Archive for Mai, 2011

Regentagezeitvertreib

Mit dem großen Mädchen Papierreste aus der Schublade zu einem Kleid für eine vornehme Dame zusammenstellen. 24 Zimtschnecken backen (und nach und nach aufessen). Die Mini-Wassermelone, die uns die Biokiste ganz unökologisch letzte Woche ins Haus gebracht hat, mit Schafskäse und Basilikum vertilgen. Warum hat mir niemand vorher gesagt, wie lecker das schmeckt? Hmmm …

Feststellen, dass die Strickjacke im Bett liegt und das kleine Mädchen darauf schläft. Vielleicht gleich sofort neben Jacke und Kind legen und gleichfalls einschlafen. Gute Nacht!

Posted on Mai 31st, 2011 by Ordinarylife  |  No Comments »

It’s just Rain

An Tagen wie diesen, wenn der Mairegen ein lautstarkes Trommelkonzert auf den Dachfenstern veranstaltet, denke ich an einen kleinen, dicken Busfahrer in Irland. Irgendwo in den Galtee Mountains. Wir wollten mit dem Bus vom einen Ort zum nächsten fahren, es war Sommer, die Sonne schien, als wir den Bus bestiegen. Mittendrin öffnete der Himmel seine Schleusen und ein furioser Sommerregen ergoss sich auf die Gebirgskette, die Straßen und den Bus. Binnen Minuten floss das Wasser in großen und kleinen Bächen den Berg hinunter, an dessen Fuß die Straße entlangführte. Vor uns hielten die ersten Autos an, weil sie in den Wassermassen nicht weiterkamen, und der kleine dicke Busfahrer strahlte übers ganze Gesicht, öffnete die Bustür, stand mit leuchtenden Augen da und schaute zum Himmel. Ich weiß nicht mehr, ob er “Beautiful” rief, oder “Ain’t it lovely?”, aber man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, er höre einer virtuosen Komposition zu oder betrachte ein außergewöhnliches Kunstwerk. Schließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, und während wohl alle Touristen im Bus glaubten, ertrinken zu müssen, riss er sich los, rief den Autofahrern zu, sie sollten doch zu ihm in den Bus steigen, bis der Regen vorbei sei, so ein Bus versinke nicht so schnell im Wasser wie ein Auto. Und darüber hinaus sollten sie sich nicht so aufregen, es sei ja nur Regen, come on guys, it’s just rain! Überflüssig zu erwähnen, dass der Regen, wie typisch irischer Landregen, nach weiteren zehn Minuten so jäh aufhörte wie er begann und die Sonne hinter den Wolken hervorkrabbelte. Für die liegengebliebenen Autos organisierte der kleine dicke Busfahrer noch einen Abschleppdienst und setzte seine Fahrt fort, als sei nichts gewesen. Und manchmal, wenn mir das Wasser bis zum Hals steht, denke ich “Come on guys, it’s just rain!” – im Rheinland würde man es wohl mit Et hätt noch immer joot jejange übersetzen. Busfahrer im irischen Hinterland, das wohl vorletzte Abenteuer der Menschheit!

Posted on Mai 31st, 2011 by Ordinarylife  |  2 Comments »

Heute dann mal so

Schmorgurke mit Bulgur-Rosinen-Walnussfüllung, überbacken mit Tomatenscheiben, dazu Joghurt mit Minzeblättern. Dabei kommt das Gemüse aus der Region und ich halte es für komplett unschuldig, und gewaschen wird bei uns auch eigentlich gründlich, aber ich kann mich nicht ganz frei machen von all den Warnmeldungen. Und bei euch so? Gurkensalat und Tomaten mit Mozzarella von der Speisekarte gestrichen? Ich stelle fest, dass ich mittlerweile wochen- oder monatelang auf Fleisch verzichten kann, aber ein guter Tomatensalat, Gurke mit Dip etc., zumal wir uns mitten fast schon im Frühsommer befinden, die vermisse ich schon.

