Archive for April, 2011

Letztens am Frühstückstisch

Wir sprachen über Wunden. Der Mann zeigt mir seinen Zeigefinger mit einer schmalen kleinen Narbe darauf und sagt: “Schau mal, da habe ich mich mit sieben Jahren geschnitten. Hat geblutet. Meine Mutter hat sofort den Krankenwagen gerufen!” Ich zeige dem Mann die Narbe, die sich auf der Kuppe meines Daumengelenks befindet und sage: “Da war ich auch sieben. Habe mir mit der Brotmaschine nicht nur Brot, sondern auch die Kuppe abgeschnitten. Hat geblutet wie Schwein. Mein Vater kam aus der Scheune, hat die abgeschnittene Kuppe wieder draufgesetzt, ein sauberes Küchenhandtuch drumrum gewickelt und mir den Auftrag gegeben, kräftig zu drücken, bis es aufhört zu bluten. Die Kuppe ist wieder angewachsen.” Ähnliche Verletzungen und völlig unterschiedliche Wege, damit umzugehen. Erstaunlich eigentlich, dass wir bei unseren Kindern aus dem Bauch heraus gemeinsam den goldenen Mittelweg gehen …

Posted on April 27th, 2011 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Entspannung

unter dem Kirschbaum beim Griechen sitzen und der Natur beim Malen zuschauen.

Posted on April 26th, 2011 by Ordinarylife  |  2 Comments »

Mail des Tages

Im Rahmen der Einzelfallprüfung ist hinsichtlich der Betreuung Ihrer Tochter in Abstimmung mit allen am Verfahren Beteiligten ein Verbleib im kommenden Jahr in der Kindertageseinrichtung zu ermöglichen. Ich freue mich, Ihnen diese erfreuliche Mitteilung machen zu können.  

Sicher, ich freue mich auch, sogar sehr! Aber liebe Leute,

a) Was ist das für ein immenser Aufwand, bei jedem Kind, das 2011 vom Schulbesuch zurückgestellt wurde, eine Einzelfallprüfung vorzunehmen und

b) Was wäre passiert, wenn wir uns nicht auf die Hinterbeine gestellt hätten? Kitaplatz weg? Kind in Schule zwangseingewiesen? Monatliche Betreuungskosten allein uns aufgebürdet?

War das so gemeint mit dem kinderfreundlichen Deutschland, der immensen Bedeutung frühkindlicher Bildung und dem chancengleichen Zugang jedes Kindes zu Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zur Hochschule? Und ich sage jetzt nicht, dass unsere Region seit 2005 als Modellregion für Entbürokratisierung gefeiert wird, sage ich nicht, nein. Ich lächel nur müde.

Posted on April 26th, 2011 by Ordinarylife  |  9 Comments »

Manchmal frage ich mich …

… mitten im Alltag, zwischen Kürbisgnocchi und Tomatensoße, während die Kinder im Sandkasten Törtchen backen, der Blütenduft mich beinah umhaut, die Sonne das Gesicht wärmt und der Wind kühlt, womit ich all das Glück eigentlich verdient habe. Und dann merke ich, das ist die falsche Frage. Glück muss man nicht verdienen, sondern sehen, einatmen, eine Farbkopie im Herzen ablegen – genießen und weitergeben.

Posted on April 25th, 2011 by Ordinarylife  |  3 Comments »

Heute so

httpv://www.youtube.com/watch?v=VK4TwstB2AM

Posted on April 22nd, 2011 by Ordinarylife  |  No Comments »

Die heilige Inquisition

- oder warum Kinder in Untersuchungsausschüsse gehören -

Meine Kinder reden viel. Und geschätzte 75% ihrer Redezeit stellen sie Fragen. Sachfragen sind dabei noch am einfachsten  zu beantworten, entweder ich weiß es oder wir schauen gemeinsam nach oder probieren es aus. Sachfragen stellen aber nur einen Bruchteil aller Fragen dar. Viel beliebter sind Fragen dieses Typs: “Wenn der Mann doch weiß, dass Rauchen gefährlich ist – es steht ja auf der Verpackung – warum raucht er trotzdem?” oder “Warum fährt der Mann bei Rot über diese Kreuzung, wo doch gestern hier aus genau diesem Grund ein Unfall passiert ist?”, “Warum sagst du uns immer, wir sollen Konflikte gewaltfrei mit Worten regeln und die Erwachsenen schießen Bomben auf andere Länder?” Ja, mein Kind, weil es Menschen sind. Weil Menschen oft nicht lernfähig sind, weil sie den kurzzeitigen Genuss über die langfristigen Folgen stellen, weil sie meinen, keine Zeit zu haben. Weil sie Macht demonstrieren müssen. Weil weil …

