Archive for Mai, 2011

Abenteuerlich

Der Mann von den Stadtwerken hat eben beim Auswechseln des Wasserzählers in der Waschküche nicht nur alle Kabel (Internet, Telefon und Co.) entstöpselt (und einen Teil davon in verkehrter Reihenfolge wieder eingestöpselt), nein, er hat auch die restlichen Kabelenden in den Wassereimer gehängt, den er während des Wechselprozesses mit Wasser gefüllt hatte. Guter Mann, wollten Sie uns alle umbringen? Oder war das ein neuer Feldversuch, ob Wasser eventuell noch besser als Glasfaser zur Datenübertragung taugt?

Posted on Mai 4th, 2011 by Ordinarylife  |  4 Comments »

Ein Frauendings?

Vor sechs Wochen habe ich meiner Hauptauftraggeberin den Rücken gekehrt. Vorangegangen waren einige unschöne Erlebnisse, Gespräche, die so gar nicht meiner Vorstellung von partnerschaftlichem Miteinander entsprachen und vor allem: ein absolut inakzeptabler Stundenlohn. Putzen hätte ich für mein Gehalt gehen sollen, aber nicht fünf komplexe Projekte leiten. Ich habe mehrmals auf dieses Defizit hingewiesen, ohne Erfolg. Als sich die Gelegenheit bot, habe ich gewechselt. Habe nun einen höheren Stundenlohn, einige sehr fruchtbare Kontakte aufgebaut und die nächsten Monate gut zu tun. So weit. Spannend nur, wie die maskuline Umwelt das Ganze interpretiert: “So ne typische Frauensache”, höre ich da immer wieder. “Ihr beiden (Auftraggeberin und ich) kamt wohl nicht gut miteinander klar, oder?” “Männer streiten da mal, und dann ist es wieder gut!”

Oh, und mich macht das so wütend. Ich bin nicht gegangen, weil meine Lieblingsfarbe rot und ihre vielleicht grau ist. Nicht, weil wir uns emotional angekeift hätten oder ich unter PMS leide. Der Grund war schlicht und einfach: wir stimmten in dem Produkt, das zu entwickeln war, absolut nicht überein, und noch wichtiger: ich habe unter Wert gearbeitet. Und ich bin gegangen, weil ich gesehen habe, dass sich die Dinge nicht ändern würden. Was daran ist weiblich? Ein Frauendings war es vielmehr, diesen Auftrag überhaupt angenommen zu haben – freundlich, unterbezahlt und lächelnd, weil das Projekt so spannend war. Schon merkwürdig, wie Männer dieses Verhalten interpretieren. Wenn sie selbst wechseln, wechseln sie, weil sich eine Karrierechance auftat, weil der neue Job besser bezahlt war – und wenn Frauen wechseln, tun sie das, weil sie emotionale Weicheier sind? Meine lila Ader schwillt an ;-)

Posted on Mai 4th, 2011 by Ordinarylife  |  No Comments »

Ein Kind kostet

nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes bis zu seinem 18. Lebensjahr so viel wie ein kleines Einfamilienhaus. Mehrfach habe ich diesen Satz in der Vergangenheit gelesen, und gestern kam er mir wieder unter die Augen, in einer US-amerikanischen Studie, in der Eltern über ihre Lebenszufriedenheit befragt wurden und um so mehr Gründe für Kinder (er)fanden, je deutlicher ihnen vor Augen geführt wurde, was Kinder kosten. (es waren ca. 190.000 Dollar bis zum 18. Lebensjahr). Und mein Bauchgrummeln wurde stärker und stärker. Ja, Kinder kosten, und vielleicht hat das Statistische Bundesamt diese Zahl nur irgendwann ins Rennen gebracht, um deutlich zu machen, wie viel Geld Eltern berappeln müssen, bis ihre Kleinen groß sind. Aber die argumentative Verwendung dieser Summe für oder gegen Kinder ist doch im Grunde genommen fernab jeglicher Ethik. Ein Kind gegen ein Haus. Die Mehrkindfamilie gegen eine Reihenhaussiedlung. Wenn das Kind nicht da wäre, könnten wir schöner wohnen, uns ein Boot kaufen, mehr in den Urlaub fahren. Hat das Statistische Bundesamt eigentlich mal errechnet, wie viel Geld meine Auftraggeber sparen würden, wenn ich nicht da wäre? Und welchen Anteil an Ama.zon ich bis zu meinem 80. Lebensjahr aufgekauft habe? Welche Summen die kinderlosen Nachbarn gegenüber sparen würden, wenn sie nicht alle zwei Wochen vom Gärtner ihre Hecke stutzen ließen und statt Wein Kamillentee tränken? Vielleicht würde es der Staatskasse ja auch besser gehen, wenn wir alle weg wären? (halt, nein, da war doch noch was, ach ja, die Steuerzahler!)

Ein Menschenleben gleich X.0000 Euro. Diese Rechnung kann nicht aufgehen, weil rechts eine Zahl steht und links die Unendlichkeit. Weil Familien keine Versicherungsanstalten sind, und weil sie, obwohl sie eine Wirtschaftseinheit bilden, nicht ausschließlich nach betriebswirtschaftlichen Prinzipien leben. Weil Geld Geld ist und Menschen Menschen sind.

Posted on Mai 3rd, 2011 by Ordinarylife  |  12 Comments »