Archive for the ‘Dies und das’ Category

Bäääh …

… ich mag nicht mehr. Keinen Tag länger Schneeanzüge an- und ausziehen, Rollsplitt aus dem Treppenhaus kehren, überall nasse Pfützen wegwischen, Schnee fegen, streuen, kalte, raue Finger, Lippen und Wangen mit Creme bearbeiten, ich habe die Nase gestrichen voll und will, dass du weggehst, du Winter, stattdessen klebst du vor der Haustür mit der Hartnäckigkeit eines Staubsaugervertreters. Aber von meinen Nussecken kriegst du nix ab ;-)

nussecken

Posted on März 10th, 2010 by Patricia  |  4 Comments »

Ja, wo leben wir denn hier?

Gestern abend beim Eintragen der Steuerfreibeträge über die Steuer-Software WISO tauchte bei uns folgendes Fenster auf – man beachte die rot markierte Option:

In welchem Schurkenstaat leben wir denn bitteschön, dass man Bestechungsgelder steuerlich geltend machen kann? Ist die Zahlung von Bestechungsgeldern so gängige Praxis, dass sie in Steuersoftware übernommen wird? Und wer bitteschön gibt DAS an? Sehr schön ist auch der Punkt einige Zeilen darunter “Entgelt für ein freiwilliges Einsammeln und Verwerten leerer Flaschen”. Ich war ja schon immer der Meinung, dass das deutsche Steuerrecht für Normalbürger nicht einfach zu verstehen ist – aber mittlerweile denke ich, die Macher müssen bek.ifft gewesen sein …

bestechungsgeld2

Posted on März 9th, 2010 by Patricia  |  1 Comment »

Non-Stop Talking

Ich bin kein schweigsamer Mensch, aber es gibt in meinem Leben durchaus Minuten am Tag, an denen ich nicht kommuniziere, sondern vor mich arbeite, lese, nachdenke – und dabei schweige. Ähnlich der Mann an meiner Seite. Darum frage ich mich immer wieder, woher unsere Kinder das Non-Stop Talk Gen haben. Der Größte machte den Anfang: seit er mit knapp zwei Jahren der Zwei- und Dreiwortsätze mächtig war, redete er. Pausenlos. Fragt. Sagt. Denkt laut. Singt. Redet. Referiert. Erklärt. Lacht. Redet. Beim Zähneputzen, auf der Toilette, unter der Dusche, beim Essen, Trinken. Manchmal könnte man meinen, sein Leben verliefe unter der Devise “Ich rede, also bin ich.” Seine mündliche Mitarbeit sei sehr gut, sagt die Lehrerin. Manchmal rede er auch, wenn er nicht gefragt werde. Wundert mich jetzt nicht.

Das große Tochterkind, dachten wir erst, ist schweigsamerer Natur. Bis wir merkten, dass sie weniger redet, weil sie weniger hört. Seit ihrer Paukenröhrchen-OP hört sie Wörter, Sätze, Laute, die sie vorher nie gehört hatte, und sie holt auf und macht ihrem großen Bruder mittlerweile mächtig Konkurrenz. Im Reden. Manchmal sogar nachts, im Schlaf. Ich gehe an ihrem Zimmer vorbei und frage mich, was los ist. Das Kind redet. Und schläft. Unglaublich.

Das kleine Tochterkind erfreut uns täglich mit mehr Wörtern, was ungemein praktisch ist, denn was man benennen kann, muss man nicht mehr herbeischreien. Wenn die beiden Großen in mein linkes und rechtes Ohr schreien reden, mischt sie mittlerweile munter mit. Und da das mit den zusammenhängenden Sätzen noch nicht so ganz klappt, ruft sie fröhlich in enormer Lautstärke “Maaama, Paaaapa, Aaaanna, Heeeidi”, so dass ich schon mehrmals meinen Kopf abgesucht habe, ob mir eventuell ein drittes Ohr wächst, das den beiden anderen Entlastung bieten könnte.

