… ist so schlimm an Werten wie Freunden und Familie, Sicherheit im Beruf, Selbstständigkeit, Kreativität, Ehrgeiz und Fleiß? An den Werten, die die Jugendlichen in der neuesten Shell-Studie als wichtig erachten? Vor einigen Tagen habe ich in eine Talkshow hineingeschaltet, in der sich prominente Sechzigjährige darüber mokierten, was denn um Gottes Willen mit der Jugend los sei, so borniert und spießig, das habe man doch für seine Kinder und Kindeskinder niemals gewollt. Warum um Gottes Willen die Jugendlichen nach Familie und Sicherheit strebten, wo sie, die Möchtegern-Alten und -Weisen doch dafür gekämpft hätten, dass dieser konservative Plunder beseitigt würde. So oder ähnlich war der Tenor – und ich bin verwirrt, nein, nicht verwirrt, eher stinkig. Jede Generation hat ihre Ideale. Warum sollen heutige Teenager so ticken wie ihre Großeltern? Und ist es nicht mehr als verständlich, angesichts desolater Arbeitsverhältnisse und Patchwork-Biographien, dass Sicherheit eine Zukunftsvision darstellt? Und was zum Teufel ist wieder so schlecht an Familie, dass man sich selbst als Erwachsener nicht in einer solchen sehen darf? Familie – ist das immer nur übergekleisterte Harmonie, Kuchen- und Plätzchenbacken und psychische Scherbenhaufen unter den Teppich kehren? Hat nur derjenige wirkliche Lebensweisheit erlangt, der individualistisch sein Leben durchstylt, heute hier und morgen dort wohnt, einen Lebensabschnittsgefährten nur dann zulässt, wenn damit keine Verpflichtungen einher gehen und die Frage Theater, Kino oder Kneipe die wichtigste des ganzen Wochenendes darstellt? Was hätten die weisen Greise denn dazu gesagt, wenn die Jugendlichen als Lebensziel mehrheitlich Bom.benleg.er, Soz.ialhi.lfe.empfänger oder Steuerhinterzieher angegeben hätten? Klar, Familie ist uncool, aber ich liebe meine. Nicht weil sie alle Probleme zukleistert oder ich mit ihr Heile-Welt-Spiele veranstalte. Sie ist für mich, für uns der Ort, an dem wir für unser DA-Sein und SO-Sein geliebt werden. Hier ist Türenknallen erlaubt, Raum für Wutanfälle, wildes Rumgekicher und feste Umarmungen, Zeit für Tränen, Schongehege für Neurosen. Dafür bin ich gern uncool und ewiggestrig!
Posted on Dezember 15th, 2010 by Ordinarylife | 4 Comments »
Heute aufgeregter Anruf des Labors (ich habe am Dienstag Blut gelassen, weil ich bei der Vorsorge der Ärztin gegenüber dummerweise geäußert hatte, dass ich so fürchterlich müde sei …), mein Eisenwert sei katastrophal und mein Eisenspeicher nicht mehr vorhanden. Fein, jetzt weiß ich wenigstens, warum ich morgens, mittags und abends ohne Weiteres im Stehen schlafen könnte, ständig Kopfweh habe und meine Haare den Badezimmerboden bevölkern. Und ab morgen dann ran an die Wurst! (und die Nüsse und Hülsenfrüchte und den Wirsing und das Roggenbrot und die diversen Pullen Kräuterblut aus dem Reformhaus – die Eisentabletten spende ich der Frauenarztpraxis, die mag ich nämlich nicht …)
Posted on Dezember 9th, 2010 by Ordinarylife | 2 Comments »
Der Busfahrer, der nie krank ist und den Sohn bei Regen, Sturm und Glatteis jeden Morgen zur Schule bringt und jeden Mittag zuverlässig zur selben Zeit an derselben Bushaltestelle wieder herauslässt. Der jedes Kind beim Namen kennt, mit jedem neuen Kind bespricht, wann es aussteigen muss, der jedes Kind erinnert, falls es mal die Haltestelle verpennt. Der immer fröhlich grüßt, wenn er mich sieht. Der seelenruhig seinen Bus mitten auf der Straße parkt und prügelnde Jugendliche auf dem Bürgersteig trennt, der die Kollegin, die mit dampfendem Busmotor ihre Mittagspause macht, zusammenscheißt, das sei ja wohl unverschämt, ob sie nicht sehe, dass da Kinder in der Haltestelle säßen, die sie mit ihrem Qualm ganz übel krank mache. Der ein handgeschriebenes Schild an der Hintertür hängen hat: “Kinderwagen und Rollstühle haben Vorrang”. Dieser Busfahrer ist mein persönlicher Held des Alltags. Gestern habe ich erfahren, dass er an Weihnachten in den sicherlich wohlverdienten Ruhestand geht. Schade. Ich glaube, er war ein tolles Vorbild für den Sohn – in Sachen Zivilcourage, Integrität und Leistungsmotivation – ich habe selten jemanden gesehen, der vermutlich seit über 40 Jahren einfach nur seinen Job gut macht …
Posted on Dezember 8th, 2010 by Ordinarylife | 3 Comments »
… derzeit kann ich sie jeden Morgen wieder bewundern, die Autofahrer, die es schaffen, mit einem komplett zugeschneiten Auto zu fahren. Hintere Scheibe total dicht, in die vordere Scheibe ein kleines Guckloch von ca. 20 cm Durchmesser gekratzt und auf dem Dach die 20-40cm Neuschnee der vergangenen Nacht, die so nach und nach auf die dahinter fahrenden oder entgegenkommenden Autos verteilt werden. Besonders schön ist es, einen malerisch eingeschneiten Siebentonner auf der Autobahn zu überholen und dann die volle Schneeladung aufs Auge die Windschutzscheibe gedrückt zu bekommen. Vielleicht probier ich das morgen auch einmal aus, so als einäugiger Maulwurf durch die Gegend zu fahren, me in my car and snow all around me. Gibt sicher nen Kick. Spätestens wenn man irgendwo aufgefahren ist.
