Es tut gut, den Akku aufzuladen – nur müsste ich eigentlich die nächsten Tage im Energiesparmodus verbringen, damit es bis zum nächsten Wochenende reicht … Die Bilder sind teilweise im Garten der Lieblingskita aufgenommen, der am Sonntag für alle als Spielplatz zur Verfügung steht. Schön, den Kindern wenigstens ansatzweise regenerative Energien zeigen zu können.
Posted on März 21st, 2011 by Ordinarylife | No Comments »
“Ist es nicht schrecklich? Man mag gar nicht mehr hinschauen! Mich macht das so fertig. Diese Bilder!” In Wartezimmern, bei der Arbeit, in Blogs. Immer die gleichen Sätze. Japan wirkt. Es wirkt, weil wir Bilder in Echtzeit haben. Bilder von Menschen in Strahlenschutzanzügen, Müttern, kleinen Kindern, verwüsteten Landstrichen, überfüllten Unterkünften. Bilder erzeugen Angst, Mitgefühl, Unsicherheit, die Frage, was wäre, wenn ich dort stünde. Das ist gewollt, sicherlich. Was mich an den obigen Kommentaren verärgert, ist diese Nabelschau. Die fängt an mit dem Hamstern von Jodtabletten und Geigerzählern, geht weiter bei Diskussionen darum, ob man nun Fischstäbchen und Sushi noch essen darf und endet damit, dass man sich fragt, was denn Fukushima mit mir persönlich und meinem sensiblen Seelenleben anrichtet. Darum geht es doch gar nicht. Wir sind weit, weit weg von der Katastrophe, und jedes Gefühl, dass sie uns nah sei, wird durch die Illusion des Fernsehers erreicht. Die Bilder, die wir sehen, wenn wir sie sehen wollen (es steht jedem frei, den Fernseher auszuschalten, die Zeitung ungelesen zum Altpapier zu legen und das Internet zu anderen Zwecken als zur Information zu nutzen -Medienkompetenz muss man sich im Zweifelsfalle selbst beibringen, wenn es die Schule nicht getan hat … ), diese Bilder sind für die Menschen in Japan Lebenswirklichkeit. Die können sich nicht fragen, wie es ihnen damit geht, dass sie täglich Menschen in Strahlenschutzanzügen sehen, ihre Heimat dem Erdboden gleichgemacht wurde, sie müssen damit leben lernen, dass das Morgen in jedem Fall anders wird als es das Gestern war, vielleicht für immer. Und wir fragen uns, was das mit UNS macht.
Posted on März 18th, 2011 by Ordinarylife | 6 Comments »
“Damit müsst Ihr an die Zeitung gehen! Ihr müsst die Medien nutzen!” Diesen wohlwollend dahergesagten Satz haben wir in den letzten Tagen mehrfach gehört, wenn es darum ging, dass dem Tochterkind ab Sommer der Kindergartenplatz gestrichen werden soll, obwohl sie noch nicht schulpflichtig ist. Heute abend, nach erneuter fruchtloser Mailkorrespondenz, war ich kurz davor, die Lokalredakteurin vor Ort anzuschreiben. Und habe dann das Mailfenster geschlossen und wütend das Notebook zugeklappt. Vermutlich brauchen wir Öffentlichkeit, das mag sein, aber mir ist soeben klar geworden, dass ich das Leben und Schicksal meines Kindes nicht in der Presse breittreten will, nicht in der Lokalpresse, nicht bei Herrn Plasberg, nicht auf dem Marktplatz mit Unterschriftensammlung. Wen geht das etwas an? Irgendwann in der Pubertät zeigt uns das Kind den Vogel und fragt uns, ob wir nicht mehr alle Tassen im Schrank hatten damals. Stattdessen: Petition einreichen. Geht auch online. Ganz ohne Öffentlichkeit.
Posted on März 17th, 2011 by Ordinarylife | 6 Comments »
Es gibt Tage, die sind neu, frisch und unbenutzt. Sie riechen in der Regel besser und fühlen sich gut an. Und es gibt Tage, die sind gebraucht. Heute ist so ein Tag. Schon morgens um acht. Da sitzt man im Büro und verkneift sich die Tränen, möchte den sofortigen Lottogewinn oder zumindest so viel finanzielle Sicherheit, dass man sich manche Begegnungen nicht antun muss. Gebrauchte Tage springen generell nicht sofort an, muckern manchmal unnötig viel rum, und man möchte ihnen manchmal gern vor den Kotflügel treten, aus Wut und Verzweiflung. Leider gibt es für gebrauchte Tage keine Abwrackprämie.