Bevor mich jetzt jemand falsch versteht: ich mag es, dass meine Kinder viel reden. Dies ist kein Problem-Beitrag ;-) Ich erfahre (noch) eine Menge über ihren Alltag in Schule und Kindergarten, die Dinge, die sie bewegen, warum sie traurig sind, was in ihren Köpfen vor sich geht – wir können zusammen Lexika wälzen und Fragen beantworten, die ich mir selbst nie gestellt habe. Ich bin auch sehr froh darüber, dass das große Tochterkind mittlerweile sprachlich gut mitmischen kann. Und natürlich gibt es auch Momente, in denen die Kinder nicht reden. Wenn sie sich auf ihr Spiel konzentrieren. Wenn sie ausschneiden. Wenn sie über etwas nachdenken. Wenn sie das “Sandmännchen” gucken.

Nur manchmal, an manchen Tagen, da frage ich mich, woher haben die das? Das mit dem pausenlosen Reden? Von mir? Vom allerbesten Mann? Und an manchen Abenden, da kann ich selbst nicht mehr reden. Bloß kein Telefonat mehr. Schon gar nicht eines, wo ich zuhören muss. Nur schweigen. Und der Ruhe zuhören. Dem Ticken der Uhr, dem Gurgeln des Kühlschranks und der tiefen, tiefen Nacht.

Posted on März 6th, 2010 by Patricia  |  2 Comments »

Nachschlag

Eigentlich schon vom Mittwoch, aber lecker sind Krautnudeln, Pastinakenpuffer und Kohlrabigratin auch noch am Wochenende – das Obst haben die kleinen und großen Menschen schon vertilgt und die Blutorangen waren einfach nur hmmm … (süß, nicht sauer!) ;-)

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Posted on März 6th, 2010 by Patricia  |  No Comments »

Je weniger, desto besser

In Kindergarten und Schule dreht sich derzeit viel ums Essen, und ich finde das ganz toll, weil man als Eltern mit seinem Vollkornbrot, Obst und Gemüse nicht allein auf weiter Flur steht, sondern vormittags tatkräftig von Autoritäten (niemandem außer den Eltern glaubt ein Kind mehr als der Grundschullehrerin ;-) ) unterstützt wird. Schön auch, wenn das Tochterkind einen Lolli auswickelt, dreimal dran leckt (damit die Zunge orange wird), ihn dann etwas angewidert in den Müll wirft und sich eine Banane holt – ohne dass ich in den Predigermodus schalten muss. Und noch viel schöner, dass frisches, gesundes Essen gut schmeckt und die Kinder das auch merken.

Als ich Kind war, sprach man in Kindergarten und Schule nicht darüber, wie man dem Körper mit gesundem Essen Gutes tut. Da meine Eltern mit anderen Dingen beschäftigt waren (s.u.), gab es für mich nur selten warmes Essen, ich habe mich ähnlich wie Pippi Langstrumpf irgendwie ernährt: von Kuchen, Cornflakes, Fertigpizza und Co. Ich war nicht dick, aber zeitweise ein richtiges Pummelchen, und Bilder aus meiner Kindheit schaue ich mir immer noch nicht gern an. Irgendwann dann, mit 13, stand ich vor dem Spiegel, fand mich unerträglich fett und hungerte mich fortan mit einem Apfel und einer Scheibe Knäckebrot jeden Tag ein bisschen mehr weg, bis ich bei einer Größe von 175cm bei 39 Kilo angekommen war. Bezeichnenderweise merkten das nicht meine Eltern, sondern meine Sportlehrerin.

Mitte der 80er bestand die Anorexie-Therapie in den Kliniken der Umgebung in Bettruhe mit Magensonden. Ich habe mich gesträubt, geweigert und gesperrt, und meine Eltern (die Besseres zu tun hatten), haben kapituliert. Irgendwann im Sommer stand ich im Garten, im üppigen, prallen Grün und wusste, ich wollte leben. Und zum Leben gehörte auch Essen. Irgendwie. Und von da an ging es, und ich lernte schrittweise und unter Mithilfe einiger lieber Menschen, richtig und mit Genuss zu essen.