Sehr beliebt sind auch Fragen wie: “Warum liegt auf dem Beifahrersitz Wiesenschaumkraut?” “Weiß ich nicht!” “Kann es sein, dass es dir einer geschenkt hat und du es NICHT in die Vase gestellt hast?” “Mmmmh” (das schlechte Gewissen wird laut, hatten mir die Kinder Wiesenschaumkraut geschenkt?) “Warum stellst du es nicht jetzt in die Vase?” “Weil es schon verwelkt ist!” (ich bekenne mich schuldig, ich vergesse Wiesenschaumkraut auf Beifahrersitzen, weil ich stattdessen den Großeinkauf und das Kleinkind hineingeschleppt habe, und ich entschuldige mich und verspreche, dass es nie wieder vorkommt).

Inqusitorisch wird es auch, wenn die Kinder Überreste vom Schokoladenpapier auf dem Sofa finden. “Habt Ihr gestern Kin.derschok.olade gegessen? Ohne uns? ZWEI Riegel? Und den Müll nicht weggeworfen?” Ja, zwei Riegel, abends, nach all dem Wahnsinn, und vor lauter Müdigkeit reichte es dann nur noch zum Zähneputzen, nicht mehr zum Aufräumen. Ja, auch die Eltern sind verfressene, unordentliche Wesen, Kind, aber ich denke, das ist gut so, denn Roboter könnten dich nicht zu einem Menschen erziehen.

Manchmal denke ich, bewahrt euch dieses penetrante Fragen, lasst euch nicht mit “Mmmh” und fadenscheinigen Ausreden abspeisen. Geht den Dingen auf den Grund, auch wenn ihr dabei manchmal nicht auf Gegenliebe stoßt. Aber werdet um Himmels willen nicht satt und glaubt, auf alles eine Antwort zu haben.

Posted on April 19th, 2011 by Ordinarylife  |  3 Comments »

Edition Paperline

mit UMTS, WLAN, langlebigem Akku, kompatibel mit Windows und iWork, hochauflösendem, nicht spiegelndem Bildschirm, lautloser Lüftung – und das Beste: passt in jede Hosentasche und ist nahezu bruchsicher! (made by No.2)

Eiphone und Notbook Edition Paperline

Posted on April 19th, 2011 by Ordinarylife  |  5 Comments »

Und sonst so?

- Ich arbeite derzeit in jeder freien Minute. Aber ich kann mich nicht einmal im Blog darüber ausheulen, weil es nichts zu heulen gibt. Ich habe mich in ein Thema hineingearbeitet und es gibt viel zu tun, es macht Spaß und ich nutze den freien Morgen, manchmal auch den freien Abend, und manchmal auch ein paar Stunden am Wochenende. Dafür das Gefühl “Ich kann das” und “Ich bin an dieser Stelle genau richtig”. Flow!

- Ich schaue die Kinder an, umarme sie, schnupper an ihnen, lache und denke “Wow – ich will mehr von euch ;-) ” … Ja, das alles ist Wahnsinn, und vielleicht geht es anderen Menschen so, wenn sie Katzen sehen, oder Geld? Aber Leben ist elementarer. Und nein, es ist gar nichts geplant und alles only in my dreams.

- Die Vergreisung schreitet voran. Im Nachbarstädtchen machen die Kindergärten zu, stattdessen schießen Siedlungen für betreutes und / oder barrierefreies Wohnen aus dem Boden, und wo früher ein Spielzeugladen war, ist jetzt ein Bestattungsinstitut. Ich habe nichts gegen das Alter, aber Probleme damit, selbst im Alter in Senioren-Monokulturen zu leben. Ich hoffe auf einen großen Haufen Enkelkinder, die mich vom Wehklagen über meine Gebrechen fernhalten, hedonistisches Kreisen um den eigenen Bauchnabel (meine Bauchtanzgruppe, meine Kaffeefahrt, mein Schrebergarten, meine nächste Weltreise, mein Pferd, mein Balkon, ich, ich, ich) unterbrechen und das Leben so aprilhaft bunt machen wie es meine Kinder jetzt tun. Und bitte, lass mich nie so engstirnig werden, dass ich wegen Hausfriedensbruch die Polizei hole, wenn ein Kind einen Ball in meinen Garten geschossen hat und selbst zurückholen möchte.