Posted on Dezember 7th, 2010 by Ordinarylife | No Comments »
Posted on Dezember 6th, 2010 by Ordinarylife | 3 Comments »
Morgens um sechs treibt der Wind Eisregen mit sachtem Klopfen ans Dachfenster. Das kleine Mädchen erwacht davon und flüstert: “Mama, ist das?” “Schnee, oder Regen”, entgegnete ich. “Nein”, flüstert das das kleine Mädchen, “Weihnachtsmann is daußen!” Einen Augenblick lang war er da, der Zauber der Kindheit. Der Weihnachtsmann, der übers Dach stiefelt und den Schornstein sucht …
Posted on Dezember 5th, 2010 by Ordinarylife | 2 Comments »



Damit man im Winter nicht so friert, sollte man sich eine schützende Fettschicht anfressen. Das geht gar nicht so einfach mit drei kleinen Kindern, die alle zur gleichen Zeit völlig unterschiedliche Wünsche haben. Aber ich bemühe mich redlich
… Neben Plätzchenbacken bei diesem mistigen Schneeregen-Wetter angesagt ist Suppe. Kartoffelsuppe mit Thymian, Pastinakensuppe mit Kurkuma, Kreuzkümmel und Koriander, Steckrübensuppe mit Ingwer und Kokosmilch und Blumenkohlsuppe mit ras el hanout. Da sage noch einer, Wintergemüse sei langweilig … Suppen haben hier im Haus psychosomatische Wirkung – wenn es einem Kind schlecht geht, wenn der Morgen grausam und gemein war, man sich über den Freund geärgert hat oder die Freundin das zehnte Lillifee-Shirt und man selbst keines, dann kommt der Gemüseschäler zum Einsatz, es dampft, duftet und brodelt und wenig später steht die Seelenlinderung auf dem Tisch. Natürlich isst Suppe keinen Kummer weg, aber sie stärkt die Seele bei der Verarbeitung (das nennt man wohl Küchenpsychologie
) … Damals, als ich im Examen steckte, hat die WG oft für mich Suppe gekocht, und irgendwo hat sich dieses Suppenritual erhalten. Glücklicherweise haben die Kochbuchverlage den Trend zur Suppe entdeckt und im Herbst sehr leckere Bände herausgegeben, zum Beispiel diesen hier und diesen hier. Da ich schöne Kochbücher liebe, habe ich mir ersteren vor ein paar Tagen gegönnt und bin begeistert. Die Autorin war lange Jahre als Journalistin beschäftigt, kochte regelmäßig für ihre Tochter (Suppe natürlich!) und hat irgendwann den Sprung in die Selbstständigkeit mit einem Suppenladen auf dem Münchner Elisabethmarkt gewagt. Ich mag es, wenn hinter den Menschen eine Story steht
…
Posted on Dezember 5th, 2010 by Ordinarylife | 1 Comment »
Zum einen bist du noch ein paar Tage zu früh, zum anderen: wenn ich Wert auf ostsibirische Kälte legen würde, wäre ich sicher längst nach Ostsibirien gezogen. Oder Polarforscher geworden. Hier IST aber nicht Ostsibirien, sondern Mitteleuropa. Und ich bin kein Polarforscher. Bei minus 12 Grad morgens um halb sieben das Lenkrad anzufassen sollte verboten werden. Ebenso in eiskaltem Wind auf Busse warten und Kaninchenställe säubern. Eigentlich heißt es ja, es gibt kein falsches Wetter, sondern nur falsche Kleidung, aber ich bin von oben bis unten in Baumwolle, Fleece und Funktionskleidung eingehüllt und friere trotzdem noch. Vielleicht sollte ich es mal mit Wodka und Speck versuchen (siehe Ostsibirien). Oder einfach morgens die Bettdecke um mich wickeln und mit ihr durch den Tag gehen …
Posted on Dezember 1st, 2010 by Ordinarylife | 3 Comments »