(und ich denke, da ist so viel aus dem Takt geraten in unserer Welt: zu viele Rinder auf zu engem Raum, zu viele Antibiotika, zu viel Gülle, überdüngte Felder, krankmachendes Gemüse, profitgierige Händler, Preiskämpfe, Lebensmittelpreise an der Börse gehandelt. Wer Lebensmittel herstellt und verkauft, trägt Verantwortung. Viel Verantwortung für viele Menschen. Und wo ist der Respekt vor der Nahrung geblieben? Vollgestopft mit Dünger, gefüttert mit Antibiotika und Antidepressiva?

Frage auch: warum Gurken aus Spanien, wenn Gurken aus der Region bereits reif sind? Immer mehr und immer billiger? Heute beim seltener werdenden Einkauf beim Discounter festgestellt, dass der Joghurt und die Milch vom Biohof nebenan nur 5 Cent pro Liter teurer sind als die Milch und der Joghurt aus dem Supermarkt. Vorsatz für die nächsten Wochen: den schrittweisen Ausstieg aus der Lebensmittelglobalisierung beschleunigen …)

Posted on Mai 28th, 2011 by Ordinarylife  |  8 Comments »

Traurige Statistik

Eben diese Zahlen gelesen. Ich geh mal ne Runde heulen. (diese Zahlen, klein und am Rande. Ebenso die Info, dass die befürchtete Kernschmelze in Fukushima eingetreten ist. Klein und am Rande. Manchmal verstehe ich die Relevanzzuschreibungen der Tagespresse nicht. Im Mittelpunkt heute stattdessen: Gurken)

Posted on Mai 27th, 2011 by Ordinarylife  |  No Comments »

Vorwürfe

Am Freitag waren wir auf dem Erdbeerfeld. Die Kinder haben, wie jedes Jahr, ein paar Erdbeeren direkt nach dem Pflücken gekostet. Ungewaschen. Angesichts der jetzigen EHEC-Fälle und der Fülle an Tipps zum Waschen und Durcherhitzen von Nahrungsmitteln habe ich ein arg schlechtes Gewissen. Aber hilft ja nicht. Demnächst nur noch gewaschen, gekocht, sterilisiert und unspontan …

Posted on Mai 24th, 2011 by Ordinarylife  |  3 Comments »

Anwalt der Kinder

Wolfgang Bergmann ist am 18. Mai gestorben. Ich habe seine Bücher gern gelesen, weil sie sich wohltuend vom populären Schrei nach Disziplin und diversen Kampfansagen an die kindliche “Tyrannei” abheben, weil die Liebe im Mittelpunkt steht und nicht die Trickkiste mit den 25 Tipps für eine bessere Erziehung. Was er wohl zu dieser Diskussion im Anschluss an den SPON-Artikel gesagt hätte?

Ich habe den Artikel gelesen und gedacht “Ja, nein, stimmt, stimmt nicht!” Zum ersten: Kinder sind keine Monster. Kinder sind Menschen, die wir auf dem Weg in ein würdiges Erwachsensein begleiten. Wir schieben sie nicht und wir laufen nicht vor ihnen her, um ihnen den Weg zu ebnen, wir gehen neben und mit ihnen. Zum zweiten: mir erscheinen die Beispiele im Artikel arg konstruiert. Wenn ich irgendwo ein Kind treffe, das mir vors Schienbein tritt, sage ich dem Kind deutlich, dass das so nicht geht, und ich habe bislang noch keine Eltern getroffen, die mir in diesem Fall eine Einmischung verboten hätten. Wenn meine Kinder sich in der Öffentlichkeit nicht regelkonform benehmen, weise ich sie deutlich darauf hin. Wenn sie weiterhin den Supermarkt zusammenschreien, nehme ich sie auf den Arm und gehe mit ihnen zum Auto, notfalls ohne Einkäufe. Und wenn die Verkäuferin zum großen Kind sagt, Mensch, Kind, du siehst aber müde aus, geh mal früher ins Bett, dann empfinde ich das nicht als übergriffig – ich weiß ja selbst, er liest zu lange, aber ich war genau so.

Was mich nervt, ist ein Umfeld, das immer alles besser weiß. Der Säugling schreit, also hat er Hunger, Angst, bekommt im Tragetuch keine Luft, braucht einen Nuckel oder mal was Ordentliches zu essen. Die Fünfjährige hat einen schlechten Tag, kommt weinend aus dem Kindergarten und die erzkonservative Nachbarin sagt “Ach, armes Kind, musste die Mutti heut so lange arbeiten? Ist aber auch anstrengend so ein Tag in der Krippe!” Danke auch. Ursachenforschung betreibe ich lieber allein, denn ich kenne die Hintergründe.