Da man darum auch gebrauchte Tage irgendwie zu Ende bringen muss, ist es schön, wenn der Paketbote am Nachmittag neue bunte Lieblingsstifte vorbeibringt, nachdem die Kinder die alten kleinen Stummel nicht mehr halten konnten. So bekam der gebrauchte Tag wenigstens einen bunten Anstrich …
Posted on März 17th, 2011 by Ordinarylife | 3 Comments »
dass Deutsch meine Muttersprache ist. Wie schön könnte ich sonst Briefe und Mails an Behörden schreiben, sie mit kuriosen Wortbildungen implizit beschimpfen und alles darauf schieben, dass ich doch noch Deutsch lerne.
(ich hatte mal einen sehr lieben Kollegen in Schweden, der in der Schule Deutsch gelernt hatte. Er weigerte sich, in Englisch zu kommunizieren, da er sein Deutsch aufpolieren wollte. Seine Mails beinhalteten Sätze wie “Am Donnerstag planiere ich dich …” (heißt, am Donnerstag plane ich, dich anzurufen), und gern unterschrieb er mit der Grußformel “Härtliche Grube” (Herzliche Grüße).
Wenn da nicht langsam mal Bewegung in unser Kindergartendings kommt, planiere ich die Verantwortlichen und drohe mit ihrem Zwangsaufenthalt in härtlichen Gruben.
Posted on März 16th, 2011 by Ordinarylife | No Comments »
Unlängst las ich in der ZEIT, dass sich das Selbermachen seit der Wirtschaftskrise 2008 großer Beliebtheit erfreut. Passend dazu fand ich vorgestern in der Buchhandlung einen Büchertisch mit Titeln wie diesem (keine Sorge, ich habe keines der Bücher gekauft). Dennoch fiel mir auf, dass der Grad an Selbstversorgung, seit wir Kinder haben, im Lauf der Jahre immer weiter gestiegen ist. Das Brot unter der Woche, die Brötchen am Wochenende, der Kuchen für den Sonntag, die Kekse und das Knuspermüsli für zwischendurch, regelmäßige Mahlzeiten, Kräuter auf der Fensterbank und im Sommer im Garten, ein kleiner Apfelbaum, Johannisbeeren und Co. Ich weiß, dass wir es nicht schaffen, zu vollständigen Selbstversorgern zu werden, das ist auch gar nicht mein Ziel, sonst müsste ich Land hinzukaufen, einen Stall, Kühe und Hühner (und da ich weder Gärtnerin noch Bäuerin bin, würde ich sicher kläglich scheitern und müsste meinen Schreibtisch samt Notebook gegen Overall und Spaten eintauschen – außerdem bin ich nicht konsequent ökofundamentalistisch
), aber trotzdem gefällt es mir, in manchen Dingen des Lebens zu sagen, müssen wir nicht kaufen, können wir selbst machen. Knete, Salzteig, Krapfen, Marmelade, den ein oder anderen Stoffbeutel, Geburtstagskarten und und und … Ich weiß nicht, woher dieses Gefühl der Befriedigung resultiert, Dinge mit den eigenen Händen gemacht zu haben (wobei ich fürchterlich stümperhaft nähe und stricke und auch nicht so recht die Zeit finde, das mit den Kindern zu ändern), ist es das schöne Gefühl, ein klein wenig Kontrolle über den Konsum zu haben (wo doch ansonsten alles außer Kontrolle gerät?).
Abgesehen davon: ein gutes Vollkornbrot kostet 3-4 Euro. Wir essen davon mindestens eines am Tag. Der Besuch des Bäckers würde, inclusive Kuchen und Brötchen, sicher mit 200 Euro pro Monat zu Buche schlagen – selbstgemacht sind wir, obwohl wir die Zutaten aus biologischem Anbau kaufen, mit einem Viertel bis Drittel der Summe dabei. Irgendwann hat mich dieser Film sehr berührt. Manchmal denke ich darüber nach, wie es sich anfühlen würde, dem Tagesgeschäft einfach den Rücken zu kehren und aus der Zivilisation zu desertieren. Nicht idyllisch sicherlich, aber vielleicht heilsam.
