Podruga hat das Thema angestoßen, und es beschäftigt offenbar viele, wenn man sich die Anzahl der Kommentare anschaut. Und ich merke, dass ich mit meiner Zerrissenheit nicht allein bin. Mit drei Kindern hat man viele Möglichkeiten, zu arbeiten oder nicht zu arbeiten. Bei den ersten beiden Kindern haben der Mann und ich die Elternzeit geteilt. Das war einerseits sehr schön, jeder von uns hatte entweder den Vor- oder den Nachmittag mit den Kindern gemeinsam, und den Kontakt zur Arbeit haben wir trotzdem nicht verloren. Andererseits sind in dieser Zeit Kollegen rasant auf der Karriereleiter an uns vorüber gezogen, obwohl wir in den Stunden, die wir gearbeitet haben, unser Bestes gegeben haben. Und den süffisanten “Schönen Feierabend”, den mir die kinderlose Kollegin um 14 Uhr hinterherwarf, werde ich bis heute nicht vergessen. Viel zu schnell (nach 6 Monaten) wurde mir nach Kind 2 die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder Vollzeit als Produktmanager in deinem Bereich, denn da bist du gut, oder du machst nur noch Aushilfstätigkeiten. Ja, was tut frau da? Aushilfe sein, obwohl sie studiert hat und doch den Job liebt, den sie macht? Nein, sie arbeitet brav Vollzeit, heult sich auf dem Nachhauseweg vor lauter Sehnsucht nach dem Baby die Augen aus dem Kopf, pumpt in den Pausen fleißig Milch ab und beneidet die Tagesmutter, die derweil lauter spannende Dinge mit den beiden Kleinen erlebt (man neigt in solchen Situationen ja immer dazu, immer das jeweils andere zu beneiden). Bei Kind 3 gab es Elterngeld, und ich hatte mir vorgenommen, ganz egoistisch, wenigstens dieses eine Jahr mit dem kleinsten Kind zu Hause zu bleiben. Durfte ich dann auch. Und dank Auflösung des Unternehmens, in dem ich gearbeitet habe, sogar noch ein Weilchen länger. Mittlerweile arbeite auch ich wieder, freiberuflich, es passt ganz gut in den Tagesablauf, aber die Bezahlung ist dennoch schlechter als früher, weil ich alle Risiken wie Kinderkrankheiten u.ä. allein schultern muss und natürlich nicht ungebremst Aufträge annehmen kann, da die Nachmittage den Kindern gehören. Manchmal sehne ich mich nach einem “ordentlichen” Job, aber eine Bewerbung auf verantwortliche Positionen mit drei Kindern gestaltet sich ähnlich, als wolle man sich einbeinig als Fahrradkurier betätigen. Drei Kinder in der Bewerbung stören bei Männern nicht die Bohne. Und nu? Wer wollte das wissen? Keiner vermutlich. Nur: ich weiß nicht die ideale Lösung. Es gibt sie wohl nicht. Nur das dazwischen, das Beste daraus machen. Und weder das eine noch das andere vor sich hertragen. Als ich Vollzeit gearbeitet habe, begegneten mir nur glückliche Möhren- und Pastinakenmütter, die beteuerten, es gebe nichts Schöneres auf der Welt, als am Rand des Sandkastens zu sitzen und Dinkelstangen zu reichen. Als ich zu Hause war und zum ersten Mal eine richtig entspannte Babyzeit genoss, nervte mich die Umgebung mit der Frage, wann ich denn endlich wieder arbeiten wolle. Was ich weiß: Geld ist nicht alles. Liebe sicherlich auch nicht. Aber ich hoffe, dass es den meisten Menschen, die sich einmal geliebt haben, im Fall einer Scheidung gelingt, eine Lösung zu finden, mit der alle irgendwie leben können – emotional wie ökonomisch (auch wenn es in vielen Beiträgen so erscheint, als würden Männer in einem gewissen Alter gern Biobauern in Timbuktu (Danke, Iris Radisch) und ließen Frau und Kinder allein zurück)
Es liegt vieles im Argen. Das neue Scheidungsrecht ist sicherlich nicht prickelnd für Frauen, die jahrzehntelang zu Hause waren und sich um die Kinder gekümmert haben. Der Staat betrachtet Kinderbetreuung mittlerweile ähnlich wie die Haltung eines Haustiers als Privatangelegenheit, und rententechnisch sollte man eigentlich durchgängig von der Adoleszenz bis zum Klimakterium für Verhütung sorgen – ein Depp, wer aussetzt, um Kinder zu bekommen. Rentenansprüche erwirtschaftet, wer arbeitet. Wer die Menschen großzieht, die die Rente der Menschen von morgen zahlen, interessiert nicht. Aber ein Kind ist nun mal kein Einfamilienhaus und eine Mehrkindfamilie keine Reihenhaussiedlung. Und ich geh nun zum Schreibtisch an die Arbeit.