(im Übrigen, was würde der Autor sagen, wenn man ihm im Supermarkt mit pädagogischem Unterton nahelegen würde, doch bitte das Rauchen oder den Konsum von Alkohol zu unterlassen, das ruiniere nicht nur seine Gesundheit, sondern das komplette Gesundheitssystem? Indiskrete Einmischung, oder?)

Darüber hinaus: Was im Artikel beschrieben wird, betrifft doch nicht nur Kinder. Wir fühlen uns für nichts und niemanden mehr verantwortlich. Da können in U-Bahn-Schächten Menschen verprügelt, vergewaltigt und getötet werden – und wir schauen weg. Hauptsache, es betrifft uns nicht. Und am liebsten würden wir doch weglaufen, wenn uns jemand anspricht und um Hilfe bittet. Ich klage ja manchmal darüber, dass ich ein “Sprich mich an”-Schild auf der Stirn kleben habe: ich bin es, die den älteren Damen den Orangensaft aus dem obersten Regal holt, dem Mann im Rolli die Klotür im Zug aufhält und sich die Geschichten vom Weltwirtschaftswunder anhört, die der Herr an der Supermarktkasse zum Besten gibt. Vielleicht sollte ich das Schild einfach mal positiv betrachten: ich kann nicht wegschauen, insofern sollte ich vielleicht noch genauer hinschauen. Vielleicht fallen sie mir dann auch auf, die vielen Kinder, die ältere Herren an Supermarktkassen traktieren und die Mütter, die sich jegliche Einmischung in die Erziehung verbitten.

Um es kurz zu machen: Kinder sind keine Monster, und genau das wusste Wolfgang Bergmann.

Posted on Mai 23rd, 2011 by Ordinarylife  |  No Comments »

Wochenende: Farben

Posted on Mai 22nd, 2011 by Ordinarylife  |  2 Comments »

Erziehungspartnerschaft

Wenn früher in Fachartikeln oder Hochglanzbroschüren die Rede von diesem Begriff war, hielt ich ihn für ein hochtrabendes Füllwort. Kein Wunder in einem Kindergarten, in dem man die Eltern nur als Kuchenlieferant und den Elternrat als lästiges Übel betrachtete. Seit unsere beiden Mädchen das Paradies auf dem grünen Hügel besuchen, weiß ich, dass Erziehungspartnerschaft keine Phrase ist. Selbst wenn die Kinder nicht täglich im Wald wären, wöchentlich forschten, turnten, musizierten, kochten, Videos drehten und über weltbewegende Themen wie Atomkraftwerke und Stuttgart 21 redeten – ich würde dort bleiben. Einfach weil das Klima stimmt. Die Erzieherinnen zuhören, hinschauen, jedes Kind beim Namen nennen und in seinen Besonderheiten kennen, Herzenswärme statt Prinzipien walten lassen und den Dialog mit den Eltern sehr ernst nehmen.

In der letzten Woche hatte ich Feedbackgespräche zum ersten Halbjahr – und es war so erfreulich anders. Im alten Kindergarten habe ich mich gefreut, wenn die Erzieherinnen wussten, wie unser Kind heißt. Als Feedback kam meist so etwas wie “Er hat mal mit einem Baustein um sich geworfen, das fanden wir nicht so gut” oder “Er spielt schon mal mit Puppen”. Nach zehn Minuten war die Vorstellung beendet.

In der letzten Woche nahmen sich die Erzieherinnen für jedes Kind eine Stunde Zeit, der Kaffee und der Schokokuchen stand auf dem Tisch, das Feedback sollte eindeutig “nicht defizitorientiert” sein, und ich war erstaunt, welch umfassende Perspektive ich auf meine beiden Mädchen bekam. Es fand so viel Austausch statt, gegenseitiges Rückversichern, Klarheit und ja, Liebe zu den Kindern, Reflexion über das eigene Tun und seine Wirkung. Am Ende des Gesprächs wurde ich gefragt, ob denn der Kindergarten meine Erwartungen erfüllt habe. Ich war verwirrt, denn solche Fragen kenne ich eher aus Dienstleister-Rückmeldungen. Dass sich der Kindergarten als solcher versteht, war mir neu und versetzte mich in Staunen.

