Ich und die Wurst

Wenn man Filme wie “We Feed the World” oder “Food Inc.” schaut, versteht man sie manchmal nicht mehr, die Menschen, die sich bergeweise Hackfleisch, Rollbraten und Fleischwurst in den Einkaufswagen legen. Ehrlich gesagt habe ich sie schon vorher nicht recht verstanden. Ich bin nicht fleischlos aufgewachsen, im Gegenteil. Mein Vater hatte drei Rinder und zehn Schafe, und im Winter wurde schon mal ein halbes Rind gegen ein Schwein getauscht. Gewurstet wurde selbst, und bis auf die Blutwurst habe ich Fleisch und Wurst ganz gern gegessen. Braten gab es allerdings auch nur sonntags, und abends oft auch mal Kräuterquark oder Gemüsesuppe statt Wurstbrot. So haben wir es auch in der Familie eine ganze Zeit lang gehalten. Fleisch nur am Wochenende, mitgeliefert in unserer Biokiste – vom eigenen Hof. Und eine Wurst oder ein Stück Schinken fürs Frühstück oder Abendessen. Ansonsten Käse, Gemüse-Brotaufstriche (da bietet die orientalische Küche unglaublich leckere Sachen an), Quark oder einfach mal ein Butterbrot. Das Paradoxe am Fleisch scheint aber zu sein: je weniger man davon isst, desto weniger braucht man. Manchmal beim Kochen frage ich mich, wann wir eigentlich das letzte Mal Fleisch gegessen haben. War es eine Woche her, waren es zwei Wochen? Hinzu kommt, dass der Körper so sonderbare Dinge entwickelt: Hackfleisch anbraten für die Bolognese beispielsweise, das war am Wochenende schon fast Folter, obwohl es gutes Fleisch ist, und heute musste ich den Supermarkt (mit Essenstheke) fluchtartig verlassen, weil der Geruch eines merkwürdigen Fleischgerichts (ich tippe mal auf Grützwurst) den ganzen Laden durchwaberte. Kann man sich das Fleischessen am Ende ganz abgewöhnen, ohne den wirklichen Vorsatz zu haben? Sehr merkwürdig das. Und ob sich das wieder gibt? Meine Eisenwerte sind besser als zu Zeiten, in denen ich mehr Fleisch vertilgt habe. Und die Kinder? Freuen sich nach wie vor über ein Wienerle in ihrer Suppe oder eine Minifrikadelle zum Kalten Buffet. Da Schule und Kindergarten aber fleischarm bzw. vegetarisch kochen, vermisst niemand so recht die tägliche Dosis Frischfleisch.

Stattdessen schwelge ich grad hier – sehr lecker, und mit Abstand die teuerste App, die ich bislang gekauft habe, aber im Vergleich zum Kochbuch enorm günstig.

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