- Ich mag Wind. Dieses Rütteln an den Fensterläden, die gebogenen Bäume, die frische Luft, die schnell vorüberziehenden Wolken. In diesem Wetter bin ich zu Hause. Es ist, als würde ich in einen großen Spiegel schauen!

httpv://www.youtube.com/watch?v=-OAXCy3YS54&feature=related

Posted on April 12th, 2011 by Ordinarylife  |  7 Comments »

Opfer der Wortbildung

Das große Töchterchen war gestern mit dem Kindergarten bei der Aufführung eines Liedermachers. Als ich es abholte und gespannt fragte, wie sie denn das Ganze fand, fand ich das Kind mit vorgeschobener Unterlippe vor, völlig enttäuscht darüber, dass die Lieder alle schon fertig waren. Liedermacher, so dachte das Kind in merkwürdiger Analogie zu Kaffeezubereiter oder Dosenöffner, sei doch etwas, wohin man mit einem Text oder einer Geschichte ginge, und der mache dann ein Lied daraus, quasi aus dem Stehgreif.

“Aber die Lieder waren alle schon fertig, und er hat gar keine neuen mehr gemacht, obwohl ich ihn gefragt habe!”, maulte das Töchterchen enttäuscht vor sich hin, und der Liedermacher, dem offenbar peinlich war, dass er nicht spontan neue Lieder aus dem Ärmel schütteln konnte, holte als Entschädigung das Kind auf die Bühne und es durfte dort mit ihm ins Mikrofon singen. So viel zum Thema “Man muss einfach mal sagen, was man erwartet!” (dann bekommt man es zwar nicht unbedingt, dafür darf man einen Nachmittag lang Rampensau spielen – also, von mir hat sie das nicht. Oder?)

Posted on April 6th, 2011 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Und wo kommste nun wirklich wech?

Als ich von zu Hause auszog, war ich 19. Das, was ich studieren wollte, hätte ich zu Hause studieren können, aber ich wollte nicht. Nach der Schule hatte ich mir verschiedene Unis angeschaut: Bielefeld, Paderborn, Münster, Bochum und Göttingen. Aus einem rational nicht nachvollziehbaren Grund blieb mein Herz an Bochum kleben, so als finde man im Garten einen zerzausten Spatz, von dem man weiß, dass er sich ganz schnell ganz tief ins eigene Herz graben würde. (vielleicht war es auch nur die energiegeladene Sekretärin im Fachbereich Geschichte, die mich stark beeindruckte, die Kaninchen im Stadtpark oder die Currywurst am Engelbertbrunnen, ich weiß es nicht mehr)

Ich überzeugte meine Eltern, dass ich nur und ausschließlich in Bochum studieren wollte – und zog aus. Und begann  zu leben. Endlich konnte ich den Spieß umdrehen und die Welt kennen lernen. Zu Hause war es stets umgekehrt: Alle Welt kannte mich und die Familienprobleme, und wo ich auch hinging, ich brachte meine Geschichte mit. Nun ging ich hin und die Geschichte begann neu mit mir. Ich studierte, lernte Menschen kennen, die mich prägten, Orte, Off-Kinos, Theater und Kabarett, Stadtparks, U- und S-Bahn-Linien, wirre Dozenten und glasklare Professoren, Studentenjobs in Callcentern, Altenheimen, Bibliotheken und Behinderteneinrichtungen. Saß abends in Kneipen, an WG-Tischen, lachte viel und genoss eine unglaubliche Freiheit. Zu Hause hatte ich immer gefroren, doch plötzlich waren Hände und Füße warm, auch im Regen und im Winter. Ich war ich und hatte gerade erst davon erfahren.

Und so kommt es wohl, dass ich zum Revier eine ganz besondere Leidenschaft hege. Manchmal zurückfahre, mich in die U-Bahn setze, den Menschen zuhöre, wie sie sprechen, die oft grauen Fassaden anschaue, weil sie mir so vertraut sind in ihrer Hässlichkeit, darüber staune, wie viele Menschen an der Ruhr spazieren gehen, ohne sich dabei über den Haufen zu trampeln. Manchmal sitze ich auch in Kneipen und wundere mich darüber, dass man neuerdings mit Skateboard und Käppi studiert, ich freue mich, mit den Kindern ins Bergbaumuseum unter Tage zu fahren und anschließend Currywurst zu essen. Würde gern länger bleiben, um abends noch ins Theater und anschließend in die Kneipe zu gehen und muss doch zurück in die Provinz. Horche auf, wenn jemand Jahrhunderthalle, Kemnader Stausee oder Bermudadreieck sagt.

Stelle fest: Mein Herz hat mehr als eine Heimat.

httpv://www.youtube.com/watch?v=A0t8Flz9Alk&feature=related

Posted on April 5th, 2011 by Ordinarylife  |  5 Comments »