Bedürfnisse
- ein Frühstück im Bett
- ein gedeckter Mittags- oder Abendtisch ohne Aufspringen, Wegwischen und Bedienen
- ein Tag Pause ohne Bronchitis, Bronchiolitis, Gastroenteritis und Co.
- ein Urlaubstag allein
- ein Kinobesuch zu zweit
- ein Theaterbesuch zu zweit
- sechs Stunden Schlaf am Stück
- ein Dankeschön
- ein Lächeln
- eine Runde Schwimmen
- ein Acht-Stunden-Tag mit Pausen und Feierabend
- wissen, dass die Kinder gut versorgt sind, wenn man sie selbst nicht versorgt
- eine Oma, die das Vorlesen eines Märchens nicht als Anstrengung, sondern Freude verbucht und nicht nur zweimal im Jahr mit einem Berg Plastikspielzeug anrauscht, um nach zwei Tagen wieder zu fahren, weil sie sich vom Märchenvorlesen (s.o.) erholen muss
- eine Kindheit mit Mutter
- finanzielle Sicherheit
Wie viele Jahre kann man Bedürfnisse aufschieben? Sechs? Zwölf? Achtzehn? Wenn dann die Zeit wäre, hat man dann die Bedürfnisse noch? Sind Bedürfnisse sowieso, per se und eigentlich Luxus?
Heute morgen strecke ich die Waffen. Ich kann offenbar gar nichts, ohne dass mir dabei irgendwann die Luft ausgeht. Als ich 40 bis 50 Stunden gearbeitet und Kinder und Haushalt hintendran gehängt habe, war ich erschöpft. Jetzt habe ich 12 Stunden pro Tag (und 12 Stunden pro Nacht) “nur” Kinder und Haushalt und bin genau so am Ende. Vielleicht im nächsten Leben lieber keine Kinder? Dafür Zeit für Bedürfnisse, niemals nie das Problem der Vereinbarkeit von Job und Familie, genügend Geld, niemals nie ein schlechtes Gewissen und dieses Gefühl, dass einem bei jeder Trennung von den Kindern und der Abgabe an zweitklassige Kindergärten das Herz aus der Brust gerissen wird … Oder aber im nächsten Leben mit anderen Eltern geboren werden, in andere Umstände hinein, lieber erst verbeamtet sein, bevor das erste Kind kommt, wegen der Sicherheit? Ich geh mal ne Runde in den Keller, nicht zum Lachen, sondern zum Weinen.
Disclaimer: ich weiß, ich habe keinen Grund zum Jammern, ich habe nur drei Kinder, durfte wegen Elterngeld zumindest beim letzten Kind ein Jahr zu Hause bleiben, habe ein Dach über dem Kopf und muss nicht hungern. Ich jammere trotzdem.