Anfangs war da noch der besorgte Blick auf die Waage, aber je mehr ich lebte, desto unbedeutender wurde er. Als ich schwanger war, nahm ich zu, danach dann wieder ab, ohne Diät – und bin, habe ich letztens festgestellt, wieder beim Ausgangsgewicht, das irgendwann einfach wieder da ist, nach allen Schwangerschaften …

Und je weniger ich über das Essen nachdenke, womit ich endlich dabei wäre, was ich eigentlich sagen wollte, desto besser ist es. Kein verkrampftes Kalorienzählen, gutes Essen mit Genuss und in Gemeinschaft – ich wünsche mir, dass meine Kinder das mitnehmen aus ihrer Kindheit, sich weder überfressen, wenn sie groß sind noch meinen, unästhetischen Model-Maßen nacheifern zu müssen. Ich wünsche mir, dass sie ihrem Körper niemals den Krieg erklären, sondern gut mit ihm umgehen …

Posted on März 4th, 2010 by Patricia  |  7 Comments »

Geburtslieder

Als ich eben wahllos am Ipod herumdallerte, fiel mir auf, dass ich noch nirgendwo festgehalten habe, welche Lieder die Geburten meiner Kinder begleitet habe, obwohl sich diese Lieder so sehr eingebrannt habe, dass mir wohl bis zum Lebensende die Tränen kullern, wenn ich sie höre. Beim Großen, im dann doch trotz aller Bemühungen sehr sterilen Krankenhaus, hatte ich eine Handvoll CDs ausgewählt, die ich gern im Kreißsaal hören wollte, mir fehlte aber mit fortschreitender Weherei der Nerv, den DJ zu spielen, darum übernahm das die diensthabende Hebamme, indem sie in Endlos-Schleife eine CD spielte, auf der sich unter anderem “The Lion Sleeps Tonight” befand. Witzig, wenn man bedenkt, dass das mein Sternzeichen und das des kleinen großen Sohnes ist. Der tatsächlich sehr verschlafen und ruhig und keineswegs brüllend das Licht der Welt erblickte.

Das große Mädchen hatte dann hatte das Glück, im neu eröffneten Geburtshaus das Licht der Welt erblicken zu dürfen. Da ich in den Wochen zuvor einen wunderbaren Yoga-Kurs besucht hatte, liefen im Hintergrund Kundalini-Mantren, ähnlich wie diese hier, ich hätte gern meine verlinkt, aber die finde ich nirgendwo …  Die Geburt verlief äußerst friedlich, das Tochterkind brüllte allerdings kräftigst, als es auf die Welt kam. Ob ihm die Musik nicht gefallen hat? Später allerdings ist sie dabei gern im Tragetuch eingeschlafen …

Beim kleinen Mädchen traf mich die Geburt zwar nicht unvorbereitet, aber ich hatte keinerlei Lust auf Kurse und Vorbereitungsmaßnahmen, und so dudelte nach Platz.en der Fruchtbl.ase einfallslos, weil sie eben so im Player lag, diese CD im Wohnzimmer “Snoezelen. Traumstunden für Kinder” Dummerweise ließ sich das kleine Mädchen davon tatsächlich einlullern und legte nach vollständiger Öffnung des Mutt.ermund.es eine längere Snoezel-Pause ein. Dankenswerterweise fiel dem im Gegensatz zu mir denkenden Mann noch rechtzeitig ein, es mal mit den Kundalini-Mantren zu versuchen, und danach ging es ratzfatz weiter, bis sich die kleine Dickmamsell mit ihren breiten Schultern rauswuchtete, um zwischen uns auf dem Sofa ziemlich bald weiterzuschlafen ;-)

Ab und an höre ich die Geburtslieder – und dabei befällt mich stets so ein “Yes We Can!”-Gefühl – eine Mischung aus Aufbruchsstimmung, Stolz, freudiger Erwartung und eine aus einem wie auch immer gearteten Urvertrauen gespeiste Gewissheit, dass am Ende alles gut wird. Sollte ich wohl mal öfter hören, meine Geburtslieder …

Und was lief bei Ihnen so? (außer dem Fruchtw.asser?)

Posted on März 1st, 2010 by Patricia  |  12 Comments »

Fein

wenn man das große Kind ermahnt, doch bitte die Feuchttücher nicht in die Toilette zu werfen, weil sie davon verstopfen könnte und das große Kind, da ja nun des Lesens mehr und mehr mächtig ist, widerspricht, das stimme nicht so ganz, bis zu drei Tücher pro Spülgang dürfe man einwerfen. Ja, und was soll ich sagen? Recht hat er, und offenbar hat er auch noch das Wahllos-Alle-Packungsaufdrucke-Lesen-beim-Klogang von mir geerbt … *augenroll* (sorry, schon wieder Klo-Content)

Posted on März 1st, 2010 by Patricia  |  3 Comments »

