucht – da arbeite ich wieder und wir haben weniger als zuvor, weil die Anfahrt zum Auftraggeber, die Kinderbetreuung, die Mittagessen, die ganzen TÜVs und Inspektionen, die Stadtwerke und Versicherungen so viel Geld verschlingen, dass der Monat mit 30 Tagen eindeutig zu lang ist. Bitte, kann ich oder der Mann nicht wenigstens in einer Branche arbeiten, die vom Wirtschaftsaufschwung profitiert? Ich lese vom selbigen nur in der Zeitung, am eigenen Leib erlebe ich nur steigende Preise und Abgaben.
Ja, und so schlurfe ich um den eigenen Bauchnabel kreisend durch den Tag, bade in Selbstmitleid und ziehe sicherlich irgendwann den Stöpsel, wenn das Wasser zu kalt geworden ist.