Und ich frage mich: warum können Kindergärten so unterschiedlich sein? Mit gleichen finanziellen Mitteln, ähnlich ausgebildeten Erzieherinnen, vergleichbarem Personalschlüssel und sonstigen Rahmenbedingungen? Ist es die Leitung, die den Unterschied macht? Engagierte Pädagogin mit Bodenhaftung versus Innenausstatterin im alten Kindergarten, der nur die Optik am Herzen lag und die kurz vorm Nervenzusammenbruch stand, wenn mal wieder ein Kind mit schmutzigen Stiefeln über den Spielteppich getappst war? Der Krankenstand im neuen Kiga geht gegen Null. Im alten Kindergarten war ständig jemand krank, über Wochen krankheitshalber beurlaubt etc….

Liegt es daran, dass sich der neue Kiga regelmäßig eine externe Supervision gönnt? Ich bin verwundert, nehme dankend an und finde es doch so schade, dass Kindergarten nicht überall so sein kann. Und wie kann man den Zauber von der einen Einrichtung in andere übertragen? Best Practice Modelle oder das Personal austauschen? Und warum wird die Fliesengröße in Fleischereien akribisch kontrolliert, während man in Kindergärten, wenn man nur die Hygienestandards beachtet, tun und vor allem lassen kann, was man möchte?

Posted on Mai 20th, 2011 by Ordinarylife  |  14 Comments »

Den Anschluss verloren

habe ich hier gerade. Dabei gäbe es so viel zu berichten. Darüber, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben berufliche Gemeinheit am eigenen Leib erfahren musste. Nein, nicht beim neuen Auftraggeber, der alte hat nachgetreten, und zwar so heftig, dass es mir tagelang die Sprache verschlagen hat. Normalerweise suche ich nach Motiven für das Handeln anderer Menschen, aber mir fiel es in diesem Fall sehr schwer. Wie gekränkt kann man eigentlich sein, wenn ein Mitarbeiter geht, dass man versucht, ihm die Zukunft in neuen Projekten madig zu machen? Ganz mieses Schmierentheater lief hier ab um mich herum in den letzten Wochen, und der Mann sprach bereits von meiner persönlichen “Daily Soap”, wenn ich morgens den Mail-Account öffnete. (ich hätte gern auf diese Soap verzichtet) Mittlerweile habe ich Abstand gewonnen von den Dingen, versuche zu verzeihen, auch wenn es mir schwer fällt, und mich darauf zu konzentrieren, dass mein Wissen und meine Kompetenzen bei mir bleiben, egal wie viele Knüppel mir gerade zwischen die Beine geworfen werden. Glücklicherweise gibt es genügend Menschen, die mir beruflich Rückhalt bieten.

Das kleinste Mädchen ist seit zwei Wochen komplett windelfrei. Von einem Tag auf den anderen. Auf die Frage “Willst du mal ohne Windeln herumlaufen?” antwortete es mit einem begeisterten “Ja!”, und seitdem waren sage und schreibe zwei Unterhosen nass. Und das Kind übt sich in Perfektion. Während Nummer 1 und 2 sehr lange auf die Toilette begleitet werden mussten und sich darin gefielen, sich das Klopapier anreichen zu lassen und gemeinsam Hände zu waschen, geht das kleinste Kindelein einfach ohne große Ankündigung zur Toilette, schließt gepflegt die Tür, klettert auf die große Brille, wäscht sich ordentlich die Hände – ich gebe zu, ich bin immer noch baff, und mehr und mehr denke ich, alles hat seine Zeit, die großen Dinge und die kleinen, und wenn der Apfel reif ist, fällt er.