Wenn man das Haus

den ganzen lieben Sonntag dank orkanartiger Böen nicht verlassen kann, wurschtelt man so vor sich hin …

moehrentorte

Jaa, ich weiß, es ist noch nicht Ostern, aber ich wollte eine Generalprobe für die Möhrentorte machen – und irgendwie musste ich den Rest Möhren aus der Biokiste ja verarbeiten (also die Möhren sind IM Kuchen, obendrauf nur Marzipan-Dummies) ..

roggenbrot

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Roggenbrot mit viel Zeit und viel Sauerteig, eigentlich und ursprünglich anthroposophisch rund und frei geformt, dann fiel mir der Laib aber beim Weg in den Ofen aufs Gesicht (also nicht auf meines, aufs Brotgesicht) und ich habe den renitenten Teig kurzerhand in die eckige Form gepresst …

hyazinthe

Das Tochterkind wollte Blumen basteln – und da haben wir schon wieder Klo-Content produziert, Hyazinthen aus Klorollen sind nämlich ein sehr netter Sturmsonntag-Zeitvertreib. (dass man nicht viel sieht, liegt am Weltuntergangswetter und der Weigerung der Kamera, den Blitz zuzuschalten …)

strebergarten

Dem Sohn wiederum war eine Blume nicht genug, er wollte einen ganzen Garten, und so sind wir den Altpapiervorräten ein wenig auf den Leib gerückt – irgendwie fehlt in diesem Modell noch was, es sieht arg brav aus, ich schätze wir sollten noch drei bis fünf Kinder dazubasteln, die die geordneten Beete verwüsten, mit Bällen Fensterscheiben einschlagen und abends am Grill einen Marshmallow neben dem anderen vertilgen.

 

Posted on Februar 28th, 2010 by Patricia  |  No Comments »

Was bin ich?

Nee, heute abend gehts nicht um diese Ratesendung mit Robert Lembke, die ich früher auf dem Sofa mit meinen Großeltern geschaut habe (typische Handbewegung wäre sicherlich bei mir derzeit der Griff Kühl-Akku oder Feuchttuch ;-) ); sondern eher darum, dass ich letztens auf einem Blog kommentieren wollte und merkte, dass das Ganze für einen Kommentar zu lang wurde.

Was bin ich, wenn ich, wie seit eineinhalb Jahren, nicht mehr jeden Morgen ins Büro gehe, keine wichtigen Telefonate mit wichtigen Menschen mehr führe, nicht mehr in wichtigen Meetings sitze, keine wichtigen Verträge vorantreibe und das Wichtigste, am Ende des Monats keine Abrechnung mehr in der Tasche nach Hause trage? Als Arbeiterkind habe ich seit Studienbeginn gearbeitet, um über die Runden zu kommen, niemandem auf der Tasche zu liegen, weil es komisch war, nur BaföG zu beziehen und last but not least weil Arbeiten zu meinem Leben dazu gehörte. Als wir mit dem ersten Kind schwanger waren, war klar, ich möchte schnell wieder arbeiten, denn ein großer Teil meines Selbst definierte sich mittlerweile durch das, was ich tat. Arbeit bedeutete für mich Anerkennung, Spaß, geistige Anregungen und nicht zuletzt Geld. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass mein Job mit der Geburt des Kindes weg sein könnte, unter der Hand weggemauschelt (”Sie haben doch jetzt ein Kind und können sicher in nächster Zeit keine Dienstreisen oder Überstunden machen!”) an einen strebsamen Kollegen, der weder schwanger war noch Teilzeit angemeldet hatte. Und weg war der Job, der Anerkennung, Spaß und geistige Anregungen bot – stattdessen ein langweiliger Routine-Job mit pünktlicher Lohn-Auszahlung.

Natürlich wurde das Ganze mit der Geburt des zweiten Kindes nicht unbedingt besser. Irgendwann aber verließen die herrschenden Männer das Unternehmen, eine Frau rückte nach und es ging aufwärts, da war er wieder, der Job mit Anerkennung, spannenden Themen, der ein oder anderen attraktiven Dienstreise – und manchmal habe ich es fast ein wenig bereut, mit Nummer 3 schwanger zu sein. Mitten in meiner Elternzeit dann ging meinem Unternehmen die Luft aus und ich war plötzlich “nur noch” Mutter. Ja, und da kam irgendwann, nicht gleich, eher Monate später, in mir die Frage auf: “Was bin ich? Worüber definiere ich mich? Was sind meine Erfolgserlebnisse? Was kann ich nicht so gut? Wo liegt meine Profession und wo bräuchte ich dringend eine Fortbildung ;-) ?”

