Im Wartezimmer
Beim HNO. Mangels sonstiger Betreuungsmöglichkeiten mit allen drei Kindern unterwegs. Die Bude ist voll mit älteren Menschen. Genervten älteren Menschen. Die Ärztin hatte einen familiären Notfall und kommt zu spät. Jegliches Geräusch unserer Kinder, die sich wirklich bemühten, leise zu spielen, wird mit Stirnrunzeln und bösen Blicken quittiert. Eine ältere Frau versperrt mit ausgestreckten Beinen und Krücken den Weg zwischen Spieltisch und meinem Stuhl, wo ich mit der Kleinsten sitze und Bilderbücher anschaue. Der Sohn will zu mir. “Pass auf, meine Beine tun weh, renn hier nicht so rum!”, in einem Ton, der mich zusammenzucken ließ (der Sohn war langsam, hatte bislang an kein Bein gestoßen, war aber den Tränen nah). Er stieg vorsichtig über Beine und Krücken und raunte mir zu: “Mama, die Frau hat sich verlaufen. Die Ärztin untersucht doch Hase-Nase-Ohren (unsere Auslegung von HNO) und nicht Beine.” Ach Kind. Wie schön aber, dass die HNO ebenfalls drei Kinder hat und fröhlich zur Begrüßung rief: “Oh, Sie auch, drei Kinder!” (und im Behandlungsraum murmelte, die sollten alle mal den Mund halten, Dreijährige würden nun mal andere Geräusche von sich geben als Siebzigjährige). Zum Schluss gabs Gummibärchen für alle – das Glas war fast leer, und die Ärztin erklärte augenzwinkernd, sie habe den Großteil in den letzten Tagen aus tiefer Verzweiflung allein gegessen. Manchmal lohnt warten eben doch. Auch für die Diagnose, dass die Paukenergüsse verschwunden sind und wir damit sozusagen in letzter Minute vom OP-Tisch gehopst sind.

