Archive for Januar, 2011
In eigener Sache
Blogger sind ja unglaublich kreativ – und das meine ich jetzt nicht ironisch. Die einen reisen um die Welt und dokumentieren das mit tollen Fotos, die anderen nähen, die dritten basteln, stricken und gärtnern. Ein bisschen davon mache ich auch, aber meist sehr unregelmäßig und mit Ergebnissen, die nicht immer und unbedingt zeigenswert sind. Regelmäßig gehe ich zur Arbeit (die muss ich aber nicht fotografieren, denn wen interessieren schon ganz gewöhnliche Menschen an ganz gewöhnlichen Schreibtischen mit Flatscreens und Notebooks, die sich ihre Haare raufen, den Schweiß von der Stirn wischen, zwischendurch Kaffee trinken, ironisch, hysterisch oder amüsiert auflachen, in Meetings eilen und auf der Toilette die Nase nachpudern?) und schlafe (auch nicht so spannend …).
Ach ja, und ich esse natürlich. Mit schöner Regelmäßigkeit und an manchen Tagen produziere ich in der Küche die buntesten Dinge des Tages. Und da ich gern Neues ausprobiere (in meiner Ursprungsfamilie gab es ca. 15 Stammgerichte, die mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder gekocht wurden), die Gemüsekiste uns regelmäßig vor neue kulinarische Herausforderungen stellt und außerdem häufig drei ambitionierte Kochschüler zwischen zwei und sieben Jahren an meinen Beinen hängen und mit mir schneiden, hacken, rühren und wenden möchten, nimmt das Kochen, Backen und gemütliche gemeinsame Essen bei uns recht viel Raum ein.
Weil mein Blog aber kein Kochblog ist, sondern nur eine unregelmäßige Blaupause meines Alltagslebens, habe ich angefangen zu dokumentieren, was wir essen. Auch als Gedächtnisstütze, denn mir passiert es manchmal nach einem Jahr, dass ich nicht mehr weiß, was ich wo gelesen und wie zubereitet habe. Hier also mein Zweitblog mit völlig unprofessionellen Fotos, dafür garantiert ohne Farb- und Konservierungsstoffe, dioxin- und pestizidfrei
…
Heute nur Schlammfarben
Wenn sich am Sonntagmorgen beim Besuch im Lieblingswald herausstellt, dass der Weg, den man eigentlich normalerweise geht, zum plätschernden Bach geworden ist, also so …
Hüüülfe!
httpv://www.youtube.com/watch?v=ZTjyRu88PRE
Die Kollegin sagt, es wirkt gegen Januardepression. Ich bin mir nicht sicher, ob es selbige nicht sogar fördert …
Nachbars Klavier
Vorab: Ich mag Musik. Klassische Musik. Ich habe im Unichor gesungen und in verschiedenen Kirchenchören. Im Studium habe ich mich in einem Instrumentenladen in ein Jugenstil-Klavier mit imposantem Raumklang und miserablen Hammerköpfen verliebt, das ich angesichts des niedrigen Preises mit in meine Studentenbude genommen habe. Überarbeitet hat es der Bruder der besten Freundin und die Freundin der zweitbesten Freundin brachte mir das Klavierspielen bei. Ich mag also auch Klavierspielen. Und wenn wir endlich einmal genug Platz haben auf dem Resthof, den ich mir irgendwann kaufe, wenn die Tante in Amerika stirbt, deren Namen ich leider noch nicht kenne, kommt das gute Stück (es heißt Berta, nicht ohne Grund, denn es ist wirklich imposant) auch ins Wohnzimmer und muss nicht mehr im Keller meiner Mutter vor sich hin leiden, armes Ding …
Nur: Nachbars haben seit Weihnachten ein Klavier, das ohne menschliches Zutun vorab eingespeicherte Melodien spielt, Kaffeehaus-Musik, die besten ABBA-Variationen, Sonate über den November (ich weiß nicht, was es ist, aber es ist ein stundenlanges trauriges Stück keines namhaften Komponisten). Und man kann dieses Klavier entsetzlich LAUT stellen (natürlich auch leise, aber die Mitwelt soll ja was haben von der schönen Musik). Und dieses Musik”instrument” nervt mich. Menschliches Klavierspiel ist anders, denn es hat Charakter, Akzent, Individualität (und natürlich auch Fehler, aber halt menschlich …), man spürt, wie es dem Menschen geht, der in die Tasten greift. Das Klavier, das allein spielt, spielt immer gleich, wie ein Roboter, klinisch steril und eintönig.
Momentan sitze ich hier, lektoriere Texte über Chromosomen und fühle mich wie ausgesetzt in einer Kaufhauspassage mit Hintergrund-Gedudel. Ich unterdrücke mühsam den Impuls, innerhalb der Wohnung die Möbelabteilung oder einen Starbucks zu suchen, um mich zum Kaffee niederzulassen. Bitte, liebe Kinder der Nachbarn, nutzt doch mal selbst das Klavier und spielt “Für Elise”, meinetwegen auch “Hänschen klein”, aber schaltet den Automatik-Modus aus …
Pop-artig
Als es in der letzten Woche regnete und stürmte und niemand so recht vor die Tür treten wollte, fiel mir wieder ein, dass ich einem meiner Bastelbücher eine Idee für ein lustiges Kunstprojekt gesehen hatte: Es ging um Andy Warhol und seine variierende Vervielfältigung von Alltagsmotiven (“I love to do the same thing over and over again“). Die kindgerechte Adaption des Themas bestand darin, ein Foto eines Alltagsobjekts (Mama, Papa, Kind und Kaninchen waren es bei uns) zu vervielfältigen und farblich zu gestalten. Die beiden großen Kinder und die Eltern fanden die Idee sehr spaßig, und seitdem schmückt das hier unsere Tür zum Mülleimer:
Ästhetische Artikel
“Wissen Sie, Frau P.”, sprach der Fachautor, dessen Dienste ich dienstlich betreue, “ich überarbeite gerade noch einmal das komplette Werk. Vor die Substantive in den Überschriften, habe ich beschlossen, setze ich jetzt immer den bestimmten Artikel. Das sieht einfach fröhlicher und ästhetischer aus.” Wie war das mit den Pinguinen? Lächeln und Winken? Ich murmele seit diesem Gespräch heute Morgen das DERDIEDAS-Mantra, und mir ist schon ganz beschwingt im Gemüt!