Für meine Kinder war und ist klar: ich bin Maaamaaa, 24 Stunden am Tag, für die Erfüllung sinnvoller Wünsche und Verweigerung unsinniger Begehren verantwortlich, Vorleserin, Kuchenbäckerin, Basteltante, Chauffeuse, Friseuse, Masseuse, Salben-, Seelen- und Kühlakku-Therapeutin. Und ich? Wo waren meine Erfolgserlebnisse? Wenn die Kinder abends rosig und glücklich im Bett lagen? Wenn es am Tag Aha-Erlebnisse gab, wenn sie mich zu Tränen gerührt haben mit ihrer Liebe und ins Kissen haben beißen lassen mit ihrer Launenhaftigkeit und ich dennoch ruhig geblieben bin? Dass ich telefonieren, kochen, Nase putzen, Wickeln und Eltern-Info-Lesen gleichzeitig kann? Oder aber die kleingeistige Zufriedenheit nach einem umfassenden Hausputz, einem absolut geglückten Mousse au Chocolat? War das nicht ein bisschen wenig? Immerhin hatte ich studiert und war irgendwann mal wichtig …

Ja, und als ich letztens mein CV aufgefrischt habe zwecks Vorstellungsgesprächen in der Schule, da saß ich staunend vor meinem Lebensweg und dachte “Was? Das bin ich? Das habe ich mal gemacht? Bin ich das wirklich? Jetzt? Noch?” – und stellte fest, dass ich mich lange Jahre meines Lebens offenbar nur über meinen Beruf definiert habe, obwohl ich doch an vielen anderen Stellen im Leben (selbst)wirksam war.

Macht das überhaupt Sinn? In einer Zeit, in der einem von einem Tag auf den anderen der Boden unter den beruflichen Füßen weggezogen werden kann durch Kündigung, Krankheit, Entlassung, psychische Probleme u.ä.? Und warum halten wir bei 3,6 Millionen Arbeitslosen daran fest, dass wir uns daran messen, was wir an Erwerbsarbeit leisten? Und all die, die morgens nicht ins Büro, an die Baustelle, an die Fließbänder, hinters Steuer, in den OP-Saal wandern, sind die nichts, obwohl sie leben, arbeiten, denken, helfen, da sind? ”Nur” Hausfrau, “nur” Rentner, “spätrömisch dekadent” und und und … Beim Grüben über die spätrömische Dekadenz (dekadent im Alten Rom waren aber meines Erachtens die Herrschenden, nicht die Unterschicht) kam ich auf Hannah Arendts “Vita Activa”, mein Prüfungsthema, dachte darüber nach, dass irgendwann einmal der Homo Politicus, der denkende und handelnde Mensch großen Wert hatte und sich die Verhältnisse in der Neuzeit umgekehrt haben – das Animal Laborans, das “Arbeitstier” zum beherrschenden Grundbegriff geworden ist.

Und eigentlich, um ehrlich zu sein, stehen wir doch wieder an einer Zeitenwende, egal wie laut die Gewerkschaften nach Vollbeschäftigung für alle rufen. Und womit können wir die Leerstelle füllen, wenn die Akzeptanz für unbezahlte soziale Tätigkeit in Familien und Ehrenämtern absolut gering ist und den Lebenslauf nicht krönt, sondern entstellt? (lauter Fragen, ich weiß, und keine Antworten …)

Posted on Februar 27th, 2010 by Patricia  |  7 Comments »

Gibt es eigentlich

so etwas wie ein gesetzlich verbürgtes Grundrecht eines jeden Menschen auf EINEN ungestörten Toilettenbesuch pro Tag? So einen Besuch, an dem kein Kleinkind parallel alle Schubladen ausräumt, Duschgel und Zahnpasta kletternderweise vom obersten Regal räumt, Tamp.ons durch die Gegend kickt und die Toilettenpapierrolle in kleine Schnipsel zerreißt? Einen, an dem nicht die großen Kinder ungehemmt die Tür aufreißen, um irgend etwas enorm Wichtiges mitzuteilen, JETZT zur Sekunde die Hände waschen oder den Traum von letzter Nacht erzählen müssen.

Posted on Februar 26th, 2010 by Patricia  |  9 Comments »