Manchmal, wenn ich meine drei Kinder im Garten versunken miteinander spielen sehe, wenn sie in der Badewanne sitzen und sich gegenseitig Wasser über den Kopf gießen, wenn der Große der Mittleren vorliest, die krank im Bett liegt, dann sagt mein Herz leise, aber vernehmlich: Ein vierter Knirps würde auch noch passen. Und der Bauch stimmt jovial ein: auf jeden Fall! (wenn das Flüstern allzu groß ist, decke ich in innerer Verwörrung manchmal den Tisch für sechs Personen …)
Der Kopf, der alte Problematisierer, sagt erst einmal gar nichts. Dann seufzt er und holt aus, und seine Argumentation ist so logisch, inhaltlich schlüssig, verifizierbar und plausibel, dass Herz und Bauch beleidigt schweigen. Der Kopf liebt Alliterationen: Kinder kosten und – Kinder kotzen, hat er auch schon einmal gesagt.
Ja, Kinder kosten Zeit, kosten Nerven, kosten Geld. Nicht so sehr, wenn sie klein sind. Da genügt ein Tragetuch und viel Mama, eine kleine Ecke am Elternbett, später ein Bettchen im Zimmer der Geschwister. Irgendwann aber wollen Kinder ein eigenes Zimmer, Sport machen, Trommeln lernen, Reiten gehen. Irgendwann verstehen Kinder das ein oder andere nicht und sitzen mit einer unparteiischen und unemotionalen Nachhilfelehrerin da und büffeln.
Kinder kosten – manchmal die Karriere, weil die immer noch nach 17 Uhr gemacht wird. Weil Männer immer noch fragen, wie man “das da” (gemeint ist die Führungsposition) denn mit diesen drei Kindern vereinen möchte. (eine Freundin sagte auf diese Frage einmal, sie sperre die Kinder seit Jahren in die Besenkammer, die sie mit Eierkartons vernagelt habe – das Schweigen der Personaler war ein betreten und pikiert …)
Kinder kotzen. Und das nicht nur einmal im Jahr. Sie husten, schnupfen, bringen undefinierbare Virusinfekte mit nach Hause, und auch wenn sie die Eltern nicht anstecken, müssen die zu Hause bleiben, bis die Kinder wieder gesund sind.
Und Kinder brauchen Zeit. Diese Zeit möchte ich ihnen geben. Jedem Kind. Dem Kleinen zum Kuscheln, Bücheranschauen, Träumen. Der Mittleren zum Buchstabenpinseln, Weltentdecken, Saltos machen. Und auch der Große braucht noch so viel gemeinsame Zeit, zum Lernen, Philosophieren, für Fragen der Alltagsethik, und um schlichtweg irgendwo zur Ruhe zu kommen. Jedes Kind sollte eine Zeit nur mit Mama oder Papa haben, in der es sich nicht wie ein Teil eines Rudels fühlt, sondern im Mittelpunkt steht. Unser Tag hat aber nur 24 Stunden.
Und ich? Wie viel bin ich bereit zu investieren? Da ich gerade beruflich wieder Fuß gefasst habe und am Monatsende das gute Gefühl habe, notfalls könnte ich mich allein ernähren, und wenn ich mehr arbeiten würde, hoffentlich auch die Kinder? (Abhängigkeit ist auf Dauer kein gutes Gefühl)
Ja, denke ich, natürlich könnten wir auch ohne Auto, ohne eigenes Zimmer, ohne gute Nahrung, ohne regenfeste Kleidung und ohne ein zweites Einkommen leben – aber will ich das? Ausnahmsweise sagt da auch mal der Bauch Nein …
Bei manchen Menschen scheint alles so klar: sie fahren einen Multivan, bekommen sechs oder mehr Kinder, der Vater bringt das Geld nach Hause, die Mutter bewirtschaftet zusammen mit Au Pair und Großmutter Haus und Hof. Mehrstimmige Gesänge des Innenlebens – sind ihnen die fremd? Oder haben sie einen besseren Dirigenten?
(Dieser Artikel stellt nur meine persönliche Meinung dar und keine Wertung für oder gegen die Entscheidung für Kinder. Er ist nur ein Spiegel meiner eigenen beschränkten Gedankengänge … )