Posted on März 16th, 2011 by Ordinarylife | 10 Comments »
des Großen ging mir durch den Kopf. Und die Theodizeefrage. Selbst schuld, wenn man Theologie nie zu Ende studiert hat. Vielleicht wäre ich ja sonst um ein paar Antworten reicher?
httpv://www.youtube.com/watch?v=7jJZanSXPWM
Posted on März 15th, 2011 by Ordinarylife | 3 Comments »
Da ich ihre Idee witzig finde, mein Hirn wattig und die Umgebung sowieso in Nebel getaucht ist, auch von hier Kühlschrankbilder. Innerhalb des ganzen Gerümpels, das draußen am Kühlschrank pappt, gefällt mir das alternde Ehepaar am meisten, das mir der Mann mal schenkte, als ich drohte, über der Vermehrung der grauen Einzelhaare und Einzelfalten quasi über Nacht in tiefe Depression zu fallen …
Posted on März 15th, 2011 by Ordinarylife | No Comments »
Wenn ich lese, bin ich drin. Mehr, als mir manchmal gut tut. Ich lese in der Zeitung von Ehedramen und Kindsmörderinnen und bin eine gepeinigte Ehefrau oder vergrabe meine Kinder in Blumentöpfen. Ich habe eine unheilbare Krankheit und muss Abschied nehmen von allen, die ich liebe. Ich lese einen Krimi und stecke mittendrin im Serienmord und sorge mich um die alleinstehende Nachbarin. Jemand müsste mir manchmal eine Ohrfeige geben, mir einen Eimer Wasser über den Kopf schütten oder mich ordentlich anschreien, damit ich merke, dass das nicht mein Leben ist, das ich mir soeben übergezogen habe. Meist komme ich irgendwann von allein wieder in meinem Leben an.
Momentan lebt mein Kopf in Japan, ich frage mich, wie sich die Millionen Menschen fühlen, Eltern und Nicht-Eltern, ob der schrittweisen Zerstörung ihres Landes, gegen die niemand etwas ausrichten kann, der Ungewissheit, welches Ausmaß die nukleare Katastrophe hat und haben wird, der Frage, wie viele Menschen unter den Trümmern noch geborgen werden. Und nein, es hilft nicht, das Buch zuzuschlagen, die Zeitung beiseite zu legen, das Fenster zu öffnen und tief Luft zu holen oder zu schreien. Die Bilder bleiben, das Wissen bleibt, die Trauer. Wie ein Ascheregen über der Welt. Festgestellt, dass es ab 2011 auch hier in der Provinz einen Ökostromtarif gibt und den Vertrag mit den Stadtwerken gekündigt. Lauter unbedeutende Dinge am anderen Ende der Welt.
Posted on März 15th, 2011 by Ordinarylife | 4 Comments »
am falschen Ort.
Dummerweise in der Klasse gesessen, in der der durchgeknallte Amokläufer losballerte. Auf der Mittelspur der Autobahn gefahren und keine Möglichkeit mehr, dem Laster auszuweichen, der plötzlich ausscherte. Ins falsche Flugzeug gestiegen. Einem ärztlichen Kunstfehler zum Opfer gefallen. Einen Moment lang nicht aufgepasst. Die Erde bebt, das Wasser tritt über die Ufer, ein Atomkraftwerk kollabiert.
Leben ist zerbrechlich wie Porzellan. Und wir glauben, es sei aus Stein, und an einigen Tagen brechen wir unter den gefühlten Steinen zusammen. Dabei sind es eigentlich nur Federn. Und wenn wir in der Gegenwart manchmal glauben, dass es uns enorm schlecht geht, können wir nicht wissen, ob wir uns nicht irgendwann zurücksehnen in die beste Zeit unseres Lebens, in der nichts geschah, in der es ein Frühstück gab, vielleicht etwas Stress am Arbeitsplatz, ein angebranntes Omelette – was ist das schon? Ich stehe demütig vor meinem ereignislosen Alltag und starre hilflos auf die Katastrophe.
Posted on März 12th, 2011 by Ordinarylife | 4 Comments »