Erntedank

Heute sind wir früh aufgebrochen, um den Erntedank-Gottesdienst auf unserem Lieblingshof zu feiern. In einer Scheune. Inmitten von Getreidehaufen, Strohballen, Sonnenblumen, mit Kühen, die neugierig von der Wiese aus ihre Hälse reckten, um zu schauen, warum da in ihrer Scheune so viel Lärm war. Während der Bauer vom Säen und Ernten erzählte, vom warmen April und kalten August, unterdurchschnittlichem Grasschnitt im Frühsommer und prächtiger Kartoffelernte jetzt im Herbst, da dachte ich, dass wir Zivilisationsmenschen verlernt haben, Danke zu sagen für das, was uns täglich geschenkt wird. Wenn uns Schulmedizin und Novel Food Industrie die Mähr vom Übergewicht einreden, ist das Essen auf dem Tisch für viele am Ende keine Gabe, sondern ein Feind, böse Verführung, bestehend aus einem Haufen Kalorien.

Dabei könnten wir ungeheuer reich sein. Um uns herum hängen die Bäume voll Obst, die Kürbisse sind reif, die letzten Tomaten schmecken so süß, als sei jemand mit dem Zuckerstreuer vorbeigelaufen, und der Biohof verschenkt Kartoffeln, weil die Ernte so prächtig war. Am Kindergarten haben wir Äpfel gesammelt und daraus Kompott gekocht. Die Natur gibt, wir müssen nur nehmen, so viel wir brauchen, und aufhören, wenn es genug ist.

Und weil mir der heutige Blogbeitrag von Frau Frische Brise so gut gefiel, hier die Dinge, für die ich dankbar bin:

- für den alten Herrn auf dem Wochenmarkt, dessen Wangen so rot waren wie die der Äpfel, die er unseren Kindern schenkte, mit den Worten “Äpfel und Milch und Honig müssen wir den Kindern geben, immer nur das Beste, sie sind unsere Zukunft!”

- für die Wochen voller Sonnenschein, die mein Jammern über den kalten Sommer haben verstummen lassen.

- für die Tage voller Leben, Begegnungen, stille Übereinstimmung in Blicken, Momente des Wiedererkennens.

- für die Menschen, die ich liebe. Die mir meine Grenzen aufzeigen und dabei helfen, sie zu erweitern.

- für das Brot, das ich esse, und dafür, dass es nicht nur Brot ist.

- für die Berge, Täler, Geröllhaufen in meinem Weg, denn ohne sie wäre ich nicht ich.

- dafür, dass ich noch nicht fertig bin und immer weiter werden darf.

Und damit das hier nicht Überhand nimmt mit der Pathetik … der Sohn fragte, warum die Pastorin nicht dieses Lied auf ihre Liste gesetzt habe:

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