Ich habe eine Entdeckung gemacht. Dieses Kochbuch von Yotam Ottolenghi. Abgesehen vom merkwürdigen Einband, der sich anfühlt und ausschaut wie Tante Hildes altes Sofa, ist es eine Schatztruhe ungewöhnlicher vegetarischer Gerichte. Wir haben mehrfach aus dem Buch gekocht und es war einfach nur wow, Geschmacksexplosionen auf der Zunge, Urlaubsgerüche in der Küche, Kinder, die um uns herumtanzten und riefen “Es duftet wie im Himmel” – und völlig leergeputzte Schüsseln. Für Fleisch ist derzeit gar kein Platz im Speiseplan ;-)

Zum ersten Mal seit fast drei Jahren habe ich mich morgens, während meiner Arbeit am heimischen Schreibtisch, davongeschlichen. Einmal war ich Laufen, zweimal Schwimmen. Und es fühlt sich richtig an. Beim ersten Mal dachte ich noch, das geht nicht, entweder ich muss arbeiten oder ich muss die Kinder um mich herum haben, aber beim dritten Mal verließ mich das schlechte Gewissen und wich einem Gefühl von unbändiger Freiheit. Ich. Schwimmen. Allein. (und im heimischen Waldbad bei 16 Grad Außentemperatur ist man auch wirklich allein)

Es ist Frühling. Auch wenn die Seele ein paar blaue Flecken hat. Und dass der Toiletten-Content direkt vor dem Küchen-Content steht, liegt daran, dass hier Stream of Consciousness durchgängiges literarisches Prinzip ist.

Posted on Mai 19th, 2011 by Ordinarylife  |  1 Comment »

Die Sehnsucht nach Erwachsenen

Es gibt Tage, und manchmal reihen sich diese Tage auch an Tage, da bin ich ausschließlich mit den Kindern zusammen – und sehne mich nach Erwachsenen. Krankheitstage gehören zu diesen Tagen, Tage, an denen sich der Mann auf Dienstreise befindet, die Kita und die Schule geschlossen haben, meine Arbeit auf dem Schreibtisch liegen bleiben muss, bis es Abend ist und keinerlei Verabredungen existieren. Ich genieße das Zusammensein mit den Kindern, ich lese gern vor, male mit ihnen, gehe in der Natur auf Entdeckungsreise, verpflastere aufgeschlagene Knie, hole dreimal tief Luft und wasche mir mit kaltem Wasser das Gesicht, wenn zwei von drei Kindern mit dem falschen Fuß aufgestanden sind. Was aber bleibt, ist diese Sehnsucht. Manchmal verbringe ich Nachmittage mit der Freundin, die auch drei Kinder hat. Diese Nachmittage sind oft unglaublich entspannend für uns beide. Die Kinder spielen miteinander, es bleibt Zeit zum Reden, Lachen und Nachdenken. Ich behaupte, es könnten auch 10 oder 12 Kinder sein, und die Situation wäre dieselbe. Ich glaube, Kinder brauchen Kinder, und Erwachsene brauchen Erwachsene. Und früher gab es beides: Kinderhorden, die um Haus und Hof tobten, Erwachsene, die miteinander und oft zeitgleich ihre Arbeit erledigten. Die Kinder gehören dazu, das ist keine Frage. Aber der Schritt von der Arbeit in Haus und Hof zum ausschließlichen Muttersein, Mutti-Entertainer und -Chauffeur, der sein komplettes Leben an den Kindern ausrichtet, die Frau, die einsam mit ihrem Nachwuchs in der Vorstadtsiedlung sitzen bleibt, während der Mann zur Arbeit fährt, dieser Schritt erscheint mir manchmal unnatürlich. Und ich freue mich, wenn der Mann von der Dienstreise zurückkehrt, ich das trotzende Kleinkind in den Arm nehme, er eine Augenbraue hochzieht und ich lächle. All diese Kleinigkeiten. Bevor wir uns in der Vorstadt der Vorstadt niedergelassen haben, hatten wir Unterlagen über ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt zu Hause liegen. Ich wäre morgen am Tag in eines der Häuser gezogen. Leider hätte uns das ganze Unterfangen ein Vermögen gekostet, und wie man hört, haben sich in diesem Wohnprojekt bislang eher Senioren denn Familien niedergelassen. Schade eigentlich. Es wäre so meins gewesen.

Posted on Mai 5th, 2011 by Ordinarylife  |  6 Comments »